Enspired-CEO fordert Transparenz durch überprüfbare Optimierer-Daten

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Es stellt sich immer wieder die Frage, wie man als Speicherbetreiber die Performance eines Optimierers bewerten kann. Manche wollen sich daher nicht auf einen Optimierer festlegen, sondern zwei oder drei benutzen. Was halten Sie davon?

Jürgen Mayerhofer: Es gibt zwei Lager bei den Anlageneigentümern. Manche wollen einen Benchmark und nehmen zwei Optimierer, um einen Vergleich zu erhalten. Dass sie drei nehmen, ist eher selten. Man bekommt mit mehreren Optimierern natürlich durchschnittlich schlechtere Erlöse für das gesamte Portfolio, als wenn man sich gleich für den Besten entscheidet – der Preis für Transparenz.

Den muss man ja erst einmal kennen. Es gibt ja die Möglichkeit, einen Batteriespeicher mehreren Optimierern zuordnen. Spricht etwas dagegen?

Die Erlöse sinken, weil die Optimierer nicht miteinander sprechen. Wenn ein Optimierer im ersten Halbtag weniger Zyklen nutzt, als ihm zugewiesen sind, kann der zweite Optimierer diese nicht verwenden. Er weiß auch nicht, ob der andere Optimierer diese in der zweiten Tageshälfte noch gedenkt zu verwenden. Ich wage zu bezweifeln, dass man in die Nähe der Erlöse kommt, die wir erzielen können, wenn wir ein physisches Asset allein optimieren. Es gibt auch noch weitere Themen, die an Komplexität gewinnen, wie etwa Haftungen. Wenn ich drei Anlagen hätte, würde ich physische Assets an verschiedene Optimierer vergeben, wenn ich das unbedingt will, aber keine Anlage zerschneiden. Generell wäre es doch viel effizienter für den gesamten Markt, wenn die Optimierer einfach durch einen Dritten auditiert ihre Performance publizieren, so wie wir es machen.

Das sind Eigenaussagen der Optimierer, wie kann man denen glauben?

Wir beauftragen die Wirtschaftsprüfer der KPMG, die Audit-Richtlinien unterliegen und die auch Jahresabschlüsse prüfen. Sie überprüfen die Performance, die mit allen Handelsgeschäften, Regelleistungsabrufen und Batterieverfügbarkeitsdaten hinterlegt ist. Wir haben die Methodologie und Ergebnisse offengelegt, man kann sie auf unserer Webseite downloaden. Andere Optimierer könnten sie herunterladen und einen Wirtschaftsprüfer beauftragen, das genauso zu machen.

Kein Großspeicher gleicht dem anderen. Zum Beispiel weil sie unterschiedliche Einschränkungen bei der Netznutzung haben. Wie verglicht man vor diesem Hintergrund die Daten?

Keine zwei Speicher sind gleich. Das gilt auch in Bezug auf die Technik. Garantiebedingungen unterscheiden sich leicht, sodass sie bei einem Speicher vielleicht 0,2 Zyklen pro Tag mehr erlauben als beim anderen, es gibt andere C-Raten-Limitierungen, der eine hat zwei Stunden, der andere hat 2,1 Stunden Speicherdauer. Es gibt viele Unterschiede. Alle zu berücksichtigen ist in der Praxis unmöglich und schießt am Ziel vorbei. Wir wollten daher ein Abstraktionslevel finden, das so gut ist, dass man einen Korridor definieren kann, in dem sich die Performance bewegen sollte.

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Wie geht das?

Wir haben über ein Jahr mit der KPMG daran gearbeitet. Wir müssen manche Dinge abstrahieren und nehmen dabei eine gewisse Unschärfe in Kauf. Wir zeigen das Minimum, das Maximum und den volumensgewichteten Durchschnitt der historischen Erlöse und wir geben die durchschnittlichen Zyklen über das ganze Portfolio an. Man bekommt nicht einen Punktwert von zum Beispiel 200.000 Euro pro Megawatt und Jahr, sondern drei Werte und damit den gewünschten Korridor. Je nachdem, ob man zur oberen oder zur unteren Grenze tendiert, kann man uns dann auch fragen woher die Unterschiede kommen. Wir können relativ einfach sagen, dass zum Beispiel die Assets in einem bestimmten Bereich 1,5 Zyklen pro Tag hatten. Es wäre gut, wenn auch andere ihre Performance so publizieren wie wir, dann hätten wir wirkliche Transparenz.

Wenn man ihren Korridor vergleicht mit dem, was Analysten ausrechnen, trifft sich das ungefähr oder kommen diese zu deutlich anderen Ergebnissen?

