Photovoltaik reduziert Schweizer Importbedarf bereits um 60 Prozent im Winter 2025/26

Alpin Solar, Axpo, Muttsee

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Die neuen „Axpo Energy Reports“ zeigen, dass die Photovoltaik im Speziellen und die Erneuerbaren im Allgemeinen für die künftige Stromversorgung in der Schweiz eine fundamentale Rolle spielen. Dies betont der Schweizer Photovoltaik-Verband Swissolar mit Blick auf die Veröffentlichung des Berichts am Dienstag. Demnach werden Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz bis 2050 allein im Winter sieben bis zehn Terawattstunden Solarstrom liefern und damit praktisch die komplette zusätzliche Winternachfrage decken. Das technisch mögliche Winterpotenzial liege sogar bei etwa 18 Terawattstunden.

Ein Fakt dabei ist auch, dass die Erneuerbaren und besonders die Photovoltaik deutlich schneller ausgebaut werden als prognostiziert. So sei das Ausbauziel der „Energiestrategie 2050“ für die Erneuerbaren für 2035 bereits heute erreicht, wie der Photovoltaik-Verband Swissolar hervorhebt. Dabei sei gut, dass Axpo in seinem Bericht die hohen finanziellen Risiken für neue AKW betont. Diese seien ohne vollständige staatliche Absicherung wirtschaftlich nicht tragfähig. Auch die Ergänzung der Winterstromerzeugung von Photovoltaik durch Windkraft begrüßt Swissolar. „Die Axpo-Studie bestätigt den richtigen Weg, unterschätzt aber massiv, wie schnell ausbaubar und kostengünstig die erneuerbaren Energien bereits heute sind“, erklärt Matthias Egli, Geschäftsführer Swissolar.

Mit der steigenden Elektrifizierung mit Erneuerbaren werde so die Auslandsabhängigkeit von heute etwa 70 Prozent auf 25 Prozent bis 2050 reduziert. Die Szenarien mit Kernkraft scheiden beim Importbedarf schlechter ab, weil auch Uran importiert werden muss. Gleichzeitig seien die Stromimporte mit maximal 5 Terawattstunden im Vergleich zu aktuellen fossilen Energieimporten von 190 Terawattstunden marginal

Bereits im zurückliegenden Winter reduzierten die installierten Photovoltaik-Anlagen den Importbedarf um 60 Prozent im Winter. Swissolar geht davon aus, dass die Winterstromproduktion durch Photovoltaik jährlich um etwa 0,4 Terawattstunden wächst und somit 12,3 Terawattstunden Solarstrom im Winter bis 2050 zur Verfügung stehen. Dies sei 36 Prozent mehr als die hypothetischen zwei neuen AKW im Axpo-Szenario „Koexistenz“. Damit wird aus Sicht des Schweizer Energiekonzerns die Befürchtung einer Winterstromlücke durch den Ausbau der Photovoltaik stark relativiert.

Importsaldo, Photovoltaik, AKW, Schweiz, Quelle Swissolar

Allerdings, so moniert der Verband, werden in dem Axpo-Bericht zentrale Entwicklungen „systematisch unterschätzt“. Dies liege auch an der starken Fixierung auf den Winterstrom. Dies betreffe eben den generell schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz. Dazu komme, dass die Photovoltaik im Vergleich zu anderen Technologien den geringsten Förderbedarf aufweist. Für neue Kernkraftwerke liege er etwa doppelt so hoch. Zudem seien die Risiken deutlich geringer.

Zudem unterschätzt Axpo in der Studie die Dynamik der Kostenreduktion der Photovoltaik und Batteriespeicher. Nach Einschätzung von Swissolar sind Annahmen von bis zu 20 Prozent weniger realistisch, wenn man Lernkurven aus dem internationalen Vergleich hinzuzieht. Der Verband kritisiert dabei, dass kostengünstige Photovoltaik-Segmente wie Dachanlagen ab 30 Kilowatt in der Analyse gar nicht berücksichtigt werden. Das Gesamtbild werde damit zusätzlich verzerrt. Zudem sei Eigenverbrauch keine Förderung, sondern trage dazu bei, dass dezentrale Produktion, Batteriespeicher und eine flexible Steuerung des Verbrauchs dazu beitragen, Produktion und Nachfrage lokal auszugleichen und das Energiesystem effizienter zu machen. Photovoltaik gekoppelt mit Speichern würden zudem den Netzausbaubedarf erheblich reduzieren. Swissolar rechnet mit Einsparpotenzialen bis zu 60 Prozent.

