
Foto: Suncatcher
pv magazine: Die Bundesnetzagentur hat ja veröffentlicht, dass 46 Gigawattstunden an Speichern auf der Mittelspannungsebene einen Netzanschluss genehmigt bekommen haben. Sind das nur Graustromspeicher oder sind da auch Grünstromspeicher dabei?
Markus Heemann: Die von der Bundesnetzagentur kommunizierte Genehmigung von 46 Gigawattstunden Batteriespeicher dieses Jahr wurde zwar nicht explizit in Speicher mit Bezugsrechten, also Graustromspeicher, und ohne Bezugsrechte, also Grünstromspeicher spezifiziert, es ist aber davon auszugehen, dass ein Großteil der Speicher Bezugsrechte hat, zumal die Anträge ja bereits vor einiger Zeit gestellt wurden. Zusammen mit den bereits installierten Batteriespeicher-Kapazitäten ergäbe das in Deutschland dann circa 70 Gigawattstunden. Dem gegenüber schätzt das Fraunhofer ISE, dass der deutsche Batteriespeicher-Bedarf bis 2030 bei etwa 100 Gigawattstunden liegt. Viele Netzbetreiber tun sich aktuell aber schwer damit, weitere Graustromspeicher zu genehmigen. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich Netzbetreiber einer immensen Zahl an Anträgen gegenübersehen und gleichzeitig die Auswirkungen auf das Netz aufgrund der weniger planbaren Fahrweise – Anzahl Zyklen, Zeitpunkte von Be- und Entladung – deutlich schwieriger vorhersehen können. Insofern ist bereits jetzt absehbar, dass die für die Energiewende benötigten Batteriespeicher-Volumina bis 2030 nicht ohne Grünstromspeicher erreicht werden können.
Sehen Sie ein einheitliches Vorgehen der Netzbetreiber, wenn es um den Anschluss von Grünstromspeichern geht?
Ich denke, es ist fair zu sagen, dass sich Netzbetreiber gerade die Karten hinsichtlich Batteriespeichern legen. Aus dem Grund sieht man aktuell noch eine große Heterogenität bei Netzbetreibern bezüglich Bearbeitungsdauer wie auch Erklärungsaufwand. Insgesamt sind die meisten Netzbetreiber jedoch, anders als bei Graustromspeichern, sehr offen für Grünstromspeicher. Weder bei uns noch unseren Kunden, für die wir die Anträge gemacht haben, wurden Grünstromspeicher bisher abgelehnt.
Welche Rolle spielen Grünstromspeicher in Ihrer strategischen Ausrichtung als Projektentwickler und IPP?
Auch wenn der Name Suncatcher etwas anderes suggeriert, Batteriespeicher sind mittlerweile integraler Bestandteil unserer Portfoliostrategie. Das gilt natürlich für Graustromspeicher, die aktuell einen spannenden Business Case bieten und aus Portfoliosicht eine gute Ergänzung zu Wind und Photovoltaik darstellen. Wir setzen aber ebenso stark auf Grünstromspeicher, die im Zusammenspiel mit einer Erneuerbaren-Erzeugungsanlage ein insgesamt resilienteres und rentableres Asset schaffen aufgrund der Antikorrelation der beiden Teilstücke. Aus diesem Grund planen wir sämtliche zukünftigen Erneuerbaren-Erzeugungsanlagen mit einem Grünstromspeicher. Das führt auch dazu, dass wir im Hinblick auf die Photovoltaik deutlich positiver gestimmt sind als andere Marktteilnehmer und in diesem Jahr Projektrechte von mehr als 200 Megawatt gekauft haben.
Sie realisieren ja nicht nur eigene Speicherprojekte, sondern bieten auch EPC-Dienstleistung für andere an. Wie kam es dazu?
Die Anfänge von Suncatcher waren tatsächlich als EPC für große Photovoltaik-Anlagen. Wir haben uns aber bereits früh auch mit den Möglichkeiten in der Kombination mit einem Speicher auseinandergesetzt und so Anfang 2024 den ersten Speicher für Dritte in die Umsetzung gebracht. Und da insbesondere auf der Mittelspannungsebene ordentlich gearbeitet werden muss, ist uns aus Gruppensicht auch wichtig, diese Expertise inhouse zu haben. Der Rest ist Geschichte.