Ich kann es aktuell nur zu einem der Analysten-Unternehmen kommentieren. Wir haben AFRY Deutschland überzeugt, ihren Q4/2024er Bankable Forecast für 2025 mit unserer 2025er auditierten Performance zu vergleichen. Wir lagen sehr nahe an deren Durchschnittsszenario. Auf Monatsbasis sieht man Abweichungen, aber der Jahresdurchschnitt passt sehr gut. Wir konnten bereits weitere Analysten überzeugen, diese Validierung im Zuge unserer ESIN Masterclasses durchzuführen. Als nächsten Schritt werden wir einen Index mit Daten von verschiedenen Optimierern für Deutschland veröffentlichen.

Bei dem Vergleich wurden Forecast-Daten mit realen Daten verglichen. Man weiß dann nicht, welche Abweichungen dem Markt zuzuschreiben sind und welche der Optimierung.

Das stimmt. Wir haben den Vergleich so gemacht, weil er für die Praxis relevanter ist. Die Banken verwenden den Forecast für die Finanzierung. Wir sind im regelmäßigen Austausch mit Analysten, um die Abweichungen zu verstehen.

Ein anderes Thema: Aus Sicht eines Optimierers, worauf sollte man beim Bau von dem Batteriespeicher achten?

Es gibt sehr viele Diskussionen über die optimale Speicherdauer, also zwei Stunden, drei Stunden oder vier Stunden. Wir haben von 1 Stunden bis 4 Stunden alles im operativen Betrieb und können auf Daten zurückblicken. Mit einem 4-Stunden-Speicher kann man 20 bis 30 Prozent mehr Umsatz generieren als mit einem 2-Stunden-Speicher.

Die Entscheidung über die Speicherdauer hängt dann davon ab, ob der 4-Stunden-Speicher das Doppelte des 2-Stunden-speichers kostet oder weniger.

Genau. Auf der einen Seite ist es eine Capex-Frage. Auf der einen Seite hängt es aber auch davon ab, wie sich meine Umsätze in fünf Jahren oder sieben oder acht Jahren zusammensetzen werden. Kürzere Speicherdauern sind sehr kosteneffizient bei leistungsgetriebenen Erlösströmen, also bei Primärregelleistung, teilweise auch bei sekundärer Regelleistung. Längere Speicherdauern helfen beim Energieverschieben im Großhandelsmarkt, über Sekundärregelleistung oder Schwarzstartfähigkeit. Man muss abwägen, welche Erlösströme man in Zukunft erwartet.

Man kann Speicher ja zunächst als 2-Stunden-Speicher bauen und nachträglich erweitern.

Theoretisch klingt das sinnvoll. Die meisten Integratoren, mit denen wir sprechen, sagen aber, dass sie nicht garantieren, dass man in fünf Jahren einfach die Kapazität erweitern kann. Die Batteriezellen, das Containerdesign, vieles kann und wird sich bis dahin ändern.

Es gibt gerade viel Diskussion über Redispatchkosten und die Entschädigung bei erneuerbaren Energienanlagen. In unserer Marktübersicht haben Sie angegeben, dass sie auch die Redispatch-Abrechnung bei Batteriespeichern übernehmen. Gab es denn schon mal Redispatch mit einer Abrechnung beim Batteriespeicher?

Soweit ich weiß in unserem Portfolio nicht.

Vielleicht weil die Netzbetreiber selber noch nicht wissen, wie sie entschädigen sollen.

Das muss ich jetzt korrekt beantworten mit „das kann ich nicht beurteilen“. Eine faire Remuneration ist komplex und nicht unbedingt für Batterien konzipiert. Für mich stellt sich eher die Frage, ob Redispatch der richtige Mechanismus ist. Mit flexiblen Netzanschlussverträgen werden Netzzugänge energiewendedienlich gemacht werden. Dann ist es teilweise auch eine Frage des Marktdesigns wie viel Redispatch notwendig ist.

Die Politik scheint entschieden zu haben, dass sie in Deutschland eine einheitliche Preiszone erhalten will.

Was ich verstehe. Der organisatorische Aufwand, das zu ändern, wäre sehr groß. Trotzdem, wenn man sich von dem „ist“ löst, stellt sich die Frage, ist das Vorgehen schlau? Die Diskussionen, die es zu dem „Verhalten“ der Batteriespeicher in Deutschland gibt, gibt es in anderen europäischen Märkten so nicht. Sie sind eindeutig dem Marktdesign geschuldet.

Wenn vielleicht, so wie gerade in einem Referententwurf vorgesehen, erneuerbare Anlagen im Redispatchfall in bestimmten Gebieten nicht mehr entschädigt werden sollten, müssten Optimierer für Co-Location-Anlagen das berücksichtigen. Geht das?

Uns schreckt das aus technologischer Sicht nicht. Seit mehr als neun Monaten haben wir Anlagen mit Nutzungseinschränkungen in Betrieb. Je komplexer es ist, desto besser ist das für uns. Uns machen eher die Unklarheit in der Regulatorik und die aktuell nicht absehbaren kommerziellen Auswirkungen Sorgen.

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