Envelio, ein 2017 als Spin-off der RWTH Aachen gegründeter und seit 2021 zum Eon-Konzern gehörender Anbieter von Smart-Grid-Software, kooperiert mit dem Verteilnetzbetreiber Rheinnetz bei der Realisierung eines Niederspannungsleitsystems. Rheinnetz, an der Eon über einen Anteil am Mutter-Unternehmen Rheinenergie ebenfalls beteiligt ist, ist zuständig für den Raum Köln und gehört nach eigenen Angaben zu Deutschlands größten regionalen Netzbetreibern.
Das neue Leitsystem soll Fernüberwachung, Datenerfassung und die Steuerung zentraler Prozesse ermöglichen. „Während solche Systeme in Mittel- und Hochspannung bereits seit Jahren etabliert sind, rückt die Niederspannung durch Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur zunehmend in den Fokus“, heißt es zur Begründung von den beiden Unternehmen. Die Grundlage für das Leitsystem bildet die von Envelio entwickelte „Intelligent Grid Platform“ (IGP). Sie digitalisiert und automatisiert Prozesse wie Anschlussprüfung, Netzplanung, Netzbetrieb und Netzsteuerung. IGP wird nach Angaben des Unternehmens bereits von „mehr als 55 Kunden in Deutschland und Europa“ genutzt, die in Deutschland ungefähr 50 Prozent des Verteilnetzes abdecken. Auch in den USA ist Envelio aktiv.
Rheinnetz und Envelio wollen bei ihrem gemeinsamen Projekt nun einen „PlanOps“-Ansatz erfolgen, also Planung und Betrieb miteinander verzahnen. Hierbei sollen „wichtige Prozesse wie die Anschlussprüfung, die Netzplanung, der Betrieb, und die Steuerung auf einer Plattform – der IGP – digital abgewickelt werden“. Envelio-CEO Simon Koopmann spricht von einem „echten Meilenstein für die Digitalisierung und Automatisierung von Netzbetrieb und Netzplanung in Deutschland“. Rheinnetz beweise „echten Pioniergeist“ und schaffe „eine entscheidende Grundlage, um erneuerbare Energien, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen zuverlässig ins Netz zu integrieren.“
Automatisierte Steuerung von Verbrauchern und Erzeugern
Ein Kernelement der Planungen ist die Steuerung von Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen auf Grundlage eines digitalen Zwillings des gesamten Nieder- und Mittelspannungsnetzes von Rheinnetz. Da auf der Envelio-Plattform verschiedene Software-Anwendungen miteinander kooperieren, lasse sich der gesamte Vorgang zum Steuern von Verbrauchsanlagen nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz automatisieren. Perspektivisch sei auch eine vollautomatisierte Steuerung der Erzeuger nach Paragraf 9 EEG umsetzbar. Auch „weitere regulatorische Treiber“ – also Gesetzes- oder Normänderungen – ließen sich skalierbar umsetzen.
Rheinnetz nutzt die IGP den Angaben zufolge unter anderem für die automatisierte Bearbeitung und Prüfung von Netzanschlussanfragen. Auch eine strategische Netzplanung mithilfe von Szenarioanalysen und automatisierten Planungstools gehöre zu den Anwendungen. Im operativen Netzbetrieb ermögliche die Plattform in der Niederspannung ein wirkungsvolles Schaltmanagement, bei dem geplante Schalthandlungen simuliert und ihre Auswirkungen auf Auslastung und Betriebssicherheit bewertet werden können.
Verschiedene IGP-Apps sollen im Rahmen der Kooperation zum Einsatz kommen, darunter die Anschlussprüfung und ein „Online Connection Check“ sowie – für Erneuerbare-Energien-Projekte besonders interessant – perspektivisch auch der „Netzanschlussnavigator“ für die Suche nach freien Netzkapazitäten. Ergänzt werde dies durch Anwendungen wie Zielnetzplanung, Netzstudie und Online-Monitoring ebenso wie durch Lösungen für Engpassmanagement und Schaltprozesse. Jan Patrick Linossier, Technischer Geschäftsführer bei Rheinnetz, gibt sich „überzeugt, dass die Einführung eines produktiven Niederspannungsleitsystems und damit der Aufbau eines digitalen Zwillings nicht nur für uns als Netzbetreiber und unsere Kundschaft erhebliche Vorteile bringt, sondern sich letztlich auch positiv auf das Gelingen der Energiewende auswirkt.“
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Wow… das hört sich mal nach vorbildlichen Netzbetreiber an. Das sind doch genau die Kompetenzen, die es jetzt für hunderte andere Verteilnetzbetreiber genauso braucht. Warum schließen die sich nicht zusammen und nutzen dieses know how gemeinsam, sorgen für die Synergien, die es so dringend für Effizienz und Beschleunigung braucht?
Besser ist es vermutlich, einfach die Zahl der Netzbetreiber drastisch zu senken… dann lassen sich auch verbindliche Regeln mit neuen Technologien konsequent durchsetzen. Aktuell ist das eine einzige Katastrophe in Sachen Trägheit und Innovationsfähigkeit, wo offenbar jeder machen kann, was er will… ggf. auch einfach nichts.
Insbesondere die Visualiserung wäre für die Kunden natürlich von größtem Interesse, sprich die Spannungen, Leistungen und Ströme ( ergo die Auslastung) an den OrtsNetzTrafo’s und ggfs. an den Enden relvanter Abgänge.
Dann hätten wir eine Darstellung der Auslastung analog zum PKW Verkehr an den BAB Kreuzen.
Aber dies wird vermutlich Wunschdenken bleiben, denn dies ist Herrschaftswissen, denn der Netzfürst möchte entscheiden, wer was und worüber weiß.
Viel Interessanter wird es sein, übergriffig in Bezug auf §14a: Eingriffe und „Dimmen“ zu werden. Denn installierte Technik will genutzt werden – ob’s jemand braucht ist dann sekundär.
Aber mal schauen, ob es die notwendige Transparenz geben wird – die Technik gäbe es denn her ! Zur Not muß der Gesetzgeber tätig werden !