Und wahrscheinlich haben sie damit auch gut zu tun, oder?
Tatsächlich sind wir sehr gut ausgelastet und führen viele spannende Gespräche zu neuen Projekten für 2026. Man hat es dieses Jahr bereits auf den Messen wie der Intersolar gesehen, es geht dort kaum noch um Photovoltaik, sondern fast nur noch um Batteriespeicher. Das Interesse ist immens und entsprechend auch die Nachfrage nach erfahrenen BESS EPC-Unternehmen. Gleichzeitig gibt es noch gar nicht so viele etablierte Anbieter am Markt, selbst für viele große Photovoltaik EPC-Firmen ist das Thema Batteriespeicher noch recht neu. Das verschafft uns einen Vorteil.
Im Moment lassen sich mit Graustromspeichern natürlich gute Geschäfte machen, Sie sprechen als EPC-Unternehmen aber auch aktiv das Segment Grünstromspeicher an. Warum?
Der Business Case eines Graustromspeichers ist grundsätzlich attraktiver, wobei der Baukostenzuschuss den Business Case zuletzt etwas geschmälert hat. Bei einem Co-Location-Graustromspeicher gibt es zudem einen gewissen Interessenkonflikt hinsichtlich der Nutzung des Netzanschlusses. Enervis schätzt etwa 8 Prozent Umsatzeinbußen bei einem Graustromspeicher im Falle von Einspeisevorrang durch die Photovoltaik. Der Graustromspeicher hilft der Erneuerbaren-Erzeugungsanlage eigentlich nicht, er erhöht nur die Auslastung der dahinterliegenden Infrastruktur. Genau da setzt der Grünstromspeicher an. Er dient nämlich zu 100 Prozent der Optimierung der Erneuerbaren-Erzeugungsanlage. Wir sehen hier über unser Portfolio im aktuellen Marktumfeld etwa 25 Prozent zusätzlichen Capex für circa 40 Prozent mehr Umsatz, also für sich betrachtet ein grundsätzlich gutes Investment. Und vor dem Hintergrund, dass aktuell viele Projektentwickler, Fonds, und Banken nach Lösungen für Ihre Assets und Pipelines suchen, sehen wir auch einen durchaus großen adressierbaren Markt, selbst wenn der Business Case etwas schlechter als im Falle eines Graustromspeichers ist.
Welche Erlösmodelle sehen sie für Grünstromspeicher und wie rentabel sind diese?
Ein Grünstromspeicher verdient sein Geld auf insgesamt fünf verschiedene Arten. Der relevanteste Hebel ist das klassische Load Shifting, das heißt die Verschiebung der Einspeisung aus den Mittagsstunden, in denen der Strom typischerweise weniger wert ist, auf die folgenden Abend- und/oder Morgenstunden, in denen die Börsenpreise deutlich höher sind. Darüber hinaus erlaubt einem der Batteriespeicher auch die Teilnahme am Interday-Handel, mit dem man mit einer typischen Photovoltaik-Anlage aufgrund des Produktionsrisikos normalerweise nicht teilnimmt. Zusätzlich kann man mit einem Grünstromspeicher auch gewisse Regelleistungen anbieten, insbesondere die Sekundärregelleistung aFRR+. Der Direktvermarkter oder Speicher-Optimierer hat darüber hinaus noch die Möglichkeit, durch ein anderes Risk-Return Handelsprofil zusätzliche Erlöse zu generieren, da der Speicher erlaubt, die Position zu schließen. Zu guter Letzt hat man je nach EEG-Regime mit dem Speicher ebenfalls die Möglichkeit, Marktprämien vom Netzbetreiber zu „retten“. Das funktioniert dadurch, dass Erzeugungsmengen, die normalerweise in Negativstunden eingespeist würden, in denen die Marktprämie entfällt, zu späterer Zeit eingespeist werden, wenn es dafür auch die Marktprämie gibt. Perspektivisch könnte noch ein sechster Werthebel hinzukommen. Zu Beginn des Jahres wurde ja bereits die gesetzliche Grundlage gelegt, Grünstromspeicher zukünftig auch temporär in Graustromspeicher umzuwandeln. Sollte das passieren, werden hier perspektivisch noch weitere Erlöse aus Arbitragehandel und weiteren Regelleistungen möglich sein.
