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Ein Wegfall der Einspeisevergütung bietet auch Chancen

Natürlich wird die EEG-Reform den Markt verändern, doch es gibt keinen Grund die Zukunft privater Photovoltaik infrage zu stellen, sagt Waldemar Peterson, Geschäftsführer von Tepto Solar.
Waldemar Peterson, Tepto Solar
Waldemar Peterson, Geschäftsführer von Tepto Solar | Foto: Tepto Solar

Wer die Nachrichten der vergangenen Wochen verfolgt hat, könnte meinen, die deutsche Solarbranche stehe vor einem großen Einbruch. Ich erlebe den Markt allerdings anders. Die Nachfrage ist vielerorts hoch, die Auftragsbücher zahlreicher Installateure sind voll. Und ich bin überzeugt, dass sich Photovoltaik auch im kommenden Jahr noch rechnen wird. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte sich die Investition 2027 sogar mehr lohnen als heute. Entscheidend ist, dass wir den Menschen erklären, worauf sie zukünftig achten müssen.

Die Insolvenzen erzählen vor allem etwas über die Vergangenheit

Insolvenzen wie jene von EKD aus Leipzig haben in der Branche für Aufsehen gesorgt. Wenn Unternehmen dieser Größenordnung ins Wanken geraten, entsteht schnell der Eindruck, dem gesamten Markt gehe die Luft aus. Dabei spiegeln Insolvenzen häufig eine wirtschaftliche Entwicklung wider, die bereits sechs bis zwölf Monate zurückliegt. Hohe Fixkosten, komplexe Vertriebsstrukturen und Liquiditätsprobleme belasten Unternehmen oft über längere Zeit.

Bei lokalen, unabhängigen Installationsbetrieben sehe ich dagegen ein anderes Bild. Viele haben ihre Auftragsbücher bis zum Jahresende gefüllt. Ich kenne einzelne Betriebe, die in einem Umkreis von 100 Kilometern bis zu 20 Photovoltaik-Anlagen pro Woche installieren.

Einen erheblichen Anteil daran hat ausgerechnet die politische Diskussion. Viele Eigenheimbesitzer wollen sich die bisherigen EEG-Konditionen sichern und ziehen ihre Investition vor. Einige Installateure bieten deshalb bereits Preisnachlässe an, wenn Kunden bereit sind, ihre Anlage erst 2027 installieren zu lassen. Während die Schlagzeilen vor einer Krise warnen, müssen manche Betriebe ihre Kunden davon überzeugen, mit der Installation noch etwas zu warten.

Eigenverbrauch ist längst wichtiger als die Einspeisevergütung

Ich halte die Aufregung über den geplanten Wegfall der festen Einspeisevergütung für überzogen. Denn ihre wirtschaftliche Bedeutung ist in den vergangenen Jahren ohnehin deutlich zurückgegangen.

Für eine neue kleine Dachanlage gibt es derzeit bei Teileinspeisung rund 7,8 Cent pro Kilowattstunde. Im Zuge der Reform sind teilweise nur noch 5,2 Cent als befristete Übergangsvergütung vorgesehen. Dem steht der deutlich höhere Preis gegenüber, den Haushalte für Strom aus dem öffentlichen Netz bezahlen.

Wer seinen selbst erzeugten Solarstrom direkt verbraucht, spart sich diesen Strombezug. Der wirtschaftliche Vorteil liegt damit häufig bei einem Vielfachen der Einspeisevergütung. Schon heute ist der Eigenverbrauch für viele Haushalte der entscheidende Hebel, um ihre Investition zu refinanzieren. Künftig wird das noch wichtiger.

Gleichzeitig eröffnet die Direktvermarktung neue Möglichkeiten. Statt überschüssigen Strom zu einer festen Vergütung einzuspeisen, können Anlagenbetreiber ihn über entsprechende Dienstleister am Strommarkt vermarkten. Besonders interessant wird das in Kombination mit Batteriespeichern und intelligenten Energiemanagementsystemen.

