Strommarkt-Analyse: Capture-Preis für Photovoltaik steigt im November auf 9 Cent pro Kilowattstunde

Unsere monatliche Auswertung der Strommarktdaten für den Monat November zeigt wenig negative Strompreise in ganz Europe mit tendenziell höheren Capture-Preisen für Solarstrom. Ein Bild, das sich jetzt in den Wintermonaten durchweg in ganz Europa zeigt. Ein paar negative Strompreise und erstaunlich geringe Capture-Preise gab es dann aber doch, allerdings nicht in Deutschland.
Foto: Klaus Dieter vom Wangenheim auf Pixabay

Im deutschen Strommarkt gab es im November keine einzige Stunde mit negativen Preisen. Das gab es in diesem Jahr sonst nur noch im Februar. Der Juni war bisher der Monat mit den meisten negativen Strompreisen. Insgesamt 141 Stunden blieb der Börsenpreis unter null. Knapp die Hälfte der Solarstromerzeugung im Juni verteilte sich auf Zeiten mit negativen Strompreisen. Den europäischen Rekord für die meisten Stunden mit negativen Preisen innerhalb eines Monats stellte in diesem Jahr Spanien auf. Dort kam es im Mai an 239 Stunden zu negativen Strompreisen.

 

BalkenDiagramm Negativen Strom preise
Stunden mit negativen Strompreisen in Europa im Jahr 2025. (Y-Achse = Stunden)

Grafik: Marian Willuhn / pv magazine

Parallel zu den im November ausbleibenden Stunden mit negativen Preisen erholt sich der Capture-Preis für Photovoltaik-Anlagen in Deutschland wieder. Im Juni lag er noch bei lediglich 1,8 Cent pro Kilowattstunde. Im Oktober erreichte er bereits 7,7 Cent und stieg im November weiter auf 9,0 Cent pro Kilowattstunde. Die Capture Rate, also das Verhältnis des Solarwerts zum allgemeinen Marktwert für Strom, lag damit zuletzt bei rund 96 Prozent. Zum Vergleich: Im Februar, als es ebenfalls keine negativen Preise gab, wurde in Deutschland für Solarstrom ein Capture-Preis von 11,6 Cent berechnet.

Capture Preise für Solarstrom in Europa im November 2025.
Capture Preise für Solarstrom in Europa im November 2025. (Y-Achse = Cent pro Kilowattstunde)

Grafik: Marian Willuhn/ pv magazine

Gemessen an den Capture-Preisen im europäischen Vergleich zeigt sich für November ein breites Spektrum. Den höchsten Capture-Preis für Solar verzeichnete im November Lettland mit 11,9 Cent pro Kilowattstunde. Fast identisch lagen die Werte in Estland und Bulgarien sowie in den beiden nördlichen italienischen Gebotszonen, wo sie zwischen 11,4 und 11,2 Cent lagen. Eher unterdurchschnittlich im europäischen Vergleich schnitten Finnland und Frankreich mit Preisen von 5,7 beziehungsweise 4,9 Cent ab. Noch niedriger fielen die Preise in Portugal und Spanien aus, wo Solarstrom im November im Mittel lediglich 3,2 beziehungsweise 3,1 Cent wert war. In der schwedischen Gebotszone SE2 lag der Wert mit 2,6 Cent sogar noch darunter.

Balkendiagramm mit negativen Preisen Stundenanzahl, November
Negative Börsenstrompreise im November in Europa. (Y-Achse = Stunden)

Grafik: Marian Willuhn/ pv magazine

Während Deutschland im November frei von negativen Preisen blieb, traten sie in mehreren anderen europäischen Märkten weiterhin vereinzelt auf. Besonders betroffen waren die nördlichen schwedischen Preiszonen SE2 und SE1, in denen 75 beziehungsweise 34 Stunden mit negativen Preisen registriert wurden. In der südlichsten Zone SE4 kam es im selben Zeitraum zu elf Stunden unter null. Auch in Finnland, Estland und Griechenland traten zwischen sechs und zehn Stunden mit negativen Preisen auf.

Die Zahlen und die Analyse kommen von einer Auswertung von öffentlichen Entso-e-Daten durch die Redaktion.

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Kommentare

Energetiker
Dec 02, 2025

Dass der Capture-Preis in Frankreich im November nur bei rund 4,9 ct/kWh liegt, überrascht nicht: Der allgemeine französische Marktwert lag im gleichen Zeitraum bei etwa 6,4 ct/kWh – deutlich niedriger als in Deutschland mit ca. 10,6 ct/kWh.

Daraus lässt sich relativ klar ablesen, dass Deutschland inzwischen kaum noch Strom zu international konkurrenzfähigen Preisen erzeugen kann und in der Folge teure Importe benötigt.

Anstatt strukturelle Probleme auf der Erzeugungs- und Marktseite zu adressieren, setzt Deutschland weiterhin primär auf zusätzliche staatliche Subventionen, um die Strompreissituation zu überdecken.

Über das Jahr betrachtet liegt der PV-Capture-Preis bei etwa 4,5 ct/kWh. Eine selbsttragende, marktwirtschaftliche PV-Erzeugung ist damit faktisch nicht möglich – das zeigen auch die anhaltenden Belastungen des EEG-Kontos. Daran wird sich auch wenig ändern, wenn die PV-Kapazitäten weiter massiv ausgebaut werden sollen; im Gegenteil: Mit mehr PV steigt die Kannibalisierung des eigenen Marktwerts typischerweise weiter.