Lohnt sich eine Grünstromspeichernachrüstung auch für bestehende Photovoltaik-Anlagen?
Absolut, auch für ältere Anlagen macht ein Grünstromspeicher Sinn! Hier ist wichtig zu verstehen, dass die Mehrerlöse nicht in Konkurrenz zu der EEG-Marktprämie stehen. Durch den Batteriespeicher ist der Direktvermarkter in der Lage, aus den eben genannten Gründen deutlich mehr Erlöse für den Strom zu erzielen. Sie bekommen also mehr Geld von Ihrem Direktvermarkter. Der Netzbetreiber, der die Marktprämie an Sie ausschüttet, schaut aber nicht darauf, wie viel Geld Sie im Monat von Ihrem Direktvermarkter bekommen. Für diesen ist lediglich relevant, was ihr anzulegender Wert ist, was der Monatsmarktwert Solar war, den Sie mit ihrem Grünstromspeicher nicht beeinflussen, und welche Mengen Sie wann ins Netz gegeben haben. Der einzige Punkt, den es zu beachten gilt, ist die Größe der Anlage. Beim Grünstromspeicher benötigt es für eine attraktive Wirtschaftlichkeit ein gutes Zusammenspiel aus Mehrerlösen gegenüber den Capex-Kosten pro Megawattstunde. Ab einer Anlage von circa fünf Megawatt sehen wir das in unseren Simulationen als gegeben.
Wie haben sich die Speicherpreise entwickelt und welche Entwicklung erwarten sie in der kommenden Zeit?
In den letzten Jahren sind die Speicherpreise stark gesunken, was auch ein wesentlicher Faktor ist, weshalb Speicher allgemein, aber eben auch Grünstromspeicher heute ein attraktives Investment darstellen. Wir sehen bei den Kosten grundsätzlich noch Potenzial nach unten, insbesondere weil in aktuell in China sehr große Produktionskapazitäten aufgebaut wurden und laufend erweitert werden. Gleichzeitig werden gerade viele Volumina, die ursprünglich für den US-amerikanischen Markt eingeplant wurden, aufgrund der politischen Situation und Handelsunsicherheiten nun in Europa vertrieben, weshalb man aktuell bereits sehr gute Preise bekommt. Und da das Marktumfeld derzeit für einen Grünstromspeicher sehr profitabel ist, sehen wir, dass Kunden nicht mehr abwarten, um auf günstigere Preise zu hoffen, sondern nun in den Vollzug gehen.
Die große Frage ist auch, bis zu wieviel Gigawatt Speicher die Geschäftsmodelle rentabel sind. Haben Sie da eine Prognose?
Wie in der Photovoltaik ist es sehr schwer, tatsächliche Marktdynamiken und Preisauswirkungen korrekt vorherzusagen, und wie man bereits bei den etablierten Anbietern von Strompreiskurven sehen kann, gehen die Annahmen zum Teil sehr weit auseinander. Was sich sagen lässt, ist dass der Energiemarkt insbesondere am Day-ahead-Markt sehr „tief“ ist. Die angekündigten 46 Gigawattstunden, die zum Großteil voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren gebaut werden, werden sich zwar sicherlich glättend auf die Preisvolatilität auswirken, gleichzeitig haben wir heute schon alleine im Residential-Bereich etwa 60 Gigawatt Photovoltaik-Dachanlagen, die ungesteuert mittags ins Netz speisen. Und laut aktuellen Schätzungen werden in den kommenden 2 Jahren weitere rund 30 Gigawatt erneuerbarer Kapazität in Deutschland hinzukommen. Hinter den von der Bundesnetzagentur angekündigten 46 Gigawattstunden Batteriespeicher stehen nur 25 Gigawatt Leistung, es wird also weiter mehr erneuerbare Leistung als Flexibilität hinzugebaut. Insofern gehen wir von anhaltenden Negativstunden und Preisvolatilität aus.
