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Start-up des Monats: Wie Grid IQ die Netzplanung skalieren will

Mehr Netzausbau erfordert bislang fast proportional mehr Ingenieurstunden. Das schwedische Start-up Grid IQ will diese Logik durchbrechen. Mit einer Software automatisiert es dazu zentrale Schritte der Verteilnetzplanung und erstellt weitgehend ausgearbeitete Planungsvorschläge. Dabei optimiert die Software Trassen, Betriebsmittel, Kosten und Bauabläufe nach den Kriterien des Netzbetreibers.
Fidan Shala, Co-Gründer und CEO von Grid IQ | Foto: Grid IQ

Wer seid ihr?

Fidan Shala, Gründer und CEO von Grid IQ: Wir sind Grid IQ, ein schwedisches Unternehmen, das autonome Planung für Stromverteilnetze entwickelt. Unser Gründungsteam verbindet tiefgehende Branchenerfahrung mit Software- und KI-Kompetenz. Ich selber habe zwölf Jahre entlang des gesamten Infrastrukturzyklus gearbeitet – vom Bau von Kabeltrassen mit 16 Jahren bis zu Planung, Projektleitung, Abnahme und Übernahme der Auftraggeberverantwortung. Später habe ich ein Infrastrukturberatungsunternehmen aufgebaut, das drei Jahre in Folge als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Schwedens ausgezeichnet wurde, bevor ich es verkauft habe. Nach meinem Exit habe ich mich auf eine der zentralen Herausforderungen der europäischen Elektrifizierung konzentriert: Wie kann der Netzausbau schnell genug vorankommen, wenn erfahrene Fachkräfte begrenzt verfügbar sind und die Planung zu lange dauert?

Wer sind eure Kunden?

Unsere Kunden sind Stromverteilnetzbetreiber. Sie schließen neue Wohngebäude, Unternehmen, erneuerbare Erzeugungsanlagen, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und industrielle Verbraucher an und verstärken und erneuern gleichzeitig das bestehende Netz.

Wir konzentrieren uns zunächst auf Projekte mit hohen Fallzahlen, beispielsweise neue Netzanschlüsse und lokale Netzerweiterungen. Anschließend erweitern wir Grid IQ auf komplexere Verstärkungs-, Erneuerungs- und Erschließungsprojekte.

Wir sind in Schweden gestartet und entwickeln die Plattform nun für den breiteren europäischen Markt, mit Deutschland als erstem internationalen Schwerpunkt. Grid IQ ist so konzipiert, dass es an die technischen Standards und lokalen Anforderungen jedes Marktes angepasst werden kann.

Welches Problem, welche Herausforderung haben eure Kunden?

Europa muss deutlich mehr Netzinfrastruktur bauen. Doch bevor gebaut werden kann, muss jedes Projekt geplant werden. Ingenieure müssen die Voraussetzungen analysieren, Anschlusspunkt und Kabelverlauf bestimmen, Betriebsmittel auswählen, Berechnungen durchführen und die erforderliche Baudokumentation erstellen.

Ein großer Teil dieser Arbeit erfolgt weiterhin manuell – Projekt für Projekt. Mit wachsenden Projektpipelines entscheidet die verfügbare Planungskapazität darüber, wie schnell Investitionen in die Bauphase gelangen.

Unsere These ist einfach: Europa fehlt es nicht an Ingenieuren. Es fehlt an skalierbarer Planungskapazität. Wenn die Planung nicht skaliert, kann der Netzausbau nicht mit der Elektrifizierung Schritt halten.

Start-up des Monats von pv magazine und Vireo Ventures

In Kooperation mit Vireo Ventures, einem Frühphasen-Investor für eine vollständig elektrifizierte Welt, präsentieren wir monatlich ein aufstrebendes Unternehmen, das an Innovationen für die Solarbranche arbeitet und das wir für interessant halten. Wir wollen aufzeigen, was die Visionen der Unternehmer sind, aber auch wo diese Start-ups heute stehen und wo es konkrete Möglichkeiten für Kooperationen gibt.

