Die Sustainable Investment Management (EB-SIM) GmbH hat am Dienstag vor den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums zur Reform der Netze gewarnt. Die im Referentenentwurf zum „Netzpaket“ enthaltenen Vorschläge würden die Finanzierung neuer Wind- und Solarparks gefährden. Sie „könnten zu einem faktischen Baustopp in vielen Regionen Deutschlands führen“, hieß es vom Asset Manger der Evangelischen Bank weiter.
Dabei sei die Idee, die Netzanschlussverfahren zu vereinheitlichen und transparenter zu gestalten, grundsätzlich richtig. Es brauche transparente und faire Kriterien für den Netzanschluss. Wünschenswert sei auch ein bundesweit digitales Verfahren.
Doch die Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium gingen deutlich zu weit und in die falsche Richtung. “Statt den schleppenden Netzausbau endlich zu beschleunigen, sollen nun die erneuerbaren Energien ausgebremst werden. Das ist, als würde man lange Schlangen an der Supermarktkasse bekämpfen, indem man den Kunden vorschreibt, weniger einzukaufen, anstatt eine weitere Kasse zu öffnen“, sagte Bernhard Graeber, Geschäftsführer und Leiter Real Assets bei der EB-SIM. Dies gefährdet die Energiewende und den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Besonders kritisch sieht EB-SIM den „Redispatch-Vorbehalt“. Dieser sieht vor, dass Netzbetreiber bestimmte Regionen, in denen es mehr als drei Prozent Abregelungen gibt, als kapazitätsbegrenzt ausweisen können. Wenn dort neue Photovoltaik- oder Windkraftanlagen ans Netz gehen und aufgrund von Engpässen abgeregelt werden, sollen sie künftig keine Entschädigung mehr erhalten – und zwar für eine Dauer bis zu zehn Jahren. „Keine Bank und kein Investor wird ein Projekt finanzieren, bei dem man nicht weiß, wie oft die Anlage stillsteht und kein Geld verdient“, sagt Graeber weiter. „Den Betreibern die Entschädigung für solche Zwangspausen zu streichen, schafft ein unkalkulierbares Risiko.“
Dabei gebe es ein weiterhin hohes Interesse an Investitionen in Erneuerbare und Batteriespeicher und damit einem Vorantreiben der Energiewende in Deutschland. „Gesetzesentwürfe, wie sie nun aus dem Wirtschaftsministerium gekommen sind, sorgen jedoch für erhebliche Unsicherheit“, sagt Graeber. Aus Sicht der EB-SIM gibt es zudem erhebliche Zweifel, ob ein solches Vorgehen mit europäischem Recht vereinbar ist. Damit schaffe der geplante „Redispatch-Vorbehalt“ zusätzliche Rechtsunsicherheit, die Investoren abschrecke.
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„Keine Bank und kein Investor wird ein Projekt finanzieren, bei dem man nicht weiß, wie oft die Anlage stillsteht und kein Geld verdient“,
Das ist richtig. Aber wieso zum Teufel sollte der Steuerzahler es dann tun? Neue PV Großanlagen sollten dort in Deutschland gebaut werden, wo die Netze noch Kapazität haben. Auch an diesen Orten scheint öfter mal die Sonne, hab ich gehört…
Leider gibt es im Süden besonders viele Anhänger von Holz und man brennt auch für Verbrenner. Im Nachbarort stehen an der.Bundesstraße Plakate: Walderhalt statt Windindustrie ??? Und BAWÜ baut so wenig Windräder wie kein anderes Bundesland. Schaut man dann über den Rhein nach Westen sieht das ganz anders aus.
Was ist denn verkehrt daran, die Anreize in den WENIGEN Gebieten, wo das Netz nicht geeignet ist, zurückzufahren?
Es bleiben genug Gebiete übrig, wo es die netzte hergeben und dadurch die Energiewende schlicht günstiger zu haben ist…
Das ist mitnichten der Fall – nach der vorgeschlagenen Definition, ein Gebiet könne schon dann zum Netzengpassgebiet erklärt werden, wenn 3% der Erzeugung abgeregelt wurde, könnte ein großer Teil des deutschen Stromnetzes zu einem Engpassgebiet erklärt werden. Dazu kommt, dass die Planung eines Projekts ja ein paar Jahre dauert – heute anfangen, wenn man nicht weiß, wie die Netzsituation in 3-4 Jahren ist, macht dann auch keiner mehr.
Und es gibt ja auch keine Verpflichtung in dem Entwurf, dass die Netzbetreiber in solchen Fällen verpflichtet sind, den Netzausbau entsprechend auf die betroffenen Gebiete zu fokussieren. Nein – es geht nur den Erzeugern an den Kragen.
Aber dann sind wir an dem Punkt, wo eben auch WP und PV nicht mehr gleichgesetzt werden kann. Viele Variablen machen es jetzt ja noch komplexer und wieder einmal mehr müsste man dem Stammtisch recht geben. ERST klare Vision von den Netzen und umgesetzte Infrastruktur und dann die Verbraucher wie E autos, WP oder PV Anlagen. Das sind alles Komponenten die eine Dauerbelastung im Netz verursachen. Dann hätte man vermutlich auchweniger Probleme mit redispatch massnahmen….
Die Netzbetreiber wissen doch längst, welche Stromnetze ausgebaut werden müssen. Sie tun es aber nicht bzw. zu langsam. Wer das beschleunigen wollte, der müsste die Netzbetreiber mehr in die Pflicht nehmen und nicht die Nutzer. Was würde denn dagegen sprechen, wenn die Netzbetreiber ab 3% Abregelung in ihrer Region die Redispatch-Kosten zu tragen hätten und diese nicht mehr an ihre Kunden weitergeben dürften?! Eigentlich gar nichts, außer der Umstand, dass eine von ihnen heute Bundeswirtschaftsministerin ist. Das würde auch zu einer anderen Regelung passen, die bereits heute gilt. Ab einer Abregelung von 3% sind nämlich Netzbetreiber erst verpflichtet, das Netz auszubauen. Vorher nicht.
Stellen Sie sich nur mal vor, dass keine Autos mehr neu zugelassen werden dürfen, weil 3% von ihnen im Stau stehen?! Da würde der Stammtisch bestimmt auch zustimmend „Jawoll, richtig so“ rufen? Absurd, nicht wahr?! Und genauso absurd ist der Vorschlag des Redispatch-Vorbehalts.