Wie schauen Banken aktuell auf das Thema Grünstromspeicher?
Banken haben ein großes Interesse an Speichern, und öffnen sich auch immer mehr für die Finanzierung von neuen Assets mit einem Grünstromspeicher respektive der Nachrüstung eines bestehenden Solarparks mit einem Speicher. Bei vielen sehen wir aber auch, dass es noch Überzeugungsarbeit insbesondere beim Grünstromspeicher braucht, hinsichtlich Funktionsweise und Wirtschaftlichkeit. Auf der anderen Seite gibt es im Markt bereits Grünstromspeicher-Vemarktungsangebote wie Tollings, Floors, und auch erste PPAs, die Banken den Wert der Speicher aufzeigen und gewisse Sicherheiten bieten, sodass Finanzierungen gelegt werden können. Wir selbst bauen für unser Portfolio aktuell drei Projekte, die mit einem Merchant-Grünstromspeicher finanziert wurden. Und darüber hinaus merken Banken gerade auch, dass Sie mit dem bisherigen Ansatz, das heißt reine Photovoltaik-Anlagen entweder nur mit hoher EEG-Förderung oder hohen Eigenkapitalanforderungen zu finanzieren, zukünftig kaum noch ein Geschäft machen können. Insofern gibt es auch bei Banken eine hohe Bereitschaft, sich mit Batteriespeichern als Lösung intensiv auseinanderzusetzen.
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1. Ich glaube wir sollten aufhören Grünstrom und Graustrom zu trennen
Diese Unterscheidung ist nicht mehr zeitgemäß.
Sorry zu viel Marketing “Grünstromspeicher“ wer denkt sich sowas nur aus.
Am Ende geht es immer nur ums Geld!
2. Ich finde man sollte Leistung und Kapazität immer benennen.
Soweit diese Daten bekannt sind.
3. Was immer fehlt ist der Akku direkt beim Verbraucher, sprich im und am Handwerk- und Industriebetrieb.
Warum ist die Unterscheidung nicht mehr zeitgemäß? Wäre mir neu! Immerhin werden die beiden Arten von Speichern auf diversen Feldern sehr unterschiedlich behandelt…
Das verkompliziert die Sache, siehe Hausspeicher.
Wenn wir dann noch E-Autos mit V2G wollen, kann man das alles sowieso nicht mehr auseinanderhalten. Bei der Ladesäule geladen zuhause ins Netz gespeist.
Wir hoch war der Anteil von grünem Strom…?
Zudem gibt es die Freigabe, jeglichen Strom zu speichern und damit ein weiteres Geschäftsfeld zu erschließen.
Wir haben einen Speicher an einem PV-Park. Es ist Winter, der Speicher langweilt sich, es gibt viel Wind, aber er darf nicht einspeichern. Oder geben wir an ab 300gr/kWh bei der Erzeugung darf der Speicher nicht mehr einspeichern.
In Dänemark gibt es viel Wind, Strom wird importiert, aber er darf nicht eingespeichert werden, weil einige Kohlekraftwerke laufen.
Es wird immer gesagt, wir bräuchten Speicher, seien hinter dem Zeitplan und die Netzanschlüsse seien begrenzt.
Und nun sollen wir Aschenputtel spielen und gutes Elektron von schlechtem Elektron unterscheiden. Warum?
Wenn wir den Ausbau beibehalten, wird der Strom eh immer grüner.
PPA ist eh kein geschützter Name, ich kann Verträge in Irland und Spanien abschließen und mein Strom in Polen wird grün. Alles auf dem Papier und nicht real.
Und die Bank sagt juhu grüner Strom und das Marketing stimmt.
niranbunmi.mt schreibt.
Ich glaube wir sollten aufhören Grünstrom und Graustrom zu trennen
Diese Unterscheidung ist nicht mehr zeitgemäß.
@ niranbunmi.
Sagen Sie das mal denen, die mit dem Grünstrom ihre Gewinne optimieren.
