Seit Monaten sorgt das Netzanschlussverfahren für große Batteriespeicher mit mehr als 100 Megawatt für Aufregung. Auf der einen Seite versinken Netzbetreiber in einer Flut von Anträgen, die nach zeitlichem Eingang abgearbeitet werden müssen, auf der anderen Seite scharren Speicherinvestoren mit den Hufen, weil sie mit ihren Systemen ans Netz wollen, um gutes Geld zu verdienen. Geschuldet ist der aktuelle Prozess der Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV), die das Anschlussverfahren für Erzeugungsanlagen größer 100 Megawatt regelt und an der sich die Übertragungsnetzbetreiber zumindest stark anlehnen.
Politik und Bundesnetzagentur haben bislang wenig beigetragen, um den gordischen Knoten zu durchschlagen. Doch dies könnte sich nun schneller ändern als gedacht. Am Dienstagabend kündigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf einem parlamentarischen Abend ihres ehemaligen Arbeitgebers Eon an, die Netzanschlussverfahren für große Batteriespeicher noch in diesem Jahr ändern zu wollen. So soll es eine zügige Änderung der KraftNAV geben.
Wie das auch in dieser Geschwindigkeit funktionieren könnte, zeigte am Folgetag Arne Genz, Referatsleiter in Reiches Ministerium und dort auch zuständig für Speicher, auf einer Veranstaltung von 50 Hertz in Berlin auf. Er bestätigte zunächst, dass sich seine Ministerin sehr deutlich geäußert habe. Da es sich bei der KraftNAV um eine Regierungsverordnung handele, müsse der Bundestag nicht in eine Änderung einbezogen werden. Wenn Änderungen dort erfolgen, müssten sie zunächst in die Ressortabstimmung, ehe das Kabinett die Neufassung verabschieden müsse. Danach, so Genz, muss der Bundesrat noch zustimmen. Doch von den Ländern gebe es bereits Signale, dass sie eine entsprechende Änderung auch gern hätten. „Theoretisch geht die KraftNAV-Änderung also relativ schnell. Eigentlich reicht die Änderung mit einem Satz, die Speicher rauszunehmen“, so Genz.
Eine offizielle Bestätigung aus dem Bundeswirtschaftsministerium gab es dazu auf Anfrage von pv magazine am Mittwochabend auch noch. „Ministerin Reiche hat auf einer Podiumsveranstaltung am Montagabend über die Rolle der Verteilnetze im Energiesystem gesprochen und unter anderem Verbesserungen beim Netzanschlussprozess gefordert“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Als mögliche Maßnahmen nannte sie eine Revision der KraftNAV bezüglich großer Batteriespeicher, höhere Anforderungen an Netzanschlussanfragen, eine Anpassung des derzeitigen ‚Windhundverfahrens‘ und eine verbesserte Transparenz über verfügbare Netzkapazitäten.“ Weitere Details wollte der Sprecher mit Rücksicht auf die „derzeit andauernde inhaltliche Erarbeitung der Maßnahmen“ noch nicht nennen. Allerdings sollen erste Maßnahmen im ersten Quartal 2026 öffentlich konsultiert werden, wie der Sprecher pv magazine weiter erklärte.
Privilegierung von großen Batteriespeichern wieder auf der Kippe?
Erst vor wenigen Tagen hatten Bundestag und Bundesrat eine Privilegierung von großen Batteriespeichern mit mehr als einer Megawattstunde im Außenbereich im Baugesetzbuch im Zuge der EnWG-Novelle beschlossen. Ob diese lange Bestand hat, bleibt abzuwarten, wie auf der 50 Hertz-Veranstaltung am Mittwoch zu hören war. Die Netzbetreiber jedenfalls finden diese Privilegierung angesichts der bestehenden Antragsflut von Netzanschlüssen für große Batteriespeicher wenig hilfreich. Anscheinend formiert sich zudem Widerstand aus den Ländern gegen diese Regelung. Deshalb war im Vorfeld der Verabschiedung durch den Bundesrat am vergangenen Freitag nicht ausgeschlossen worden, dass die Bundesländer den Vermittlungsausschuss anrufen. Letztendlich ließen sie die EnWG-Novelle jedoch passieren.
