Seit Beginn der militärischen Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran Ende Februar steigt in Deutschland die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen deutlich. Das zumindest berichtet der Energieversorger Eon, der über seine Tochterunternehmen auch Solaranlagen an Privatkunden verkauft. Der Konzern berichtet von einem deutlichen Anstieg der Nachfrage und sieht diese Marktentwicklung im Kontext des Krieges im Iran.
„Im Vergleich zu den letzten Monaten haben sich die Photovoltaik-Anfragen bei uns aktuell etwa verdoppelt – wir werden regelrecht überrannt“, sagt Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland. Auch das Interesse an Wärmepumpen und Wallboxen sei enorm gestiegen. Das Unternehmen habe bereits reagiert und zusätzliche Kapazitäten in den Solarteams aufgebaut. Viele Haushalte wollten sich stärker gegen steigende Energiepreise und Versorgungsrisiken absichern.
Auch die Erneuerbare-Energien-Unternehmen 1Komma5° und Enpal werden in Medienberichten mit entsprechenden Aussagen zitiert. Von einer „Verdopplung der Nachfrage nach Solar gegenüber dem Vormonat“ (1Komma5°) oder einem Niveau „vergleichbar mit der letzten Gaskrise“ (Enpal) ist etwa im Handelsblatt die Rede.
Anstieg zum Großteil saisonal bedingt
Peter Knuth, Geschäftsführer von Enerix, kann zwar ebenfalls berichten, dass die Partnerunternehmen des Franchise-Hauses steigendes Kundeninteresse melden. Einer internen Umfrage zufolge verzeichnen aber nur 30 Prozent der Betriebe überdurchschnittlich viele Anfragen, 45 Prozent werten die aktuelle Situation als saisonal bedingt. Das Kundeninteresse, so Knuths aktueller Eindruck, „steigt, aber es steigt nur marginal“. Im Wesentlichen zeige sich im Moment ein Effekt, den die Photovoltaik-Branche seit jeher kennt: Die Monate Dezember bis Februar sind – vor allem in strengen Wintern – immer flau, aber „sobald die Sonne scheint, fangen die Kunden wieder an, sich mit dem Thema Solarenergie zu beschäftigen“.
Das Systemhaus EWS aus Handewitt gibt in seiner aktuellen Analyse zum Photovoltaik-Zubau im Februar ebenfalls eine optimistische, aber nicht euphorische Einschätzung zum Marktgeschehen ab: Faktoren wie die steigenden Preise fossiler Energieträger und anhaltende Unsicherheiten bei der Energieversorgung sorgen EWS zufolge tatsächlich für erhöhte Aufmerksamkeit. Die Diskussion erinnere nun alle daran, dass erneuerbare Energien die einzige Möglichkeit seien, „langfristig Sicherheit und Unabhängigkeit in das Energiesystem zu bringen“, so Geschäftsführer Jan Paul Dahm.
Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht ebenfalls durchaus Effekte des Iran-Kriegs und anderer geopolitischer Krisen. Die dadurch ausgelöste Explosion der Energiepreise „öffnet vielen Menschen die Augen“, erklärt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: „Niederschlag findet dies in einer zumindest vorübergehend wachsenden Nachfrage nach Solarstromanlagen, Solarheizungen und Energiespeichern. Dies war zu Beginn des Ukraine-Kriegs zu beobachten und könnte sich infolge des Iran-Kriegs wiederholen.“ Körnig macht aber auch auf einen weiteren Faktor aufmerksam: Das Interesse könne sich verstärken „durch Ankündigungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, neue Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen ab 2027 nicht mehr fördern zu wollen“. Allerdings sei derzeit noch nicht absehbar, wie stark sich diese „solare Sonderkonjunktur“ entwickelt.
„Krisen beschleunigen Trends“
Für alle, die noch keine Photovoltaik-Anlage, keine Wärmepumpe und kein Elektroauto ihr Eigen nennen, bietet der Energiemarkt jedenfalls handfeste Gründe, dies zu ändern – wenn sie es denn können. Und dabei ist die angespannte Lage im Nahen Osten selbstredend ein wichtiger Faktor. Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar reagierte Teheran unter anderem mit Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Die Meerenge ist ein zentraler Transportweg für Flüssiggas und Rohöl aus den Golfstaaten. Seit Anfang März passieren nur noch wenige Tanker die Route.
Auch wenn Deutschland den Großteil seines Erdgases aus Norwegen bezieht, wirken sich Störungen auf dem Weltmarkt direkt auf die Preisbildung aus. Ein möglicher Rückgang von LNG-Lieferungen, etwa aus Katar, könnte daher auch europäische Preise treiben. Noch gilt die Versorgungslage als stabil, erste Preisbewegungen sind jedoch sichtbar.
Daten von Verivox und Strom-Report zeigen, dass insbesondere die Strompreise für Neukunden zuletzt gestiegen sind. Innerhalb von vier Wochen legten sie um rund 8,5 Prozent zu. Die günstigsten verfügbaren Tarife erhöhten sich von durchschnittlich 23,18 auf 25,16 Cent pro Kilowattstunde. Aktuell liegt der durchschnittliche Strompreis für Neukunden bei 27,7 Cent pro Kilowattstunde. Bestandskunden zahlen im Schnitt 31,2 Cent, in der Grundversorgung sind es 42,83 Cent pro Kilowattstunde.
Auch bei Gas ist ein Anstieg erkennbar, wenn auch moderater. Für Neukunden liegt der Preis derzeit bei 9,8 Cent pro Kilowattstunde, nach rund 7,99 Cent im Dezember. In der Grundversorgung werden aktuell etwa 13,6 Cent pro Kilowattstunde fällig. Unklar ist, welcher Anteil des Preisanstiegs auf geopolitische Risiken und welcher auf vergleichsweise niedrige Speicherfüllstände zurückzuführen ist.
Beim Strom wie beim Gas ist der derzeitige Anstieg aber noch weit entfernt von den Größenordnungen aus dem Jahr 2022. Damals hatte Russland seinen Krieg gegen die Ukraine begonnen und die Gaslieferungen nach Europa gestoppt. Was heute oft übersehen wird: Die Gaspreise waren schon Monate zuvor rapide gestiegen, nach dem russischen Überfall kletterten sie dann auf ein extremes Niveau. Im Zuge dessen legten die Absatzzahlen bei Aufdach-Photovoltaik-Anlagen deutlich zu.
Ob sich eine solche Marktlage tatsächlich wiederholt, ist derzeit nicht absehbar. „Je länger die Situation angespannt bleibt, desto stärker dürfte das Interesse an einer unabhängigen Energieversorgung werden“, sagt Filip Thon. Die Entwicklung bestätige einen bestehenden Trend: „Krisen erzeugen keine neuen Trends, sie beschleunigen bestehende.“
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Die hohe Energiepreise kann etwas positives bewirken.
Aber Arbeitslose kaufen sich keine PV, Wärmepumpe, E-Autos und auch die Reichen fangen an zu sparen.
Aber es ist ja nur Frau Reiche schuld, die Deindustrialisierung wird ja weiter bestritten.
Bei den Wahlen in BW konnte man es sehen, nur die AFD-Wähler sagen unserer Wirtschaft geht es schlecht. Und diese Wähler sind bei diesem Thema klüger als alle anderen Wähler.
Ja es gibt gibt Klimaleugner und Deindustrialisierung-Leugner.