Nur 30 Euro effektive Stromkosten: Wie KI-gestützte Flexibilisierung die Energiekosten von Wärmepumpen drastisch senkt

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Die Wärmepumpe etabliert sich immer mehr als neuer Standard in deutschen Einfamilienhäusern. Mit Wachstumsraten von über 50 Prozent bei neu installierten Anlagen hat sie im Jahr 2025 die Gasheizung als meistverkaufte Heizungsart überholt. In rund 30 Prozent der Eigenheime wird sie bereits mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert. Doch während die Verbreitung der Hardware voranschreitet, bleibt das Potenzial intelligenter Heim-Energiemanagementsysteme (kurz HEMS) oft noch ungenutzt. Sie dienen als „Gehirn“ des elektrifizierten Haushalts, das Erzeugung, Verbrauch und Speicher intelligent orchestriert – und dadurch die Energiekosten im Eigenheim signifikant reduziert.

Ein konkretes Praxisbeispiel aus dem Berliner Umland zeigt: Eine KI-basierte Steuerung macht den Unterschied und ermöglicht signifikante Einsparungen durch vorausschauende Sektorkopplung von Wärmepumpe und Photovoltaik.

Das Vorurteil: „Wärmepumpe und Photovoltaik regeln das schon von allein“

Die Meinung, eine ausreichend dimensionierte Photovoltaik-Anlage mache smartes Energiemanagement überflüssig, hält sich hartnäckig. Die Wärmepumpe einfach bei Sonnenschein „mitlaufen“ zu lassen, greift zu kurz: Gebäude reagieren träge, Strompreise schwanken stark – und so bleibt Sparpotenzial ungenutzt.

Ein Standard-Setup steuert die Wärmepumpe meist starr nach einer Heizkurve, basierend auf der Außentemperatur. Die Intelligenz endet hier oft beim „SG Ready (smart grid ready)“-Kontakt, der lediglich binär signalisiert, ob ein Photovoltaik-Überschuss vorhanden ist. Echte Optimierung agiert jedoch vorausschauend. Genau hier setzen moderne Energiemanagementsysteme an: Sie koppeln Solarstrom und Wärme, indem sie den Eigenverbrauch maximieren und zugleich den Stromverbrauch in Zeitfenster mit hohem Photovoltaik-Stromangebot verschieben.

Als Hauptverbraucher bietet die Wärmepumpe das größte Flexibilisierungspotenzial. Die Lastverschiebung kann ihre Stromkosten um etwa 20 Prozent senken, wie eine Analyse der Energieberatung Neon belegt – unsere Praxisdaten aus tausenden HEMS-Installationen untermauern diesen Wert.

Die Gebäudehülle als unterschätzter thermischer Speicher

Das Flex-Potenzial der Wärmepumpe ist maßgeblich davon abhängig, wie lange das Gebäude das gewünschte Temperaturniveau halten kann. Dabei wird die Speicherkapazität der Gebäudehülle oft unterschätzt: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kann zwischen 6 und 11 Kilowattstunden thermische Energie in Wänden und Böden speichern – weit mehr als ein klassischer Pufferspeicher. Zusätzlich kann der Warmwasserspeicher für einen flexibleren und kostensparenden Verbrauch genutzt werden.

Um dieses Potenzial zu heben, haben wir für unser HEMS „thermondo smart“ eine eigene  KI-gestützte Software entwickelt. Das System erstellt mithilfe von Daten, die bei der Bestandsaufnahme und Planung für den Heizungstausch erfasst werden, einen digitalen Zwilling des Gebäudes. Auf dieser Grundlage wird eine individuelle Heizstrategie berechnet, die bei gleichbleibendem Komfort Einsparpotenziale erkennt und die Heizkurve auf den tatsächlichen Bedarf des Hauses zuschneidet. Diese Strategie wird an das HEMS übermittelt, welches alle verbundenen Geräte wie Photovoltaik-Anlage, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Warmwasserspeicher und Wallbox entsprechend aussteuert.

In der Praxis zieht die Wärmepumpe so vorzugsweise Energie, wenn ihre Effizienz wetterbedingt höher ist – also bei Sonnenschein, was, wenngleich mit saisonal schwankender Intensität, in der Regel mit hohem Photovoltaik-Ertrag oder niedrigen Börsenstrompreisen einhergeht. Die Energie wird in der Gebäudehülle zwischengespeichert, sodass der Netzbezug in den teuren Abendstunden minimiert wird, ohne dass die Bewohner einen Komfortverlust spüren. Die Heizstrategie garantiert so gewohnten Komfort bei geringeren Energiekosten.

Praxis-Case: 542 Euro zusätzliche Ersparnis im Jahr durch Intelligenz

Wie stark dieser Effekt in der Praxis ausfällt, zeigen die Betriebsdaten eines unserer Kunden für das Jahr 2025.