Die technischen Voraussetzungen entstehen bereits. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Sigenergy und LUOX Energy, bei der Energiemanagement und Direktvermarktung miteinander verknüpft werden. Perspektivisch könnten sogar Menschen ohne eigene Photovoltaik-Anlage profitieren, indem sie Strom bei niedrigen Preisen in einem Batteriespeicher speichern und später selbst verbrauchen oder unter entsprechenden Voraussetzungen vermarkten. Der Markt für solche Lösungen entwickelt sich gerade erst und der Wegfall der Einspeisevergütung könnte diese Entwicklung beschleunigen.

Wer richtig plant, kann künftig sogar mehr sparen

Mein wichtigster Rat an Eigenheimbesitzer lautet deshalb: Lassen Sie sich von der Diskussion um die Einspeisevergütung nicht abschrecken. Beschäftigen Sie sich stattdessen intensiver mit Ihrem tatsächlichen Strombedarf.

Eine kleinere Photovoltaik-Anlage mit hoher Eigenverbrauchsquote kann wirtschaftlich sinnvoller sein als eine große Anlage, deren zusätzliche Erzeugung kaum genutzt wird. Besonders interessant sind Haushalte mit Wärmepumpe, Elektroauto oder Klimaanlage. Auch eine ergänzend eingesetzte Infrarotheizung kann den Eigenverbrauch steigern. Hinzu kommen die sinkenden Preise für Batteriespeicher, die es immer attraktiver machen, tagsüber erzeugten Strom abends selbst zu nutzen.

Ein weiterer Punkt, der meiner Ansicht nach unterschätzt wird, ist die Fassaden-Photovoltaik. Senkrecht montierte Module können gerade im Winter Vorteile bieten, weil die Sonne tief steht und niedrige Temperaturen den Wirkungsgrad begünstigen. Besonders für Haushalte mit Wärmepumpe kann das eine sinnvolle Ergänzung zur Dachanlage sein.

Und schließlich gibt es noch einen Vorteil, über den erstaunlich wenig gesprochen wird: den Zeitpunkt der Installation. Wer seine Photovoltaik-Anlage nicht unbedingt noch 2026 auf dem Dach haben muss, kann bei der Preisverhandlung profitieren. Installationsbetriebe schätzen Planungssicherheit. Wenn ein Kunde heute einen Auftrag unterschreibt, die Installation aber erst in sechs Monaten erfolgt, erleichtert das die Kapazitätsplanung. Manche Betriebe honorieren das mit Preisnachlässen. Ein günstigerer Anschaffungspreis kann den Nachteil einer niedrigeren Einspeisevergütung zumindest teilweise ausgleichen.

Natürlich wird die EEG-Reform den Photovoltaik-Markt verändern. Installateure müssen ihre Beratung anpassen, Direktvermarktungsanbieter einfachere Lösungen entwickeln und Eigenheimbesitzer ihre Anlagen genauer planen. Trotzdem sehe ich keinen Grund, die Zukunft privater Photovoltaik infrage zu stellen. Die Einspeisevergütung war über viele Jahre ein wichtiges Fundament der Energiewende. Aber die Zukunft der Photovoltaik hängt schon lange nicht mehr von ihr ab. Entscheidend ist längst der stark steigende Eigenverbrauch durch zusätzliche Komponenten wie Batteriespeicher, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Wallboxen.

— Der Autor Waldemar Peterson ist Geschäftsführer von Tepto Solar. Er gründete das Unternehmen 2012 mit Hauptsitz in Marienheide mit Andreas Peterson. Es vertreibt Produkte und Lösungen rund um Photovoltaik und erneuerbare Energien. Über den eigenen Onlineshop können Privat- und Geschäftskunden unter anderem Photovoltaik-Komplettanlagen, Solarmodule, Speicher, Wechselrichter, Balkonkraftwerke und Wärmepumpen erwerben. Darüber hinaus arbeitet Tepto mit regionalen Solarteuren zusammen und vermittelt Kunden bei Bedarf an Partner für die Installation ihrer Anlagen. Das Unternehmen beschäftigt heute mehr als 100 Mitarbeiter und verfügt über mehr als 40.000 Quadratmeter Lagerfläche. https://www.tepto.de/ —

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