Photovoltaik-Dachanlage auf einem Einfamilienhaus

Für Hausbesitzer lohnt sich die Optimierung des Eigenverbrauchs mehr, als überschüssigen Solarstrom ins Netz einzuspeisen.
Foto: Kaco new energy

Photovoltaik-Speicher an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit

12. Mai 2015 | Speicher und Netze, Topnews

Bereits in wenigen Jahren werden dank sinkender Kosten die Speichersysteme für Photovoltaik-Anlagen bereits rentabel sein. 2017 oder 2018 könnte nach Ansicht des Solar Clusters Baden-Württemberg eine gespeicherte Kilowattstunde Solarstrom günstiger sein als der Preis für Haushaltsstrom.

Diesen Artikel teilen

Melden Sie sich jetzt kostenlos für unseren täglichen Newsletter an.

Zur Anmeldung

Für Besitzer von Photovoltaik-Anlagen ist es durchaus attraktiv, auch ein Speichersystem zu installieren. Der Haushaltsstrompreis liegt derzeit netto bei rund 25 Cent pro Kilowattstunde, die Kosten für den Photovoltaikstrom vom eigenen Dach sind inzwischen auf 11 bis 13 Cent pro Kilowattstunde gesunken, heißt es beim Solar Cluster Baden-Württemberg. Damit sei es sinnvoller, mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen, als ihn gegen die geringere Solarstromvergütung ins Netz einzuspeisen. Die Differenz von derzeit etwa 13 Cent je Kilowattstunde mache den Eigenverbrauch lukrativer. Angesichts weiter sinkender Preise für Photovoltaik-Anlagen und steigender Strompreise werde dieser künftig wohl noch attraktiver. Mit einem Speicher ließe sich eine Eigenverbrauchsquote von bis zu 60 Prozent über das Jahr erreichen.

Derzeit seien die Kosten für Batteriespeichersysteme durch den höheren Eigenverbrauch nur in seltenen Fällen vollständig finanzierbar. Das werde aber in rund zwei bis drei Jahren der Fall sein, erklärt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. Es sei auch 2015 und 2016 mit weiteren Preissenkungen zu rechnen. Im vergangenen Jahr sind die Kosten für Photovoltaik-Speichersysteme bereits um rund ein Viertel gesunken. „Schätzungen zufolge werden die Kosten in den nächsten zwei Jahren um rund zehn Prozent pro Jahr geringer. Steigt der Haushaltsstrompreis dann noch um durchschnittlich drei Prozent pro Jahr, werden die Speicher 2017 oder 2018 die Grenze zur Wirtschaftlichkeit klar durchbrochen haben“, erklärt Peter Eckerle vom Verein Storegio Energiespeichersysteme aus Ludwigshafen. Derzeit lägen die Kosten für ein Gesamtsystem inklusive Montage zwischen 1100 und 1300 Euro pro Kilowattstunde; im günstigsten Fall sogar bei 1000 Euro pro Kilowattstunde, heißt es weiter. In drei Jahren werden es dann voraussichtlich weniger als 800 Euro sein. Bei dieser Entwicklung und unter Berücksichtigung steigender Strompreise sei damit eine gespeicherte Kilowattstunde Solarstrom 2017/2018 wohl günstiger als Haushaltsstrom. „Ist das der Fall, werden Speicher gängiger Bestandteil jeder Photovoltaik-Anlage sein“, ergänzt Tschamber.

Bereits jetzt seien in Deutschland in mehr als 15.000 Haushalten und kleinen Gewerbebetrieben Photovoltaik-Speichersysteme installiert. Allerdings gebe es auch ohne Batterien die Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu erhöhen. So könnten Hausbesitzer den Stromverbrauch in die Mittagsstunden verlagern, wenn der meiste Solarstrom produziert werde. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Solarmodule nach Osten und Westen auszurichten.

