Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat ein Diskussionspapier zum Ausbau von Großbatteriespeichern veröffentlicht. Das Papier ist Ergebnis des im August 2025 gestarteten „Kooperationsforums Großbatteriespeicher“ und richtet sich an Politik, Regulierungsbehörden, Netzbetreiber und die Speicherbranche. Beteiligt waren nach Angaben der FfE mehr als 50 Unternehmen aus dem Energiesektor.
Ausgangspunkt ist eine angespannte Marktsituation. Ende 2025 lagen Netzanschlussanfragen für Großbatteriespeicher in Höhe von 720 Gigawatt vor. Speicher seien ein notwendiger Baustein im erneuerbaren Stromsystem, können Redispatch reduzieren und Netzkosten senken, aber ohne geeignete Steuerungsmechanismen der Anfragen und der kurzfristig verfügbaren Netzkapazitäten drohten hohe Kosten und unberechenbare Risiken für Speicherbetreiber, sowie mögliche Folgekosten für Netzbetreiber.
Netzanschluss: Antragsflut und „Zombie-Projekte“
Besonders kritisch bewertet das Papier die derzeitigen Netzanschlussverfahren. Viele Anträge würden in sehr frühen Projektphasen gestellt, teils automatisiert in großer Zahl eingereicht. Ein Teil dieser Projekte sichere sich bereits Kapazitäten, ohne dass eine Realisierung absehbar sei. Gleichzeitig sind verbindliche Fristen und überprüfbare Meilensteine nicht flächendeckend etabliert.
Das FfE-Diskussionspapier schlägt deshalb ein Bündel ineinandergreifender Maßnahmen vor. Zentral sind transparente Kapazitätskarten, die freie Einspeise- und Bezugsleistungen je Netzgebiet aufzeigen. Bestehende Tools zur schnellen Netzanschlussprüfung sollten dafür weiterentwickelt und perspektivisch netzbetreiberübergreifend zugänglich gemacht werden.
Ferner plädiert das Forum für turnusmäßige „Clusterstudien“. Anträge würden nicht mehr nach dem Windhundprinzip einzeln geprüft, sondern gebündelt in definierten Zeitfenstern und geografischen Clustern bewertet. Diskutiert wurden Einreichungsfenster von ein bis drei Monaten und Prüfzeiträume von zwei bis vier Monaten. Das soll Iterationsschleifen in der Netzplanung reduzieren und eine Priorisierung erst ermöglichen.
Um spekulative Anträge einzudämmen, empfiehlt das Forum finanzielle Ernsthaftigkeitsnachweise. Diskutiert wurden eine verrechenbare Antragspauschale zwischen 25.000 und 50.000 Euro sowie eine kapazitätsabhängige Realisierungskaution von 500 bis 1000 Euro pro Megawatt und Monat. Ziel ist es, die Zahl wenig realisierungswahrscheinlicher Projekte in der Warteschlange deutlich zu senken.
Ergänzend schlägt das Papier einen bundesweit einheitlichen Reservierungsprozess im Verteilnetz mit verbindlichen Meilensteinen vor. Projekte sollen ihre Planungsreife in klar definierten Zeitabständen nachweisen müssen, um reservierte Kapazitäten zu behalten.
Strategische Priorisierung als politisches Instrument
Über rein verfahrensrechtliche Anpassungen hinaus stellt die Ergebnisse des Kooperationsforums die Frage, ob und wie Netzanschlüsse strategisch priorisiert werden sollten. Denkbar seien Fast-Lane-Regelungen für systemrelevante Projekte, Reservierungen für bestimmte Technologien oder eine Deckelung von Anschlusskapazitäten anhand politischer Ausbauziele.
Eine solche Steuerung müsste jedoch politisch legitimiert und methodisch belastbar ausgestaltet werden. Als mögliche Nachteile einer solchen Maßnahme nennen die Autoren, einen erhöhten Bürokratieaufwand und die Gefahr politischer Einflussnahme.
Ein weiteres Konfliktfeld sind flexible Netzanschlussvereinbarungen. Sie ermöglichen es, Anschlusskapazitäten unter bestimmten Restriktionen zu gewähren, etwa mit temporären Leistungsbegrenzungen. Derzeit werden sie genutzt, um Netzengpässe zu managen, Anschlüsse zu beschleunigen oder Netzausbaukosten zu senken.
Das Forum identifizierte jedoch ein uneinheitliches Ziel der unterschiedlichen Marktakteure und dadurch heterogene Vertragsgestaltungen. Das könne zu Diskriminierung zwischen Projekten führen und berge das Risiko ineffizienter Eingriffe in den Speicherbetrieb. Empfohlen wird daher eine stärkere Standardisierung der zulässigen Restriktionen sowie klare Regeln zur Kompensation von Einschränkungen. Erst auf dieser Basis könnten flexible Netzanschlussvereinbarungen als Instrument im Engpassmanagement etabliert werden.
Auch bei der Reform der Netzentgeltsystematik sieht das Papier erheblichen Klärungsbedarf. Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung anschlussbezogener Einspeiseentgelte bestehe die Gefahr einer Doppelbelastung von Speichern, sofern keine spezifische Regelung geschaffen werde.
Ein Kapazitätspreis habe gegenüber dem heutigen Leistungspreis aus Sicht des Forums weder klare Vor- noch Nachteile, könne aber in statischer Ausgestaltung wirtschaftlich überfordern, insbesondere bei zusätzlichen Restriktionen am Netzanschlusspunkt. Für dynamische Arbeitspreise empfiehlt das Forum eine symmetrische und gerechte Ausgestaltung, um Verzerrungen zu vermeiden.
Fünf Vorschläge für Co-Location
Schließlich widmet sich das Papier der Co-Location, also der Kombination von Speichern mit Erneuerbaren an einem Netzanschlusspunkt. Sie gilt als Möglichkeit, knappe Netzkapazitäten effizienter zu nutzen und Erneuerbaren-Anlagen wirtschaftlich zu stabilisieren. In der Praxis entstehen jedoch komplexe Fragestellungen zu Saldierung, Förderfähigkeit und Multi-Use-Betrieb.
Die FfE plädiert für mehr Transparenz zu geeigneten Standorten, klarere Vorgaben im Netzanschlussverfahren sowie eine Weiterentwicklung des sogenannten „MiSpel“-Verfahrens, um Saldierung und Fragen zu Förderfähigkeit konsistent zu regeln. Flexible Netzanschlussvereinbarungen werden auch hier als zentrales Steuerungsinstrument gesehen, um Signale für eine geeignete Standortwahl an den Markt durchzugeben.
Das Diskussionspapier lässt sich hier nachlesen.
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