  • Wärmepumpe: LG Therma V Monobloc (14 Kilowatt)
  • PV-Anlage: 25 Kilowatt-Peak
  • Speicher: 13 Kilowattstunden
  • Steuerung: HEMS „thermondo smart“
  • zusätzlich Wallbox

Durch die intelligente Optimierung mit dem Heim-Energiemanagementsystem konnte der Kunde seine Energiekosten im vergangenen Jahr um 542 Euro gegenüber dem Standardbetrieb senken. Ein wesentlicher Hebel lag hierbei in der Verringerung des Stromverbrauchs der Wärmepumpe um 20 Prozent (etwa 1.200 Kilowattstunden). Gleichzeitig stieg die Eigenverbrauchsquote von Solarstrom um 9 Prozent auf knapp 32 Prozent.
In der Gesamtbilanz lebte unser Kunde fast energieautark. Bei einem Festpreisstromtarif von circa 30 Cent pro Kilowattstunde zahlte er für das gesamte Jahr lediglich knapp 30 Euro an effektiven Stromkosten.

Der Nutzen des Heim-Energiemanagementsystems wird im Vergleich zu einem modellierten Szenario ohne Solarstrom deutlich: Ohne Photovoltaik-Dachanlage hätten die jährlichen Energiekosten für den Haushalt mit Wärmepumpe bei rund 4492 Euro gelegen. Nur mit Photovoltaik konnte der Hausbesitzer seine Stromkosten radikal um 87 Prozent auf nur 571,82 Euro senken. Dieser enorme Einspar-Effekt wurde durch die großzügig dimensionierte Photovoltaik-Anlage und eine hohe Einspeisevergütung von 1.473,77 Euro im Jahr begünstigt.

Die intelligente Flexibilisierung des Verbrauchs reduzierte die verbleibende Stromrechnung um weitere 542 Euro auf nahezu null. Insgesamt sparte der Hausbesitzer somit 4.462,63 Euro an jährlichen Energiekosten ein.

Der nächste Hebel: Dynamische Stromtarife

Als Alternativen zur bezahlten Einspeisung kommen in Zukunft die intelligente Vermarktung des Überschussstroms und bidirektionales Laden infrage. Weiteres Einspar-Potenzial könnte zudem ein dynamischer Stromtarif bieten, welchen unser Beispielkunde nicht nutzt. Modellierungen zeigen, dass hierdurch weitere zehn Prozent Ersparnis möglich wären. Ein intelligentes Heim-Energiemanagementsystem kann die Wärmepumpe gezielt dann aktivieren, wenn die Börsenstrompreise und Netzentgelte niedrig sind. Dies führt zu einem netzdienlichen Betrieb der Wärmepumpe. Flexibler Betrieb rechnet sich in diesem Fall doppelt: Er schont den Geldbeutel des Betreibers und reduziert die Kosten für das gesamte Energiesystem.

Fazit: Wirksame Sektorkopplung braucht Software und Smart Meter

Die Daten veranschaulichen: Der flexible Betrieb von Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage rechnet sich. Mit intelligentem Energiemanagement kann auch ein Haushalt mit großen Verbrauchseinrichtungen die Jahres-Stromrechnung auf unter 30 Euro reduzieren.

Die Technologie dafür ist marktreif. Damit sie jedoch in der Breite der Eigenheime ankommen kann, ist ein schnellerer Smart-Meter-Rollout zwingend erforderlich. Intelligente Steuerungstechnik ist der Schlüssel für Kostenersparnis und die Anpassung an Netzsituationen. Die aktuelle Smart-Meter-Einbauquote bei gerade einmal 3,8 Prozent der Haushalte in Deutschland ist ein Flaschenhals für die Energiewende.

Zudem müssen digitale Prozesse für Anmeldungen und Abrechnungen bei den Verteilnetzbetreibern weiter vorangetrieben werden. Nur so können Hausbesitzer das Potenzial ihrer Anlagen voll ausschöpfen und Preissignale in vollem Umfang nutzen.

Die Wärmepumpe ist kein starrer Verbraucher, sondern flexibel. Wenn wir lernen, diese Flexibilität durch Software konsequent zu nutzen, macht die Energiewende im Einfamilienhaus ökonomisch noch mehr Sinn. Flexibel betriebene Verbrauchseinrichtungen unterstützen außerdem ein zukunftsfähiges und leistungsstarkes Stromnetz. Unser Praxisbeispiel zeigt: Smarte Sektorkopplung bringt Kunden- und Netz-Mehrwert zusammen.

René Zerwes, Senior Product Manager, Thermondo— Der Autor René Zerwes ist Senior Product Manager bei Thermondo. In dieser Position verantwortet er die Entwicklung des unternehmenseigenen Energiemanagementsystems „thermondo smart“ sowie die Konnektivität steuerbarer Verbrauchseinrichtungen für das Eigenheim. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Energiebranche, war zuvor unter anderem bei Lichtblick und Digital Energy Solutions beschäftigt und hat sich auf Wärmepumpen und Energiemanagement-Lösungen spezialisiert. —

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