Texxecure Rating Foundation entwickelt neues Qualitätsrating für Photovoltaik-Anlagen

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Ob es sich lohnt, in eine Photovoltaik-Freiflächenanlage zu investieren, oder ob es technische Ausfallrisiken gibt, lässt sich fortan über ein einheitliches Bewertungssystem beurteilen. Adressiert sind neben Projektentwicklern und EPC-Unternehmen insbesondere Asset Owner, Banken, Investoren und Versicherungen. Das Rating soll eine technische Risikoeinschätzung in Form einer kompakten Kennziffer liefern, wie sie in der Finanzbranche gebräuchlich ist. Die Bewertungen werden von AAA bis D vergeben. Ziel sei eine nachvollziehbare, reproduzierbare und vergleichbare Bewertung auf Basis einheitlicher Kriterien.

Das Bewertungssystem wurde von der Texxecure Rating entwickelt. Das System ist nach Angaben der Stiftung nun für Projekte und Marktakteure geöffnet. Erfasst werden sowohl Einzelkomponenten wie Module und Wechselrichter als auch komplette Projekte. Idealerweise beginnt der Prozess bereits in der Planungsphase. Der Bewertungsprozess ist zweistufig aufgebaut. Zunächst erfolgt eine Dokumentenprüfung, anschließend eine physische Vor-Ort-Inspektion. Beide Ebenen fließen in eine Gesamtnote ein. Anlagen mit den Bewertungen AAA bis B erhalten ein Zertifikat sowie einen detaillierten Prüfbericht. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank hinterlegt; der Auftraggeber entscheidet, wer Zugriff auf das Rating erhält.

Ein zentrales Element ist das sogenannte Type-Rating von Komponenten, vorwiegend von Modulen und Wechselrichtern. Diese produktbezogene Bewertung bildet nach Angaben der Stiftung das „Herzstück“ des Systems. Ein bewertetes Modul oder ein Wechselrichter fließt über einen Algorithmus in die projektbezogene Bewertung von Entwickler und EPC ein. Überdies können auch bestehende Anlagen bewertet werden, etwa zur Zustandsbewertung im Vorfeld eines Weiterverkaufs, einer Refinanzierung oder beim Neuabschluss einer Versicherung.

Der Ursprung des Systems liegt im Umfeld von Leistungsgarantieversicherungen, die unter Beteiligung der Versicherung HDI-Gerling entwickelt und von der Münchener Rückversicherung rückversichert wurden. Nach Angaben der Stiftung haben einzelne Banken die Initiative bereits unterstützt. Die DKE begleite das System. Zudem werde es im Task-12-Bericht der Internationalen Energieagentur vom August 2025 erwähnt.

In der Abgrenzung zu klassischen Technical-Due-Diligence-Prüfungen, wie sie von Ingenieurbüros angeboten werden, sieht die Stiftung ihr System als Alternative, wobei auch ein ergänzender Einsatz möglich sei. Während Technical-Due-Diligence-Berichte je nach Auftrag und Prüfer unterschiedlich strukturiert sein können, liege „der entscheidende Vorteil darin, dass das Rating-System eine technische Bewertung nach transparenten und einheitlichen Methoden erlaubt, vor allem aber vollständig“ sei und alle relevanten Kriterien umfasse. Bewertet werden technische Kriterien auf Grundlage einschlägiger ISO- und IEC-Normen, von Qualitätsmanagement-Grundsätzen wie ISO 9000 und EFQM sowie von ESG-Kriterien.

Die Durchführung der Ratings übernehmen sogenannte Rating-Bodys, also Ingenieurbüros, die für die Durchführung durch Texxecure qualifiziert wurden. Diese Büros führen die Prüfungen durch und stellen die Zertifikate aus. Voraussetzung ist die Einhaltung der „Texxecure Rules of Procedure“ und der „Standard Operating Procedures“. Institutionen, die nach Normen der ISO/IEC-17000-Serie akkreditiert sind, durchlaufen ein vereinfachtes Aufnahmeverfahren. Andere Bewerber werden vorher entsprechend auditiert.

Erste Projekte wurden in Kooperation mit TÜV Rheinland bereits umgesetzt. Weitere qualifizierte Prüforganisationen können sich als Rating Body bewerben. Der Service ist international angelegt. Die Weiterentwicklung des Regelwerks erfolgt über ein Advisory Board, das die Prozesse und Standardregeln und Bewertungskriterien fortlaufend überprüft und anpasst. Ergänzend gibt es Stakeholder-Gruppen, über die sich Marktakteure beteiligen können. Die Berufung in das Advisory Board erfolgt nach den in den „Texxecure Rules of Procedure“ definierten Kriterien Eignung, Freiwilligkeit und aktiver Mitwirkung. Neue Technologien sollen auf diesem Weg systematisch in das Bewertungssystem integriert werden.

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