*Anmerkung der Redaktion: Die Rückmeldung des Ministeriums haben wir kurz nach Erscheinen des Artikels erhalten und noch umgehend eingefügt.
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Wird die Privilegierung von Speichern jetzt zurückgenommen? Heißt das Speicher werden langsamer ans Netz angeschlossen was für das auffangen von Überkapazitäten von Wind und Solarstrom schlecht wäre.das geht aus dem Artikel leider nicht hervor bzw Frau Reiche hat sich nicht klar geäußert
Nach fast einem Jahr neue Regierung kann man sagen, klare und verlässliche Äußerungen sind kaum zu erwarten. Bei Frau Reiche wird es darauf ankommen, wie Eon zu den Speichern steht und danach ihre Entscheidungen treffen. Das zeigt sich ja auch, wie hier in einem anderen Bericht beschrieben, mit der Auswahl bei den neu geplanten Gaskraftwerken. Statt voller Technologieoffenheit soll der Großteil halt nicht offen sein (z.B. für Batterien), sondern fest für fossile Gaskraftwerke.
Wer hier die Entwicklung von Akkusystemen in den letzten 5 Jahren verfolgt hat, kann sich kaum vorstellen, dass in weiteren 5 Jahren nicht möglich sein soll, alles mit Batterien abzudecken. Alle anderen Szenarien sind bereits beim heutigen Preis von Akkus teurer.
Eine qualifizierte Vermutung, was die Änderungen für den Strompreis bedeuten könnten, wäre hilfreich.
„Scharren mit den Hufen, weil sie gutes Geld verdienen wollen“ Geld fällt nicht vom Himmel und nur durch den Speicher und dann was verdienen? Merkt denn keiner was? Speichern ist plötzlich unheimlich begehrt, weil man den Michel abschöpfen kann und es ihm dann auch noch als Beitrag zur Kostensenkung verkauft. Ein Batteriespeicher kostet und er hält nicht ewig. Wirtschaftlich gesehen wird der Strom um nicht weniger wie 10 Cent je kWh teurer. Und Windgeneratoren Kosten auch und liefern über die Laufzeit auch nur nach ihrer Kapazität. Kosten auch noch mal nicht unter 5 Cent je kWh. Ergo kostet durch die Speicher geleideter Strom nie unter 15 Cent. Es sei denn man nutzt die Unzulänglichkeiten des Systems aus und rechnet mit den Börsenstrompreisen. Gibt es zuviel Speicher voll und dann warten bis das System zu wenig hat und Reibach machen. Wer hat denn den billigen oder Strom zu negativ Preisen subventioniert und wer zahlt dann drauf? Immer der Verbraucher. Dieser ganze Speicher Hype ist doch nichts als die Symptome zu kaschieren, statt grundlegend wirtschaftlich belastbare Funktion zu sorgen. Was wir da zulassen ist so, als wenn man Schmerzen auf nur mit Pillen behandelt und dann laufend ein Schlauberger aus der Deckung könnt und behauptet er hat bessere Pillen, statt die Krankheit anzugehen. Schaut nach China. Die lachen über unsere Planlosigkeit. Wenn wir nicht dazu kommen endlich zu kapieren, dass die Grenzen unserer Energiewendevorstellung die Physik bestimmt und nicht die Wunschliste verbohrter Ideologen, hat sich das mit Sozialstaat und Wohlstand.
Unbegrenzt Speicher ohne massive netzdienliche Beschränkungen der Betriebsweise anschließen nach Windhundprinzip wie bisher verursacht hohe Kosten für Netzausbau und volkswirtschaftlichen Schaden. Das kostet viel viel mehr als es den Strompreis senkt. Es kann sogar dazu führen dass Industrieunternehmen und Rechenzentren dann jahrelang keinen Netzanschluss bekommen.
Es müssen endlich klare Regelungen her, wie sich Speicher grundsätzlich netzdienlich statt bloß gewinnmaximierend mit voller Leistung verhalten müssen. Und Anschluss nur da im Netz wo die gebraucht werden.
Alternative sind nur nodale Strompreise, und die sind technisch und politisch nicht in Sicht.
@Engelbert.Montagne
Wer nach China schaut sieht gerade dort vielfältige Anstrengungen in der Forschung und laufende Projekte zur Energiespeicherung.