Darüber hinaus gibt es neue Pilotvorhaben, die die Speicherung von Solarstrom noch lukrativer machen sollen. Zum einen die sogenannte „Strombank“. Der Energieversorger MVV Energie und der Speicherhersteller Ads-tec haben Ende 2014 einen Großspeicher auf Lithium-Ionen-Basis mit einer Kapazität von 116 Kilowattstunden in Betrieb genommen. Der Quartiersspeicher ist an 14 private Haushalte und vier Gewerbebetriebe in Mannheim sowie an das Niederspannungsnetz der MVV Energie angeschlossen. Aufgrund der Größe sei er günstiger als 18 einzelne Batteriespeicher für die Haushalte und Betriebe. Zudem könne die Speicherkapazitäten besser genutzt werden. Der Energieversorger Lichtblick baut derzeit zudem seinen „Schwarmspeicher“ auf. Er vernetzt dabei Speichersysteme kleiner Photovoltaik- und von Windkraftanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk. Neben einer Steigerung der Erträge sollen zu aus Überschüsse aus dem Stromnetz in den Speichern aufgefangen werden. (Sandra Enkhardt)

Mehr zum Strombank-Projekt erfahren Sie auch in unserer kommenden Ausgabe. Sie erscheint am 8. Juni.

Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Micha Drese aus Bremen

Mittwoch, 13.05.2015 13:42

@Koerberlein, sehe ich genauso. Mathematik ist eben unbestechlich. Und danke an die Redaktion für eine vorsichtige und realistische Betrachtungsweise. Mit der Berechnung haben eben viele Schwierigkeiten [...]

Alfred Körblein aus Nürnberg

Mittwoch, 13.05.2015 09:04

Tut mir leid, aber so optimistisch wie Herr Kempf bin ich nicht. Nehmen wir mal den Preis von 1000 €/kWh an und unterstellen eine "Lebensdauer" von 5000 Zyklen, eine Entladungstiefe (DOD) von 90% und [...]

Guido Röers aus Köln

Mittwoch, 13.05.2015 07:16

Es kommt mir so vor als wäre der Artikel vor 2 Jahren veröffentlicht worden. Der Kunde bekommt bei uns seinen Speicher schon für 750,- €/KWh wenn er die KFW Förderung mit nimmt. Die Hauptfrage ist [...]

Christoph Kempf aus Mainburg | http://www.volthaus.de

Dienstag, 12.05.2015 18:20

Ich bin mir nicht ganz sicher, auf welchen Fall und auf welche Speicher Sie mit der doch etwas einseitigen Überschrift hinweisen... Ich kann Ihnen gerne eine wirklich vorsichtige Modellrechnung anbieten [...]

vollständige Kommentare anzeigen
Kommentare 1 - 4 von 4

Micha Drese aus Bremen

Mittwoch, 13.05.2015 13:42

@Koerberlein, sehe ich genauso. Mathematik ist eben unbestechlich.
Und danke an die Redaktion für eine vorsichtige und realistische Betrachtungsweise. Mit der Berechnung haben eben viele Schwierigkeiten und agieren emotional. Der Verbraucher fällt nur allzu oft auf die Schlagworte Unabhängigkeit und Autarkie rein, die an der der Grenze zum Betrug sind. Insbesondere tragen das ja derzeit Pacht- und Mietmodell-Anbieter als Mantra vor sich her, die sich überhaupt nicht rechnen. Für mich müssen LiOn-Speicher erstmal beweisen, das sie 5.000 oder gar 10.000(sonnenbatterie) Vollladezyklen über 20 Jahre schaffen. Garantie aber nur über 10Jahre oder 10.000Vollladezyklen?! In 10 Jahren schafft man aber höchstens 3000 Vollladezyklen. Wie simuliert man das seriös? Man sollte mal deren Garantiebedingungen aufmerksam lesen. Da habe ich doch starke Zweifel, denke ich an smartphones und notebooks.
Und bei KfW-Tilgungszuschuss vergessen viele dem Verbaucher zu sagen, das die Anlage auf 60% Wirkleistung fixiert werden muß, d. h. man hat starke Einspeiseverluste, insbesondere bei Süddächern und Anlagen mit 5-10KWp!
Fazit: der Verbraucher hat es in der Hand.

