Das Westfälische Energieinstitut (WEI) hat die Rolle großer Untergrundspeicher für die deutsche Wasserstoffstrategie untersucht, die für das Erreichen der Energiewendeziele bis 2045 substanzielle ist. Die Strategie, so das Fazit, droht „an strukturellen Sachzwängen zu scheitern“, genauer: am mangelnden Speichervolumen. Markus Löffler, Autor der vom WEI zum Download bereitgestellten Studie, betont: „Der zu erwartende Mangel an Wasserstoffspeichern wird die Energiewende gemäß heutigen Planungen ausbremsen.“
Die Annahmen zum Import riesiger Mengen grünen Wasserstoffs für die Strom- und Wärmeerzeugung sowie die als Industriegrundstoff gehen dabei, so die Studie, bereits von gigantischen Investitionen in den Exportländern aus. Dort müssten – unter Annahme von 900 Terawattstunden Wasserstoff pro Jahr und einem angenommenen Elektrolyse-Wirkungsgrad von 66 Prozent – Photovoltaik- und Windkraftanlagen für eine Stromerzeugung von mindestens 1.350 Terawattstunden jährlich entstehen. Umwandlungs-, Speicher- und Transportverluste seien hierbei noch nicht einkalkuliert. Es müsse somit eine Stromproduktion mit erneuerbaren Ressourcen aufgebaut werden, „die deutlich oberhalb dessen liegt, was Deutschland mit circa 1.000 Terawattstunden pro Jahr selbst im Rahmen seiner Energiewende anstrebt“.
Ob angesichts solcher Relationen der nötige Import gesichert werden kann, ist der Studie zufolge fraglich. Wasserstoff werde weltweit als strategischer Energieträger gehandelt, wobei Asien, Nordamerika und andere europäische Staaten als konkurrierende Nachfrager auftreten: „Deutschland wäre ein Marktteilnehmer unter vielen – ohne privilegierten Zugriff auf Produktionskapazitäten.“
Gasspeicher-Prinzip gilt auch für Wasserstoff
Unabhängig davon müssten riesige Importmengen aber auch gespeichert werden. Die Studie hat zur Bewertung dieser Frage, vereinfacht ausgedrückt, die heutige Situation auf dem Gasmarkt auf Wasserstoff übertragen. Beim Erdgas seien Deutschlands exportbereinigte Nettoimporte im Jahresverlauf relativ konstant, der Verbrauch schwanke hingegen stark zwischen Sommer und Winter. Diese Differenz werde vor allem durch große Untergrundspeicher ausgeglichen, denen außerdem bei „Importstörungen“ die Rolle einer Energiereserve zukomme. „Dieses Prinzip“, heißt es in einer Mitteilung des WIE, „gilt auch für eine künftig stark importabhängige Wasserstoffwirtschaft.“
Das Problem hierbei ist die im Vergleich zu Erdgas wesentlich geringere volumetrische Energiedichte von Wasserstoff und auch dessen Derivaten. Auf Basis der Importstrategie der Bundesregierung für Wasserstoff und Wasserstoffderivate beziehungsweise der Szenarien des Nationalen Wasserstoffrats errechnet die Studie einen Speicherbedarf von 175 bis 315 Terawattstunden, zusammengesetzt aus saisonalem Bedarf und einer strategischen Reserve. Dies entspreche energetisch ungefähr den heutigen Erdgasreserven (circa 250 Terawattstunden). Die deutlich geringere volumetrische Energiedichte von Wasserstoff erfordere aber ungefähr das Fünffache des heutigen Speichervolumens, wobei die Studie sich technische Bewertungen zur Speicherung in Salzkavernen bezieht. Es müssten also „deutlich mehr Salzkavernen geschaffen und bestehende Strukturen umfassend umgewidmet werden – mit entsprechend höherem Flächen- und Investitionsbedarf“. Die Bundesregierung gehe in ihrem „Weißbuch Wasserstoffspeicher“ hingegen von lediglich 80 Terawattstunden saisonaler Speicherung aus.
Es gebe zwar geeignete geologische Salzstrukturen, aber für viele angekündigte Projekte fehle noch eine finale Investitionsentscheidung. Daher kommt die Studie zu dem Schluss, dass Speicher als strategische Infrastruktur zu betrachten seien und nicht als kurzfristige Marktprojekte. Die Speicherfrage sei eine nationale Infrastrukturaufgabe und lasse sich weder durch Importlogistik noch durch ausländische Speicherinfrastruktur ersetzen. „Ohne geeignete staatliche Rahmensetzung – etwa durch Kapazitätsmechanismen, Investitionszuschüsse, Mindestfüllstandsregeln mit Vergütungskomponente, strategische Speicherprogramme oder öffentlich-rechtliche Trägerschaft – ist nicht davon auszugehen, dass der erforderliche Ausbaupfad allein durch Marktkräfte initiiert wird“, heißt es in der Studie.