Schauen Sie mal hier https://www.ee-news.ch/de/article/27409
Zitat: Das steigende Angebot an erneuerbaren Energien – so beleuchtet die Studie – lässt die Preise am Spotmarkt der Strombörse sinken. Betreiber von konventionellen Kraftwerken, die ihren Strom schon lange vorher zu hohen Preisen verkauft haben und termingerecht liefern müssen, können ihren Gewinn aber noch steigern, indem sie den Strom nicht selbst erzeugen, sondern billig an der Börse kaufen. Ausgerechnet die schmutzigen Kraftwerke werden so zu Gewinnern der Energiewende.Zitat Ende
Das steigende Angebot am Spotmarkt ist Grünstrom. Wenn der wie Graustrom behandelt würde, wäre der „prognostiziert“ auch im voraus zu hohen Preisen verkauft, und könnte nicht als Schnäppchen zur Gewinnoptimierung missbraucht werden.
Da geht es um Graustrom und Grünstrom an der Börse. Wo ist der Kontext zu Grau- und Grünstromspeichern?
Akkus an PV-Anlagen sind gut, Infrastruktur vorhandener Netzanschluss kann mit genutzt werden.
Aber warum soll, ein Akku an einer Windanlage oder Freiflächenanlage nicht auch Strom aus dem Netz saugen dürfen.
Stellen wir dann den Grünen Strom,
über den Nutzen von der Netzstabilität oder Preisstabilität, weil der Strom zu schmutzig dafür ist.
Ich möchte es nicht verbieten, aber schießen wir damit nicht übers Ziel hinaus.
Sandra Enkhardt schreibt
Da geht es um Graustrom und Grünstrom an der Börse. Wo ist der Kontext zu Grau- und Grünstromspeichern?
@ Sandra Enkhardt
Ich bin davon ausgegangen was der niranbunmi.mt geschrieben hat
Zitat:…. Ich glaube wir sollten aufhören Grünstrom und Graustrom zu trennen
Diese Unterscheidung ist nicht mehr zeitgemäß. Zitat Ende. Er hat generell von Strom geschrieben.
Wenn der Grünstrom wie Graustrom behandelt würde , wäre der bei den Langzeitverträgen der konventionellen Kraftwerksbetreibern „prognostiziert“ integriert, und würde am Spotmarkt der Börse gar nicht in dieser Menge zum verramschen anfallen. Auch nicht zum speichern.
Enkhardt / Diehl – „Da geht es um Graustrom und Grünstrom an der Börse. Wo ist der Kontext zu Grau- und Grünstromspeichern?“
Naja, wenn ich den Solarstrom eines Solarparks im Akku speichere, senkt dieser an der Börse nicht den Börsenpreis, sodass der Betreiber eines schmutzigen Kraftwerks – indem er Brennstoff spart (Kohle, Gas) – damit nicht den Reibach macht, sondern der Solarparkbetreiber himself. In der Peak-Zeit. So soll es sein.
Und genau so ist es, wenn ich mit meiner PV entweder meinen e-Golf oder meinen Speicher im Keller fülle. Warum sollen andere mit meinem PV-Strom durch Spot-Börsenstrom ihre Langzeitverträge durch Substitution optimieren, den ich dann später teuer kaufen müsste?
Gleichzeitig wird dann behauptet, die EE machen durch das EEG den Strom teurer. Wow. Dabei ist das Ganze eine einzige Subventionsschiebemaschine zu Gusten derjenigen, die an der Leipziger Börse ihre Erträge optimieren können. Da bleibt das EEG-Steuergeld. Industrie, Kraftwerksbetreiber, Großverbraucher, Stromhändler, etc. . Warum wird das nicht gesagt? Stattdessen wird gejammert!
Warum rafft das eigentlich keiner?!
Speichern was das Zeug hält. Weitermachen Jungs&Mädels!
Da würde ich mal mutig behauptet, dass Herr Diehl und ich das auch verstanden haben. Die Diskussion ging noch viel weiter oben los…
Aber müssen wir nicht nochmal aufwärmen, war eh nicht zielführend 🙂
Hallo?! Ich bin der Meinung, dass das einer der wesentlichen Punkte generell! Das jz so abzutun finde ich komisch‘. Das ist eigentlich des Pudels Kern! Klingt ja fast wie ein Urteil^^ bzw. eine Maßregelung 😉. Herr Diehl, wie sehen sie das?