Wenn du Dein Unternehmen als Start-up des Monats präsentieren möchtest, fülle bitte den folgenden Fragebogen aus:
-> Zum Fragebogen

Du kannst uns auch per Email an pv magazine und Vireo kontaktieren:
-> [email protected]

Wir freuen uns auch über für Rückmeldungen zu den vorgestellten Unternehmen, zu deren Fragen (siehe ganz unten) und zu unserer Auswahl an diese E-Mail-Adresse.

Hier finden Sie die bisherigen Start-up des Monats

Welche Lösungen gibt es dafür bisher auf dem Markt?

Heute erhöhen Netzbetreiber ihre Kapazität, indem sie weitere Ingenieure einstellen, externe Planungsbüros beauftragen oder einzelne Arbeitsschritte optimieren. Diese Ansätze können zusätzliche Ressourcen schaffen oder Zeit sparen. Das grundlegende Modell bleibt jedoch linear: Mehr Projekte erfordern entsprechend mehr Ingenieurstunden.

Einzelne Anwendungen beschleunigen bestimmte Berechnungen oder Dokumentationsaufgaben. Die Gesamtanalyse und die Zusammenstellung des vollständigen Projekts bleiben jedoch beim Ingenieur.

Was fehlt, ist ein durchgängiger Ansatz, der den zusammenhängenden Planungsprozess ausführt und einen vollständigen Vorschlag zur fachlichen Prüfung erstellt.

Welche Lösung bietet ihr euren Kunden an und gibt es bei euch ein Alleinstellungsmerkmal?

Grid IQ verarbeitet Informationen über das bestehende Netz, lokale Anforderungen und den Bedarf eines neuen Projekts und erstellt daraus einen vollständigen Planungsvorschlag.

Die Plattform ermittelt Anschlusspunkte, plant Kabeltrassen, wählt Betriebsmittel aus, führt technische Berechnungen durch und erstellt Materialmengen, Kostenkalkulationen und Projektdokumentation. Der Ingenieur prüft das Ergebnis, behandelt Sonderfälle und trifft die endgültigen technischen Entscheidungen.

Anders als Lösungen für einzelne Aufgaben führt Grid IQ den zusammenhängenden Planungsablauf aus. Ingenieure beginnen nicht mehr mit einem leeren Projekt, sondern mit einem vollständigen, prüfbaren Vorschlag. Dadurch bleibt mehr Zeit für komplexe Beurteilungen, Qualitätssicherung und die Abstimmung mit Beteiligten.

Nuhi Shala, Mitgründer und CTO von Grid IQ | Foto: Grid IQ

Gibt es bereits Nachweise, dass die Lösung funktioniert, und Referenzen? Wenn ja, welche?

Grid IQ wurde vollständig auf einer eigenen Codebasis entwickelt und anhand realer Verteilnetzprojekte unter tatsächlichen Projektbedingungen und technischen Anforderungen getestet.

In ersten Tests erstellte die Plattform innerhalb weniger Minuten vollständige erste Planungsvorschläge für Projekte mit mehreren Netzanschlüssen. Vergleichbare Projekte durchlaufen in herkömmlichen Prozessen Planungszyklen von mehreren Wochen oder Monaten, bevor ein vollständiger Entwurf für die weitere Ausführungsplanung vorliegt.

Wir befinden uns derzeit in fortgeschrittenen Gesprächen mit mehreren schwedischen Netzbetreibern über Designpartnerschaften und strukturierte Pilotprojekte. In der nächsten Phase wird Grid IQ anhand realer Projektlieferungen validiert und hinsichtlich Durchlaufzeit, Produktivität, Qualität und Kosten bewertet. Da diese Partnerschaften noch nicht öffentlich sind, nennen wir die Netzbetreiber derzeit nicht.

Wie muss man sich das konkret vorstellen? Welche Daten und Randbedingungen gibt der Netzbetreiber in Grid IQ ein und was erhält er am Ende? Ist das Ergebnis beispielsweise ein konkreter Trassen- und Netzplan mit Betriebsmitteln, Materialmengen und Kosten, oder geht die Planung noch weiter bis hin zu einzelnen Baumaßnahmen und deren zeitlicher Abfolge?