Zum Glück ist der „Michel“ noch nicht vollkommen abgehängt von den Innovationen seitens Erneuerbarer Energien.
Aber er ist auf Grund erfolgreicher Bremser verdammt spät dran!
@Engelbert.Montagne
Die privaten Stromspeicher machen ihr Geld mit dem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Sie kaufen, wenn zu viel Strom billig vorhanden ist und verkaufen, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt und der Preis nach oben schießt. Dadurch wird Angebot und Nachfrage geglättet, so wie auch der Preis. Mit der steigenden Zahl der Speicher kannibalisieren sie aber ihr eigenes Geschäftsmodell, da auch die Preisschwankungen geringer ausfallen. Darum will jeder bei den ersten dabei sein.
Werden die Speicher auch noch netzdienlich platziert, sind sie das beste, was uns Stromkunden passieren kann. Für lau!!!
@Engelbert.Montagne
Viel Meinung wenig Fakten oder?
Ich kann stand heute Heimspeicher zu 150€/kWh kaufen mit 8000 Zyklen, der strom den ich so einspeicher kostet somit 1.8ct mehr
Das ist faktor 10 geringer als das was Sie hier ergießen…heimspeicher!
Pathologisch, dass Sie darauf schauen was china über uns denke und dann irgendwas mit Physik…der uebliche faktenfreie Schwurblertum…sogar hier im PV-Magazin
Für alle die hier Angst vor hohen Strompreisen durch Batteriespeicher haben will ich das einmal ganz kurz erklären. Batteriespeicher arbeiten rein Marktwirtschaftlich, bekommen also keinerlei Vergütung aus Steuergeldern oder Strompreisumlagen. Batteriespeicher verdienen Geld, wenn die Strompreise im Tagesverlauf stark schwanken. Ob die Preise hoch, tief oder negativ sind, ist den Speicherbetreibern egal, hauptsache man kann preiswerter Strom einkaufen als verkaufen. Solange das gegeben ist, lohnen sich Speicher. Je mehr Speicher zugebaut werden, desto geringer die Schwankungen im Strompreis. Die Preise in den besonders preiswerten Zeiten steigen, weil die Batteriespeicher dann laden, die Preise in den teuren Stunden sinken, weil die Speicherbetreiber sich gegenseitig unterbieten müssen, um ihren Strom wieder los zu werden. (solange das nicht einer alleine im Griff hat) Für den Endkunden und für Deutschland als Nation und Wirtschaftsstandort wird das zur Folge haben, dass wir einen noch größeren Teil unseres Strombedarfs durch Erneuerbare abdecken können. Das kennt jeder von Zuhause mit PV und Speicher. Das macht uns unabhängiger von Preisschwankungen und politischer Erpressung auf den globalen Märkten.
Wir spekulieren mal wieder. In dem Artikel wird nix genaues genannt. Warten wir es mal ab.
Schon vor Jahren hätten die Netzbetreiber ein Konzept aufstellen müssen, wo Großspeicher netzdienlich am sinnvollsten sind. Diese Standorte hätten an die Investoren ausgeschrieben werden müssen. Von mir aus gerne in mehreren Chargen, damit es schneller voran geht.
Das Problem mit dem jetzigen Windhundverfahren ist, dass sie wild Standorte beantragt werden und die Netzbetreiber erst mal die Verträglichkeit prüfen müssen. Das kostet Zeit und daher kommen sie mit der hohen Anzahl an Anträgen nicht klar.
Aber irgendwie hat man das Gefühl, dass die Netzbetreiber nichts von selber anpacken, so lange sie nicht mit dem Stiefel angetrieben werden und eigentlich den Ausbau auch gar nicht wollen, weil die verbandelten Stromanbieter so mehr Geschäft machen.
Windhundverahren klingt nach BeamtenMikado, wer sich zuerst bewegt verliert!
Mein Gott; kann man von einer Behörde nicht erwarten, dass sie die möglichen Ausbau- und Übertagungskapazitäten in Form von Plänen für eine mögliche technische Belastung oder notwendigen Erweiterung darstellt.
Daraus sollte sich schnlell ergeben, wo Speicheranlagen sinnvoll sein könnten.
Ist das Hin und Her eventuell durchaus beabsichtigt, oder nur dem BeamtenMikado zuzuschreiben?