Lyten schließt Übernahme von Northvolt ab: Produktion von Lithium-Schwefel-Batterien im Gigawatt-Maßstab und Start von F&E in Schweden geplant

Northvolt Labs, Batterieforschungszentrum, Västerås, Schweden

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von ESS News

Das auf Kompositmaterialien und Lithium-Schwefel-Batterietechnologie spezialisierte Technologieunternehmen Lyten gab am Freitag den Abschluss der Übernahme verschiedener Vermögenswerte des insolventen schwedischen Batterieherstellers Northvolt bekannt. Am „Northvolt Ett“-Standort im schwedischen Skellefteå soll der „Lyten Industrial Hub“ entstehen, an dem Batterieproduktion, weitere Fertigungsaktivitäten und ein neu angekündigtes Rechenzentrum gebündelt werden.

Im August 2025 wurde bekannt, dass Lyten die Vermögenswerte von Northvolt in Schweden und Deutschland mit einer Produktionskapazität von 16 Gigawattstunden aus der schwedischen Batteriefertigung übernehmen will, darunter auch den Standort in Skellefteå. Neben den Fertigungskapazitäten umfasste die Vereinbarung auch die Northvolt Labs in Västerås, eine der größten – nach Lyten-Angaben sogar die größte – Forschungs- und Entwicklungs-(F&E-) Einrichtungen für Batterietechnologie Europas sowie mehr als 160 Hektar an Grundstücken, Infrastruktur und Gebäuden.

Rund sieben Monate später wurde die Transaktion nun ohne die bei derart großen Übernahmegeschäften häufigen Komplikationen abgeschlossen. „Mit dieser Übernahme betreibt Lyten nun einen der größten Batterie-Fertigungscampi Europas sowie das größte Batterie-F&E-Zentrum Europas“, sagte Lyten-Vorstand und Mitgründer Dan Cook. Nach Angaben des Unternehmens wird der Produktionsstandort Skellefteå den Betrieb wieder aufnehmen und soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 mit der Serienproduktion von Batteriezellen beginnen.

Kommerzialisierung von Lithium-Schwefel-Batterien geplant

Unter Nutzung der von Northvolt hinterlassenen Anlagen wird der Lyten Industrial Hub den Angaben zufolge Lithium-Ionen-NMC- (Nickel-Mangan-Cobalt-) Batterien produzieren. Das schwedische F&E-Team werde an langlebigen Lithium-NMC-Zellen arbeiten und dabei mit Lytens US-Team im Silicon Valley kooperieren, um die Lithium-Schwefel-Batterietechnologie für die Produktion im Gigawatt-Maßstab zu industrialisieren.

Weiterhin gab Lyten bekannt, dass EdgeConneX, ein weltweit aktiver Entwickler von Rechenzentren, einen Standort für ein Rechenzentrum in Skellefteå von Lyten erwerben will. Das Gelände biete das Potenzial für den Ausbau zu einem Rechenzentrumscampus mit einer Leistung von einem Gigawatt, der zu den größten Rechenzentrumsanlagen Europas zählen würde.

Das Lyten-Management habe gemeinsam mit den Behörden der Gemeinde Skellefteå zudem Wiedereinstellungspläne erarbeitet. Alle Beteiligten seien sich der strategischen Bedeutung des Fertigungsstandorts im Hinblick auf den Bedarf der Europäischen Union an Batteriespeichersystemen sowie die zunehmende Nutzung von Batterien durch Rechenzentren bewusst.

Lyten erwartet, ab der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2026 Batteriezellen von seinem schwedischen Standort an seine Batterieproduktion in Polen – Northvolt Dwa, ebenfalls zuvor im Besitz von Northvolt – liefern zu können. Lyten hatte diesen Standort mit 6 Gigawattstunden Jahresproduktionskapazität in Danzig im Jahr 2025 übernommen und die Produktion dort nahezu umgehend wieder aufgenommen. Offenbar verfolgt das Unternehmen in Schweden eine ähnliche Strategie.

„Florierendes Batterie-Ökosystem“

Der schwedische Lyten-CEO Matthias Arleth erklärte, das Team sei „begeistert, die Produktion wieder aufzunehmen und den Hochlauf in Schweden schrittweise, Produktionslinie für Produktionslinie, zu starten“, nachdem die Übernahme abgeschlossen sei. „In Skellefteå haben wir bewiesen, dass wir konsistente, hochwertige Batteriezellen produzieren können, die den aktuellen Kundenanforderungen entsprechen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Västerås wird ein Eckpfeiler unserer Anstrengungen sein, die zukünftige Marktnachfrage sowohl mit leistungsstarken NMC-Batterien als auch mit Lithium-Schwefel-Batterien der nächsten Generation zu bedienen“, sagte Arleth.

Lyten-Chef Cook hatte zuvor erklärt, der polnische Standort werde eng mit Lytens US-Team zusammenarbeiten und bekräftigte diesen Wunsch auch für den schwedischen Teil des Unternehmens: „Wir verfügen über die Infrastruktur, die Fähigkeiten und die Technologie, um ein florierendes Batterie-Ökosystem in Nordamerika und Europa aufzubauen, unterstützt durch lokale Lieferketten und lokale Fachkräfte, um den rasant wachsenden globalen Bedarf an dezentraler Strominfrastruktur zu decken.“

Bereits 2024 hatte Lyten das US-Geschäft von Northvolt, die Cuberg-Produktionsstätte in Kalifornien, übernommen. Mit Blick auf die Zukunft treibt Lyten zudem die Übernahme der deutschen Vermögenswerte von Northvolt voran. Das Unternehmen erklärte, die Übernahmen würden durch Eigenkapitalinvestitionen bestehender und neuer Investoren aus Europa und Nordamerika sowie durch Mittel aus der Investition von EdgeConneX in den schwedischen Rechenzentrumsstandort finanziert.

Northvolt, das auch in Deutschland einen Produktionsstandort einrichten wollte, hatte im März 2025 in seinem Heimatland erstmals Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen bereits 2024 in den USA einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11des US-Insolvenzrechts gestellt hatte. Nur einen Tag später kündigte Northvolts CEO und Mitgründer Peter Carlsson seinen Rücktritt an.

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