Alfred Körblein aus Nürnberg

Mittwoch, 13.05.2015 09:04

Tut mir leid, aber so optimistisch wie Herr Kempf bin ich nicht.
Nehmen wir mal den Preis von 1000 €/kWh an und unterstellen eine "Lebensdauer" von 5000 Zyklen, eine Entladungstiefe (DOD) von 90% und Lade/Entladeverluste von ebenfalls 10%. Dann errechnet sich ein Preis für die gespeicherte kWh von 1000/(5000*0,9*0,9)=0.25 €/kWh bzw. 25 ct/kWh. Dazu kommt die entgangene Einspeisevergütung von gut 12 ct/kWh, zusammen 37 ct/kWh. Dafür spart man sich ca. 24 ct/kWh (netto) für Strombezug ein. Noch fehlen also 13 ct/kWh bis zur Wirtschaftlichkeit.
Mit steigenden Strompreisen wird die Differenz zwar kleiner, aber ob schon in wenigen Jahren die Wirtschaftlichkeit erreicht ist, bezweifle ich.

Guido Röers aus Köln

Mittwoch, 13.05.2015 07:16

Es kommt mir so vor als wäre der Artikel vor 2 Jahren veröffentlicht worden. Der Kunde bekommt bei uns seinen Speicher schon für 750,- €/KWh wenn er die KFW Förderung mit nimmt. Die Hauptfrage ist ja was als wirtschaftlich definiert wird? Ist es eine Armortisation nach 12 Jahren oder evtl. schon nach 10 Jahren? Bei dieser Fragestellung sieht man schnell dass es hauptsächlich auf die Lebenddauer der Batterie ankommt.
Bei diesem Bericht als Grundlage wäre im letzten Jahr nicht eine einziger Batteriespeicher verkauft worden. Kommisch das laut Statistik jede 3 PV-Anlage in 2014 bereits mit einem Batteriespeicher gebaut wurde. Ich glaube nicht das die Solarteure so gute Verkäufer sind und Ihren Kunden einen Murcks verkauft haben.

Christoph Kempf aus Mainburg | http://www.volthaus.de

Dienstag, 12.05.2015 18:20

Ich bin mir nicht ganz sicher, auf welchen Fall und auf welche Speicher Sie mit der doch etwas einseitigen Überschrift hinweisen...
Ich kann Ihnen gerne eine wirklich vorsichtige Modellrechnung anbieten für eine Neuanschaffung einer PV-Anlage (4 kWp) mit einem zusätzlichen Speicher mit LiFePo4-Technologie (4kWh).

Dabei kommen unterm Strich Stromgestehungskosten (und auf die kommt es ja an) von 12,5 Cent heraus. Damit wäre dann bei einem Strompreis von etwa 28 Cent und einer Strompreissteigerung von 5% Jährlich eine Amortisationszeit von knapp 9 Jahren erreicht.

Wenn dieser Ansatz weitergesponnen wird, dann ergibt sich über die Laufzeit von 25 Jahren eine Rendite von jährlich mindestens 8%.

Wie gesagt, das ist eine sehr vorsichtige Berechnung - wenn man optimistischer ist, dann wird auch das Ergebnis positiver.

Wenn Sie Interesse an einer näheren Betrachtung haben, stehe ich gerne zur Verfügung.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass die genannten Preise von 1.100/1.300/800 € wohl pro kWh gedacht sind, doch das steht da nicht.

Viele Grüße
Christoph Kempf



Copyright 2014 © pv magazine

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

photovoltaic (pv) news on topics like thin film and feed-in tariffs and events like Intersolar Europe

Internationale Photovoltaik-News auf Englisch

Spanische Photovoltaik-News aus Lateinamerika