Wie können Endkunden dazu beitragen, Stromnetze zu entlasten und effizient zu nutzen? Darum ging es in dem „Innovationsprojekt Grids & Benefits“. Es konnte in einem Pilotvorhaben zeigen, wie sich dynamische Netzentgelte im Verteilnetz umsetzen lassen und zugleich markt- und netzdienliches Laden von Elektroautos anreizen, wie es bei der Vorstellung der Ergebnisse im Munich Urban Colab am Donnerstag in München hieß.
Zwischen März und Dezember 2025 entwickelte dabei ein interdisziplinäres Konsortium, an dem unter anderem Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber, Energieversorger, Aggregatoren und Fahrzeughersteller beteiligt waren, gemeinsam mit Forschern ein grundlegendes Konzept zur Berechnung dynamischer Netzentgelte. Dies erprobten sie dann auch direkt in einem Feldtest, um die damit verbundenen Lastverschiebepotenziale sowie mögliche Kosteneinsparungen für Endkunden zu bewerten.
Dabei sei dies zum einen mit 10.600 Kunden von Maingau an öffentlichen Ladepunkten getestet worden. Vergünstigte Ladepreise sollten die Autobesitzer zum Laden in netzdienlichen Zeitfenstern motivieren. Zum anderen nahmen 500 Kunden von The Mobility House und Octopus Energy an dem Pilotprojekt beim Laden zu Hause mit dynamischen Netzentgelten teil. Die Netzbetreiber berechneten netzgebietsspezifische, viertelstundenscharfe Netzentgelte, die sie jeweils am Vortag um 10:00 Uhr veröffentlichten. Die Aggregatoren integrierten diese Netzentgelte in ihre bestehenden Optimierungslogiken und machten die Netzauslastung damit erstmals zu einem wirksamen Preissignal für ihre Kunden.
Das Ergebnis: Mehr als 70 Prozent der Ladevorgänge und rund 20 Prozent der geladenen Energie seien im Fall der Kunden von The Mobility House und Octopus Energy netzdienlich verschoben worden. Es habe sich eine klare Verlagerung der Ladevorgänge in Zeiten mit geringerer Netzauslastung gezeigt. Die Netzentgelte waren im Testzeitraum durchschnittlich um zwei Prozent reduziert; in der Spitze sogar bis zu 9 Cent pro Kilowattstunde.
Im Fall der Maingau-Kunden seien diese über die „Autostrom App“ über die vergünstigten Zeitfenster informiert worden. Ab einer Preisreduzierung von 20 Cent pro Kilowattstunde hätten die Kunden dabei eine Bereitschaft zur aktiven Anpassung ihres Ladeverhaltens gezeigt. Zehn Prozent* der Ladevorgänge seien demnach in netzdienliche Zeitfenster verschoben worden.
Für eine flächendeckende Skalierung gelte es nun, die im Projekt pilotierte, provisorische Prozesskette in die bestehende Marktkommunikation zu integrieren, damit dynamische Netzentgelte künftig von Verteilnetzbetreibern bundesweit effizient angewendet werden können. Das ermittelte Preissignal leitete sich dabei aus der Netzlast beziehungsweise spezifischen Engpasskosten (Redispatch) auf Höchst-, Hoch- und Mittelspannungsebene ab.
An dem Innovationsprojekt, das unter der Leitung von UnternehmerTUM stand, waren auch Bayernwerk Netz, BMW, LEW Verteilnetz, EWE Netz, Transnet BW, Maingau Energie GmbH, Neon Neue Energieökonomik, Octopus Energy Germany, The Mobility House Energy, Tennet Germany sowie die RWTH Aachen Universität beteiligt.
Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hieß es 30 Prozent, es waren jedoch nur 10 Prozent. Wir haben dies nachträglich geändert.
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🤔 irgendwie habe ich da ein Webinar von The Mobility House im Hinterstübchen. Ist schon paar Tage her. (2019?)
Da ging es um dynamisches Energymanagement.
(nicht zu Verwechseln mit dynamischen Netzentgeld und/ oder Strompreis!)
Was ist daraus eigentlich geworden?
Die Überschrift müsste lauten „Dynamische Netzentgelte könnten Netze entlasten und Kosten für Endkunden reduzieren“, weil natürlich viele Verteilnetzbetreiber auch dieses Instrument wieder sabotieren würden.
Beweisen lässt sich meine Behauptung anhand des bereits seit 2025 bestehenden Instrumentes der zeitvariablen Netznetzentgelte. Auch da ist die Intention, durch finanzielle Anreize Lasten aus Hochlastzeiten zu verschieben, dadurch Netzausbau und somit Kosten zu sparen. Auch das ist ein absolut sinnvolles Instrument. Ein großer Teil der Verteilnetzbetreiber sabotiert das dadurch, dass sie die zeitvariablen Netzentgelte so ausgestaltet, dass diese garantiert für keinen Kunden sinnvoll sind. Es gibt verschiedene Wege für eine effektive Sabotage. Einige Verteilnetzbetreiber rufen 12 Stunden am Tag den Hochlasttarif auf und nur 1 Stunde am Tag den Niedriglasttarif. Andere bieten den Niedriglasttarif nur in den beiden Sommerquartalen und da nur um die Mittagszeit an. Also nur genau dann, wenn die eigene PV noch günstigeren Strom liefert. Haushalte mit Batteriespeicher (also PV) und Wallbox sind genau die, die genug schiebbare Lasten haben und somit für zeitvariable Netzentgelte in Frage kommen. Und für genau die wird es dann unsinnig.