So sollte es nicht klingen. Meine Aussage war nur, dass Sie Herrn Diehl oder mich davon nicht überzeugen müssen, sondern eher andere Diskutanten hier… 😉
ok : )
Wir können gerne Grünstromspeicher Anlagen nennen, welche direkt an den Erzeugern stehen,
aber was ist bei der Entnahme des Stroms.
Und in welcher Form (Wie wird die Vergütung festgestellt) und/oder auf welches Signal, Speichern die Akkus wieder aus.
Wenn zwischen Grün und Graustrom kein Unterschied gemacht werden soll, dann muss er auch dort verkauft werden wo es Geld gibt, nämlich am langfristigen Terminmarkt, und darf nicht als Überschuss am Spotmarkt verramscht werden, wie gegenwärtig der Fall.
Das Fraunhofer ISE „schätzt“ den Speicherbedarf bis 2030 auf ca. 100 GWh. Darf ich bei allem Respekt meine Schätzung vorlegen. Bis 2030 sollen die EU Staaten ca. die halbe Energiewende erledigt haben. Da man das mit elektrischer Energie erledigen müsste, verdoppelt sich der Energiebedarf bis 2930, bis 2045 übrigens verdreifacht er sich. In einer kalten Dunkelflaute z.B. im Jänner 2026 in ähnlichem Umfang wie 2017, würden wir in nur einer Woche (=168 Stunden) ca. folgenden Speicherbedarf benötigen. Die Last wäre dann nicht 80 GW, sondern würde auf ca. 150 GW steigen. Wenn D ca, 50 GW aus Kohle und Gas selber stemmen könnte, fehlen ca. 100 GW aus Erneuerbaren. 100 GWx 168 h =16.800 GWh (sechzehntausendachthundert). Batterien sind dafür ohnehin nicht geeignet, woher wir diese 16800 GWh bis dorthin nehmen sollen bleibt ein ungelöstes Rätsel.
Österreich hatte im Jan.2017 verzweifelt nach nur 2 GW zusätzlich gesucht. Frankreich und Belgien konnten uns nicht helfen, da sie auch starke Kälte hatten und einige Atomkraftwerke gedrosselt werden mussten, weil die Flüsse zu wenig Wasser führten. Nur Deutschland und Tschechien haben uns gerettet, D hatte damals glaube ich noch 9 AKW‘s, Tschechien natürlich Kohle und AKW.
Eine kalte Dunkelflaute ist die fast unlösbare Herausforderung in einem Energiesystem mit Wind und PV. Wer glaubt dass Ö bessere dasteht irrt, selbst in Ö haben wir nicht die notwendige Topographie, um ausreichend Pumpspeicher zu bauen, ganz abgesehen vom berechtigten Widerstand der lokalen Bevölkerung.
Als ISEaner eine kleine Einschätzung: Sie haben fast Recht (auch in dunkelflauten sind EE nicht 0, auch durch z.B. Biomasse und Wasserkraft), wenn wir das Problem allein mit Batterien lösen wollen.
Aber das Zusammenspiel aus Batterien + flexiblen Kraftwerken reduziert den Batteribedarf. D.h. kurzfristig werden fossile Kraftwerke, mittelfristig fossile Kraftwerke mit Beimischung von H2/e-CH4/… und langfristig (2040+) reine Verfeuerung von e-Molekülen in Verbrennungskraftwerken. Dann sieht die Bilanz anders aus.
Batterien werden vermutlich nie länger als einen vollen Tag überbrücken müssen. Bis 2030 sehe ich ebenso wie meine Kollegen 100 GWh als realistisch, um 2040 eher 500-700 GWh (soweit ich das noch im Kopf habe widerspreche ich hier auch keinem meiner Kollegen).
Der mittleren Last von 150GW für Deutschland schließe ich mich an.
Darin wird aber ein beträchtlicher Anteil in Wärme gehen.
Wärme lässt sich deutlich günstiger und länger als Strom in Batterien speichern.