Der Verband sieht in der Veröffentlichung einen Versuch von Axpo, sich alle Optionen – also auch die Kernenergie – offenzuhalten. Dabei sei der Energiekonzern nicht bereit, die Risiken ohne staatliche Absicherungen zu übernehmen. „Diese gespielte ‚Technologieoffenheit‘ schafft Unsicherheit und widerspricht erfolgreichen energiepolitischen Transformationsprozessen, die auf klaren strategischen Entscheidungen basieren“, erklärte Swissolar weiter. Daher würden mit der Axpo-Studie zwar wichtige Grundlagen der Energiewende bestätigt, aber in zentralen Punkten bleibe sie „zu konservativ und ohne Ambition“.

Der Verband fordert daher auch von Axpo, die Lernkurven von Photovoltaik und Speichern konsequent zu berücksichtigen, ebenso wie die finanziellen Risiken der AKW. Gemeinsam mit einer realistischen Bewertung der Netzentlastung durch dezentrale Flexibilität sollte damit eine klare energiepolitische Fokussierung von Erneuerbaren und Speicher folgen, so der Verband.

Axpo betrachtet zwei Szenarien für Winterstrom

Für eine langfristige Sicherstellung einer verlässlichen, emissionsarmen und bezahlbaren Stromversorgung hat Axpo zwei verschiedene Szenarien betrachtet. Dabei gehe es in beiden Szenarien darum, die Stromversorgung primär im Inland sicherzustellen, wie der Energiekonzern erklärte. „Axpo ist bei der Erstellung der Reports ausdrücklich technologie- und ergebnisoffen vorgegangen.“ Ein besonderes Augenmerk sei dabei auf die Versorgung im Winter gelegt worden. „Beide Szenarien lassen sich ohne Ausbau der Fördermittel realisieren, bedürfen aber einer Umschichtung zugunsten von Winterstrom“, so Axpo weiter. An der Erstellung der Reports waren externe Institutionen, unter anderem die ETH Zürich und das Paul-Scherrer-Institut, beteiligt.

Das erste Szenario stellt demnach eine „ausgewogene Mischung aus Wasserkraft, mehr Photovoltaik, deutlich mehr Windkraft sowie einigen marktaktiven Gaskraftwerken als flexible Ergänzung“ dar. Im Szenario 2 würde sich die Schweiz für den Bau von zwei neuen Kernkraftwerken entscheiden. „Diese koexistieren mit den anderen Technologien, denn auch dieses Szenario umfasst Wasserkraft, mehr Photovoltaik, mehr Windkraft sowie marktaktive Gaskraftwerke“, heißt es von Axpo dazu. Der Ausbaubedarf für die Technologien würde dadurch aber deutlich reduziert.

„Aus Sicht von Axpo ist Szenario 1 sinnvoll – in Kombination mit dem Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke“, so der Energiekonzern. „Damit dieses Szenario Realität werden kann, ist es unerlässlich, einerseits das Ausbautempo bei Windkraft stark zu erhöhen und andererseits die notwendigen Rahmenbedingungen für den Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke und für Gaskraftwerke zu schaffen.“ Auch vor dem Hintergrund, dass der notwendige Ausbau der Windkraft und Gaskraftwerke gelinge, habe Axpo aber auch das zweite Szenario betrachtet, bei dem jedoch erst geeignete Rahmenbedingungen für den Bau neuer AKW geschaffen werden müssten. „Für Axpo als Unternehmen steht dieser zweite Weg aufgrund der ungeklärten Risikofragen (politisch, regulatorisch, finanziell) jedoch nicht im Vordergrund“, heißt es weiter.

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