Generell gilt auch für steuerbare Verbrauchseinrichtungen: Wenn der Verteilnetzbetreiber das erste Mal präventiv dimmt, dann beginnt für ihn automatisch eine 2-jährige Übergangsfrist zu laufen. Innerhalb von 2 Jahren muss er dann vereinfacht gesagt sein Netz digitalisieren, weil der Gesetzgeber berechtigterweise verlangt, dass steuerbare Verbraucher nicht auf Basis vager Hochrechnungen mit großen Sicherheitsmargen gedimmt werden, sondern nur auf Basis von gesicherten Echtdaten. Also bieten viele Verteilnetzbetreiber zähneknirschend die Vergünstigungen an, die sie für steuerbare Verbrauchseinrichtungen eben anbieten müssen. Aber sie nutzen das Instrument nie. Dimmen nie. Weil, dann müssten sie ihr Netz digitalisieren. Und das Ende vom Lied ist dann immer ein unnötiger Netzausbau, unnötige hohe Netzentgelte, das unnötige Vorhalten von zusätzlicher Backupkapazität und somit unnötig hohe Strompreise, weil viele Verteilnetzbetreiber Digitalisierung nicht können und nicht wollen. Siehe auch Smartmeter-Rollout.
Ab Juni müss(t)en die Verteilnetzbetreiber Energy Sharing unterstützen. Ich wette, dass eine 3-stellige Zahl das im Juni nicht kann. Aber das macht auch nichts. Es passiert ja nichts. Die haben ein Monopol, null Wettbewerbsdruck. Völlig egal was die machen, fahren die im Schnitt um die 20% Eigenkapitalrendite ein. Die Bundesnetzagentur ist mit der Regulierung der rund 860 Verteilnetzbetreiber völlig überfordert.
Bei all dem Gesagten gilt: Natürlich muss man differenzieren und es gibt auch Verteilnetzbetreiber, die bei diesen Themen wirklich gut sind. Aber hunderte sind es nicht und dann funktioniert es nicht. Es wäre sinnvoller, wenn der Staat das Verteilnetz betreiben würde. 860 privatwirtschaftliche Monopolisten als Verteilnetzbetreiber sind so ziemlich die schlimmstmögliche Struktur, die man sich vorstellen kann.
das ist ein grundsätzliches problem mit infrastrukturanbietern, welche lokal ein monopol haben. strom, wasser oder auch die bahn; sie tendieren dazu schlechte qualität zu hohen preisen zu liefern. wenn es gelingt, an diesem punkt verbesserungen durch konkurrenz einzubringen, dann lösen sich viele probleme plötzlich von ganz alleine wie von wunderhand.
’sinnvoller, wenn der Staat das Verteilnetz betreiben würde‘
in der Schweiz, Frankreich oder Österreich, ja, in D. aus historischen Strukturgründen, abzulehnen
( die EEG-Umlageberechnung und Vorausplanung hatte die staatlichen Gremien schon überfordert, deshalb wurde das EU-Gesetz für die AusglMechV schnell eingeführt, denn kein staatlicher Rechnungsprüfer konnte feststellen bzw. einschätzen, ob die Annahmen für die prognostische EEG-Umlage des Jahres im voraus zutreffend sein würde (und im Ergebnis waren dabei zig Milliarden € und politische Reputation im medialen Rampenlicht)?
( nicht dass die staatlichen RP kein korrektes Ergebnis erzielen konnten/könnten, aber die priv. Unternehmen sind darin geübt, die Zahlen im Verbund mit allen Ausnahme- und grenzüberschreitenden Möglichkeiten (innerhalb gewisser Variabilitätsbereiche) anzupassen, und zwar schneller, als es staatlicher Kontrolle möglich ist nachzufolgen
Man kann darüber streiten, ob die findige Nutzung aller ‚Schlupflöcher‘ gegenüber passiven Normalstromkundinnen und Haushaltstromkunden, fair oder gerecht, wäre/ist, deren Aufgabe am Markt sei, extreme Einseitigkeiten einzuhegen, aber dann müsste man auch über einen transparenten und offenen Strommarkt sprechen und europaweite Wahl des Stromanbieters bzw. über Wettbewerb beim Netzbetrieb (‚öffentlicher Grund‘ bzw. ‚Pflicht zur Vermietung von Netzkapazitäten aus öff. Interesse‘ ?) )
‚es gibt auch Verteilnetzbetreiber, die bei diesen Themen wirklich gut sind‘
aus Interesse, vielleicht könnten Sie einen oder auch einen weiteren nennen?