Von Menschen getrieben

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Energiewende kommt, und die Photovoltaik hat eine große Zukunft. Schön wäre es. Doch wer angesichts der aktuellen Höhenflüge des Marktes darauf vertraut, dass das ein Automatismus ist, der irrt.

Wir brauchen Menschen wie Hermann Scheer, die sich, getrieben von ihren Idealen, mit ihrer ganzen Kraft dafür einsetzen. Solche Menschen gibt es an vielen Positionen in der Branche. Das Magazin, das Sie in den Händen halten, zeigt, wie diese Menschen die Photovoltaik nach vorne bringen.

Der Tod von Hermann Scheer kam früh und plötzlich, und so ist sein letztes Buch unerwartet zu seinem Vermächtnis geworden. Es ist ein Buch für alle, die wissen wollen, wie man es schafft, dass Ideale nicht ins Leere laufen. Für Hermann Scheer ist die Photovoltaik das umstrittene Herzstück des komplexen Übergangs zu den erneuerbaren Energien. Er hat in der Diskussion um die regenerativen Energien gleichzeitig nie vergessen, welche Interessenkonflikte bestehen und ausgestanden werden müssen (Seite 124).

Diese Interessenkonflikte gibt es immer noch, und der Kampf um die Energiewende ist noch lange nicht zu Ende – zum einen auf der politischen Ebene. Das zeigen die jüngsten Entwicklungen in der Europäischen Union. Der Energiekommissar will die Förderung in den Mitgliedstaaten vereinheitlichen. Eigentlich ist das sehr sinnvoll. Doch Hans-Jürgen Fell, neben Hermann Scheer einer der Väter des deutschen EEG, befürchtet Schlimmes. Die Hardliner aus der EU-Kommission, die bisher gerade keine Energiewende angestrebt haben, könnten wieder Oberwasser bekommen können (Seite 22). Dem muss man immer wieder den Erfolg des deutschen Modells entgegensetzen. Kürzlich ging durch die Presse, dass laut Aussagen der Deutschen Energie-Agentur Photovoltaik an sonnigen Wochenenden schon heute fast den gesamten Strombedarf decken könnte. Wer hätte das vor einigen Jahren für möglich gehalten?

Doch der Kampf muss auch auf der technologischen Seite geführt werden. Es ist sonnenklar, dass die Photovoltaik nicht weiter den gegenwärtigen Erfolg haben wird, sollte sie Stromverbraucher zu sehr belasten. Die Preise müssen sinken. Es gibt in der Branche, die sich so schnell entwickelt, viele Beispiele dafür, dass das gelingen kann. So bringen Wissenschaftler, Anlagenbauer und Produktionsexperten zurzeit vier Technologien in die Zellproduktion, die über Jahre und Jahrzehnte in den Forschungslaboren in Wartestellung standen. Alle vier erhöhen den Wirkungsgrad und senken die Kosten (Seite 70). Auch auf dem Satteldach tut sich etwas. Die Hersteller von Montagesystemen haben raffinierte Methoden entwickelt, die die Installation vereinfachen und beschleunigen (Seite 102).

Alle diese Entwicklungen haben mit Menschen zu tun, die sich für ihre Ziele einsetzen. Hermann Scheer wusste es. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte überreichte er den Deutschen Solarpreis an einige derer, die er als Pioniere der solaren Zukunft sah (Seite 8). Er war überzeugt, dass die 100-Prozent-Versorgung mit erneuerbaren Energien viel schneller kommen kann, als viele glauben. Packen wir es an.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Michael Fuhs

(Chefredakteur)