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Wow! Es braucht eine Studie um festzustellen, dass Wasserstoff eine lausige volumetrische Energiedichte hat und daher die bestehenden Erdgasspeicher nur sehr viel weniger Energie in Form von Wasserstoff einspeichern können.
Und natürlich kommt sofort der Ruf nach Steuergeldern hinterher, denn Privatinvestoren sind niemals so dumm Geld in „eine Wasserstoffwirtschaft“ zu investieren. Das Risiko ist viel zu hoch, dass das Geld futsch ist.
Kostet nur eine Kugel Eis.
Aber die Grünen und die PV Youtuber haben bestimmt eine Lösung dafür.
Wenn nicht nur der Export von Gas- und Öl, sondern auch die Produktionsanlagen im nahen Osten nun beschossen werden, dann ist der Preis für Wasserstoff irgendwann von alleine „wettbewerbsfähig“.
Ich finde diese Diskussion um die Wasserstoffwirtschaft nur noch putzig. Wir sind Weltmeister darin, so zu tun, als würde einfach alles irgendwie immer so weitergehen, ein paar Parameter links und rechts, Stellschräubchen hier und da, aber im Grunde läuft dann alles wie immer. Und so schlafwandern wir mit der Union und der ideenlosen SPD mit steigenden Sozialetat in eine immer schwieriger werdende Zukunft.
Wasserstoff wird meiner Meinung nach keine Frage des Preises, sondern eine Frage der schlichten Energienotwendigkeit, um überhaupt noch ein gewisses Niveau halten an Strom im Netz dauerhaft halten zu können. Die Frage könnte eines Tages nicht mehr lauten: „Was kostet das alles?“, sondern „Woher krieg ich es überhaupt noch?“
„Eines Tages“ scheint mit heute ein nicht so abstrakten Zukunftsproblem zu sein. Bei Diesel 3 Euro wird’s interessant. Ich tippe dann auf Fahrverbote. Was die Leute ja nicht checken: Es geht nicht um den Preis an sich, sondern um die schlichte Verfügbarkeit. In ersten Staaten beginnen die Rationierungen und Empfehlungen bereits (Slowakei, Dänemark).
Aufwachen, liebe Mitbürger. Der Staat wird euch bis zur letzte Sekunde im Glauben lassen, alles wäre schon ok (keine Panik erzeugen). Nun… ich denke, es wird zumindest langsam Zeit, sich ernste Gedanken zu machen, was das alles an Konsequenzen nach sich zieht, wenn der Spuk im nahen Osten nicht baldigst endet. Das wird dann verdammt ungemütlich – da kann man nicht mehr einfach auf andere Lieferanten „ausweichen“ und mit Zinsverschiebungen und Sonderschulden die Dinge in den Griff kriegen, wenn andere Länder um die verbleibenden Mengen nicht nur preislich, sondern schlicht in der Verfügbarkeit konkurrieren. Auch mit noch so viel Zinsen und Schulden kann man nicht verfügbaren Diesel nicht mehr kaufen bzw. in Mengen erwerben, wie zuvor.
Als ob Gas und Öl einfach aus dem Himmel fallen würden und halt „irgendwie einen Preis haben“ (Abzocke blabla). Wie kann man nur so naiv sein.
Mit was für Zahlen rechnen die dort bitte?
Für 2045 werden ca. 1000 TWh Stromverbrauch (ohne Elektrolyseure) prognostiziert. Dabei müssen bei einem PV, Wind, Wasserkraft, Biogas, Speicher, Wasserstoff mix, ca 8% des Gesamtstromverbrauchs mit Wasserstoff erzeugt werden. Mit Verlusten wären das ca. 150 TWh Wasserstoff, aber das ist der Jahresverbrauch, zumeist in den Dunkelflauten. Der wird ja (im Vergleich zu Erdgas, von dem man abgeschnitten werden könnte) zwischendrin kontinuierlich mit Wind und PV Überschuss wieder aufgefüllt. Speichern muss man also eher 100 TWh Volumen, um über den Winter zu kommen.