Auf der Lastseite sollten viele Maßnahmen deutlich günstiger sein, als H2 in Kraftwerken zu verbrennen, welche nur wenige 100 Betriebsstunden pro Jahr erreichen.
Ich finde da den Blick auf EnergyCharts recht hilfreich. Zubau wird ja weiteren fossilen Strom verdrängen, insbesondere wenn Batteriespeicher fossile Kraftwerke aus der Netzstabilisierung verdrängen. Dazu kommt der ansteigende Zubau bei Windkraft, dessen Profil in starker Konkurrenz zum Einsatz von Batteriespeichern steht. Dadurch kommt man im Ergebnis zu garnicht mal so hohen Bedarfen bei Batterien, schließlich besteht für die Bedarfsspitzen ja die Option der Gaskraftwerke.
@Bernd
500-700GWh sind eher krass, meine Berechnung für Ö ergibt ca.140 GWh zusätzlich, also zusammen eine ca.Verdreifachung der momentanen Energie von ca. 65 GWh. Meine Einschränkung ist jedoch, dass ich die effektivste Lösung für die Mobilität mit BEV‘s und für die Wärmewende mit WP gewählt habe. Sobald H2 ins Spiel kommt, ist auch die Verdreifachung nicht mehr haltbar, da die Verluste schon bei der Erzeugung groß sind. Bei Speicherung und Rückverstromung bleibt nur mehr 25-30% übrig.
Die Wärmeenergie macht nur ca. 1/3 der Gesamtenergie aus, ob man mit Wärmespeichern tatsächlich im Falle einer Dunkelflaute einen entscheidenden Teil davon eine Woche überbrücken könnte, wage ich zu bezweifeln.
Was viele Bürger ganz einfach nicht begreifen ist dieTatsache, dass eine Energiewende nicht nur die Erzeugerseite betrifft, sondern auch die Verbraucherseite. In beiden Anforderungen ist D und Ö noch nirgendwo. Das sieht man nicht nur an der mickrigen Anzahl von WP und BEV‘s, sondern auch am noch nicht gestiegenen Stromverbrauch. Wenn in 4 Jahren eine Verdoppelung erreicht werden sollte, in 14 Jahren eine Verdreifachung, dann müsste man wohl schön langsam einen Anstieg erkennen.
Zahlen beziehen sich auf D:
Anteil Wärmepumpen im Neubau und auch bei Sanierungen: aktuell etwa 70%, bei genehmigten Bauvorhaben der kommenden Jahre > 80%
[https://www.dena.de/infocenter/wachsende-nachfrage-nach-waermepumpen-sanierungsmarkt-mit-potenzial/]
Anteil WP insgesamt: erst 1,6 Mio. Stk., aber Tendenz ist klar
Anteil BEV an Neuwagen: reine BEV 20%, inkl. Plug-In-Hybride etwa 33%
Anteil BEV insgesamt: erst 3 %. Wie bei den WP wird der Anteil kontinuierlich steigen.
Beim Energiebedarf insgesamt muss man auch unterscheiden nach Primärenergiebedarf (https://www.dena.de/infocenter/wachsende-nachfrage-nach-waermepumpen-sanierungsmarkt-mit-potenzial/) und Endenergiebedarf. Im Stromsektor dann auch Bruttostromerzeugung (Bruttstromerzeugung aus nicht erneuerbaren Energien: stark rückläufig. https://www.energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&c=DE&interval=year×lider=0&source=historical) bzw. Nettostromerzeugung gesamt (https://www.energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&c=DE&interval=year×lider=0&source=total). 61 % des Nettostrombedarfs kamen bereist aus erneuerbaren Energien (https://strom-report.com/strommix/).
Anmerkung: der langsam abfallendene Endenergieverbrauch trotz Bevölkerungswachstum geht dann doch auf Effizienz- und Produktivitätssteigerungen zurück, und eben auch auf Vermeidung von ungenutzter Energie in koventionellen Kraftwerken. Der Anteil der Industrie ist seit vielen Jahren ohne größere Schwankungen: https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren#allgemeine-entwicklung-und-einflussfaktoren