Der Netzbetreiber stellt Grid IQ Daten zum bestehenden Netz zur Verfügung, unter anderem aus seinem Netzinformationssystem, Materialkataloge, Einheitspreise und technische Standards. Das Onboarding dauert zwei bis drei Wochen, wobei unser Team den größten Teil der Implementierung übernimmt.

Das Ergebnis ist ein vollständig ausgearbeitetes Netzprojekt einschließlich einzelner Baumaßnahmen, ihrer zeitlichen Abfolge und aller für die Ausführung erforderlichen Unterlagen. Dazu gehören beispielsweise die Platzierung von Trafostationen und Kabelverteilerschränken, Kabeltrassen und Grabenpläne. Auch Kostenschätzungen, Bauabläufe und Terminpläne sind dabei, Unterlagen für Genehmigungen und Gesundheits- und Sicherheitspläne und vieles mehr.

Der Ingenieur prüft die Planung anschließend. Dabei kann er Änderungen direkt in Grid IQ vornehmen. Grid IQ kann inzwischen sogar Netzanschlussanfragen bearbeiten.

Wie geht die Software mit verschiedenen möglichen Lösungen um: Gibt sie mehrere Varianten mit unterschiedlichen Kosten aus oder optimiert sie selbst auf eine bestimmte, etwa möglichst kostengünstige Lösung?

Grid IQ erzeugt alternative Trassen und technische Lösungen und optimiert sie anhand der Kriterien des Netzbetreibers. Standardmäßig sucht die Software nach der kostengünstigsten Lösung, die alle technischen Anforderungen erfüllt.

Bei der Auswahl der Trasse berücksichtigt Grid IQ unter anderem Grabenlänge, Oberflächenarten, Grundstücksverhältnisse, Gelände und Querungen. Der Netzbetreiber kann auch andere Ziele priorisieren, etwa weniger Tiefbauarbeiten oder zusätzliche Kapazität für zukünftige Nachfrage.

Inwiefern bringt diese Lösung die Energiewende voran?

Die Energiewende kann nur so schnell vorankommen wie die Infrastruktur, die sie trägt. Jeder Solarpark, Batteriespeicher, Ladepunkt, Neubau und elektrifizierte Industrieprozess ist letztlich auf das Stromnetz angewiesen. Grid IQ verkürzt den Weg vom erkannten Netzbedarf zum prüffähigen Planungsvorschlag und damit zur baulichen Umsetzung. Dadurch können Netzbetreiber mehr Anschlüsse, Netzverstärkungen und Kapazitätserweiterungen parallel voranbringen.

Wie seid ihr finanziert?

Grid IQ wurde bisher von den Gründern finanziert. Dadurch konnten wir die Plattform entwickeln, an realen Projekten testen und Gespräche mit potenziellen Designpartnern aufbauen. Aktuell bereiten wir eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde vor. Damit wollen wir Grid IQ gemeinsam mit Netzbetreibern in den produktiven Einsatz bringen, unser Engineering- und Softwareteam erweitern und die europäische Expansion vorbereiten. Die Finanzierung soll Grid IQ von einem validierten System zu einem wiederholbar einsetzbaren europäischen Produkt für autonome Netzplanung weiterentwickeln.

Habt ihr Fragen an die Leser von pv magazine?

  • Stellen Sie sich vor, Europa könnte die Stromnetze, die es braucht, in Tagen statt in Wochen oder Monaten planen. Was würde dadurch möglich – und wie viel schneller könnte die Elektrifizierung vorankommen, wenn Planungskapazität nicht mehr der begrenzende Faktor wäre?
  • Wir suchen europäische Netzbetreiber, die bereit sind, diese Zukunft gemeinsam mit uns an realen Anschluss-, Verstärkungs- und Netzausbauprojekten zu erproben und zu validieren.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen und Anmerkungen an [email protected] (pv magazine und Vireo). Wir leiten Sie an unsere Gesprächspartner weiter.

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