Eine geplante Wasserstoff-Pipeline zwischen Finnland und Deutschland quer durch die Ostsee nimmt konkrete Formen an. Beim Ministertreffen der International Energy Agency (IEA) in Paris unterzeichneten Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und die finnische Umwelt- und Klimaministerin Sari Multala eine gemeinsame Absichtserklärung zur Vertiefung der bilateralen Wasserstoffkooperation.
Die Erklärung beschreibt das gemeinsame Verständnis beider Länder zur Zusammenarbeit beim Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur, bei der Entwicklung von Technologien sowie bei Investitionen entlang der Wertschöpfungskette. Ziel ist es, die Marktbedingungen für eine Wasserstoffwirtschaft zu verbessern und konkrete nächste Schritte festzulegen, wie es in der Erklärung heißt.
Beide Seiten verständigten sich darauf, wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, um Investitionen in die Produktion erneuerbarer Energien zu leiten und die Dekarbonisierung der Industrie sowie die Weiterverarbeitung von Wasserstoff zu fördern. Dazu zählen auch Derivate wie synthetisches Methan, Ammoniak oder erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs (RFNBO).
Die Kooperation baut auf europäischen Initiativen zum Hochlauf eines Wasserstoffmarktes auf, darunter genehmigte IPCEI-Projekte (Important Project of Common European Interest) sowie als „Vorhaben von gemeinsamem Interesse“ (PCI) eingestufte Wasserstoffinfrastruktur- und Elektrolysevorhaben. Auch bestehende Formate wie der Baltic Energy Market Interconnection Plan (BEMIP) sollen genutzt werden.
Beide Länder wollen Investitionsbedingungen schaffen, die neue Wasserstoff-Wertschöpfungsketten ermöglichen. Dabei gehe es um Anreize von der Erzeugung erneuerbarer Energien über die Wasserstoffproduktion bis zur Nutzung in Industrie und anderen Sektoren. Angestrebt wird ein Wasserstoffmarkt im gesamten Ostseeraum, der durch entsprechende Infrastruktur verbunden ist. Ein bereits im Vorfeld als Vorhaben von gemeinsamem Interesse gekennzeichnetes Pipelineprojekt zwischen Finnland und Deutschland könnte dafür die Grundlage bilden.
Deutschland signalisiert zudem, Investitionen deutscher Unternehmen in den finnischen Wasserstoffsektor unterstützen zu wollen. Finnland betont zugleich das Ziel, einen möglichst hohen Anteil der heimischen erneuerbaren Energie im eigenen Land weiterzuverarbeiten. Bis 2035 soll ein landesweiter Wasserstoffmarkt entstehen, der auf regionalen „Hydrogen Valleys“ und nationaler Infrastruktur basiert.
Die AHK Finnland (Deutsch-Finnische Handelskammer) sowie der H2Cluster Finland haben den Prozess der gemeinsamen Erklärung durch ihre Marktexpertise begleitet. Beide Organisationen arbeiten seit mehreren Jahren zusammen, um deutsche und finnische Marktakteure aus der Wasserstoffwirtschaft zusammenzubringen.
„Vor zwei Jahren haben wir als AHK die deutschen Ministerien zum ersten Mal auf das große Potenzial Finnlands für eine Wasserstoffkooperation hingewiesen. Jetzt, nach zwei Jahren intensiver politischer Arbeit, wird mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung der Grundstein für eine Mehrwert schaffende Wasserstoffpartnerschaft zwischen unseren Ländern gelegt“, so Dr. Jan Feller, Geschäftsführer der Deutsch-Finnischen Handelskammer (AHK Finnland). „Deutsche und finnische Unternehmen arbeiten bereits seit mehreren Jahren gemeinsam an Wasserstoffprojekten. Finnische Pilotprojekte nutzen viele deutsche Technologien, darüber hinaus laufen in Finnland bereits mehrere Entwicklungsprojekte deutscher Unternehmen. Wir freuen uns sehr, dass Deutschland und Finnland nun auch auf Regierungsebene die Zusammenarbeit intensivieren. Dies wird dazu beitragen, unter anderem Investitionsentscheidungen zu beschleunigen“, so Feller weiter.
Neben dem Infrastrukturausbau wollen beide Länder bei Technologien zur Dekarbonisierung enger kooperieren, etwa bei Elektrolyseuren, bei Umwandlungstechnologien sowie bei intelligenten Netzen. Zur Umsetzung der Vorhaben soll eine bilaterale Arbeitsgruppe auf Fachebene eingerichtet werden, die regelmäßig tagt und den Austausch zu politischen und regulatorischen Fragen koordiniert. Überdies sind Treffen auf Beamtenebene vorgesehen. Organisationen wie die Deutsche Energie-Agentur (Dena), Germany Trade and Invest oder der Hydrogen Cluster Finland sollen die Vernetzung von Unternehmen unterstützen und Investitionen anstoßen.
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