Europa hat 2025 weniger Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt

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Während Deutschland 2025 mehr Strom aus erneuerbaren Energien als im Vorjahr erzeugt hat, zeigt sich in Europa ein anderes Bild: Die Anlagen lieferten im letzten Jahr 1.333 Terawattstunden, nach 1.375 Terawattstunden im Vorjahr. Der Anteil von Kohle und Erdgas an der Stromerzeugung ist auf 27 Prozent gestiegen. Das zeigt ein Bericht des Analyseunternehmens Montel EnAppSys.

Für den Rückgang sind Windenergie und Wasserkraft verantwortlich: Wegen vieler Flauten lieferten die Windräder mit 511 Terawattstunden gut vier Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Bei der Wasserkraft betrug das Minus gar elf Prozent, die Anlagen erzeugten 427 Terawattstunden. Als wichtigsten Grund dafür nennt Montel die geringeren Niederschlagsmengen, was die Wasserstände in vielen Speicherseen sinken ließ.

Da 2025 außergewöhnlich sonnenreich war, nahm die Photovoltaik-Erzeugung um fast 14 Prozent auf 285 Terawattstunden zu – Rekord für die Solarenergie. Seit 2016 hat sich die erzeugte Solarstrommenge nach Angaben von Montel verdreifacht.

Mehr Stunden mit negativen Preisen

Dem Montel-Bericht zufolge hat sich die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen im vergangenen Jahr europaweit weiter erhöht. Die Experten haben in sechs europäischen Ländern jeweils mehr als 500 Stunden mit Preisen unter null Euro verzeichnet. Die schwedische Preiszone SE2 wies mit insgesamt 679 Stunden die meisten negativen Preise auf, gefolgt von den Niederlanden, Deutschland und Spanien mit 584, 573 beziehungsweise 556 Stunden. Frankreich und Belgien lagen mit 519 beziehungsweise 509 Stunden ebenfalls nur knapp dahinter. Verstärkt wurde dieser Trend durch den zunehmenden Ausbau von Wind- und Solarkapazitäten sowie eine unzureichende Nachfragesteuerung, so Montel.

„Die Meinungen darüber, ob der Anstieg negativer Preise auf eine Fehlfunktion des Marktes hinweist oder lediglich ein Anreiz für mehr Flexibilität durch Preissignale ist, gehen auseinander“, sagt Jean-Paul Harreman, Director bei Montel EnAppSys. Als Hauptursachen macht er die fluktuierende Einspeisung erneuerbarer Energien, die an besonders sonnigen oder windreichen Tagen zu Stromüberschüssen führen kann, sowie den Mangel an Speichern und Flexibilität auf der Nachfrageseite und bei Must-Run-Erzeugungsanlagen aus.

„Der Großteil dieser Stunden tritt im Sommer auf, wenn die Nachfrage geringer und die Solarstromerzeugung höher ist“, sagt Harreman. Weil diese Entwicklungen oft zur selben Zeit in verschiedenen Teilen Europas stattfinden, werde es schwierig, überschüssigen Strom zu exportieren. Er erwartet für 2026 noch mehr negativen Preisphasen, da die Nachfrage stabil bleibe, während der Ausbau von Solar- und Windkapazitäten die Entwicklung von Flexibilitätsoptionen weiterhin überholt.

Mehr Photovoltaik, mehr negative Strompreise – und noch weniger Wasserkraft

Für das erste Quartal 2026 rechnet Montel mit einem weiteren Rekord bei der Photovoltaik-Erzeugung. Zudem werde der Jahresbeginn voraussichtlich von einer hohen Volatilität auf den Gasmärkten geprägt sein, bedingt durch Wetterereignisse und geopolitische Spannungen. Hinzu komme ein weiterer Zubau von Solarkapazitäten, eine anhaltend schwache Wasserkrafterzeugung sowie ein weiterer Anstieg der Stunden mit negativen Preisen. Zudem halten es die Analysten für möglich, dass kalte Dunkelflauten im weiteren Verlauf des Winters zu extremen Preisspitzen führen könnten.

„Diese Dynamiken verdeutlichen eine komplexe Realität: Europas wetterabhängiges Stromsystem kann gleichzeitig rekordniedrige Preise und extreme Abendspitzen erleben, die durch fossile Brennstoffpreise getrieben werden“, kommentiert Harreman. „Dadurch treten technische, wirtschaftliche und geopolitische Verwundbarkeiten in der Preisbildung offen zutage.“

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