Zurück zu alter Größe – wird 2017 ein Super-Solarjahr?

Die Modulpreise fallen kontinuierlich und die November-Installationszahlen in Deutschland zeigen schon einen Anstieg um rund 50 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auch der Dezember dürfte ähnlich positiv verlaufen, allerdings sind die genauen Zahlen noch nicht bekannt. Die 1-Gigawatt-Grenze dürfte damit für 2016 aber leicht überschritten werden, was vermutlich alleine dem aktuellen Preisverfall zu verdanken ist. Nach einem Rückgang im Dezember um durchschnittlich zwei Prozent über fast alle Herkunftsregionen hinweg beruhigen sich die Preise im Januar jedoch merklich.

Durch den Nachfragesprung der letzten Wochen melden einzelne Hersteller schon die ersten Engpässe und Lieferschwierigkeiten. Diese können jedoch im Februar wieder kompensiert werden, so dass bei den Kunden nur etwas Geduld gefragt ist. Viele Bestellungen wurden bereits im Dezember platziert, obwohl die Projekte erst im Laufe des ersten Quartals realisiert werden sollen. Um Planungssicherheit zu erhalten, werden auch wieder Rahmenverträge verhandelt. Da aber nicht ganz klar ist, in welche Richtung sich die Modulpreise noch bewegen, sind flexible Preisklauseln angebracht – einige Lieferanten und Hersteller stehen dem durchaus offen gegenüber. Wer diese in seinen Vertrag einbauen kann, sollte den letztendlich gültigen Kaufpreis für jeden einzelnen Abruf von der Preisentwicklung relativ zum verhandelten Preis am Stichtag der Unterzeichnung abhängig machen. Referenz für die Anpassung sollte ein allgemein anerkannter Photovoltaik-Preisindex sein.

Eine verlässliche Prognose für das Gesamtjahr 2017 abzugeben, fällt hingegen noch schwer. Die Aussichten sind allgemein sehr gut, denn es gibt einen gehörigen Nachholbedarf, vor allem bei Anlagen aus deutschen Freiflächen-Auktionen. Ebenfalls wird eine Erhöhung der EEG-Einspeisevergütung für Februar erwartet. Manche Analysten sind jedoch noch vorsichtig optimistisch, aber alle sagen eine merkliche Steigerung der Installationszahlen gegenüber dem Vorjahr voraus. Die Prognosen für das angehende Jahr reichen von 1,4 Gigawatt in Deutschland bis über 2,0 Gigawatt. Ich selbst halte es sogar für möglich, dass wir den Zielkorridor der Bundesregierung von 2,3 bis 2,5 Gigawatt erreichen und damit den Zubau mindestens verdoppeln können. Auch für Gesamteuropa ist eine solide Steigerung zu erwarten, wenngleich diese nicht ganz so üppig ausfallen wird, da der Beitrag von Großbritannien in diesem Jahr vermutlich wenig ins Gewicht fällt.

Was kann die Entwicklung noch negativ beeinflussen? Die EU-Kommission hält unsinnigerweise an den Schutzmaßnahmen und damit an einem Mindestimportpreis für chinesische Module fest. Dessen zukünftige Höhe ist allerdings noch unbekannt. Eventuell geben die Kommissare allein dem Druck einzelner Akteure nach, rechnen aber selbst nicht mehr damit, dass die Maßnahmen noch jemanden interessieren. Chinesische Hersteller haben sich längst arrangiert und größere Produktionskapazitäten in strafzollfreien Regionen aufgebaut. Nur eine radikale Verschärfung der Bedingungen könnte das Comeback der asiatischen Module auf dem europäischen Markt noch stoppen.

Es müssten alle Produkte mit Strafzoll belegt werden, die außerhalb der EU produziert werden. Das würde aber bekannte Marken europäischen Ursprungs wie IBC, REC, Luxor, Q-Cells und sogar Solarworld hart treffen. Zu erwarten daher ist eher, dass die großen chinesischen Hersteller den europäischen Photovoltaik-Markt bald zurückerobern. Nachdem es in den letzten zwei bis drei Jahren ruhig um Trina, Suntech & Co. geworden ist, keine dieser Firmen jedoch noch dem Undertaking angehört, drängen jetzt die ersten Tier-1-Hersteller wieder mit sehr attraktiven Preisen in den Markt. Allen voran sind Hanwha Q-Cells, Canadian Solar und Jinko Solar zu nennen, die ambitionierte Absatzziele formulieren.

Ein größerer Preisrutsch ist wohl nicht mehr zu erwarten – den hat es bereits im letzten Quartal gegeben. Die Standardmodulpreise werden sich nun erst einmal um die 40-Cent-Marke herum etablieren, bei sehr großen Abnahmemengen vielleicht noch etwas darunter. Bei diesem Preisniveau können aber beinahe alle Arten von Projekten wirtschaftlich umgesetzt werden – es gibt also keinen Grund, mit der Realisierung noch abzuwarten. So werden aber endlich alle Befürworter der EU-Schutzmaßnahmen Lügen gestraft, die einen Zusammenhang von Marktpreis und Marktentwicklung geleugnet haben, denn die politischen Rahmenbedingungen in Europa haben sich von letztem zu diesem Jahr nicht grundlegend verändert!

Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Dezember 2016 inklusive der Veränderungen zum Vormonat:

Modulklasse

Preis (€/Wp)

Veränderung

ggü. Vormonat

Beschreibung

High Efficiency

0,56

– 5,1 %

Kristalline Module ab 280 Wp, mit Cello-, PERC-, HIT-, N-Type- oder Rückseitenkontakt-Zellen oder Kombinationen daraus

All Black

0,52

0,0 %

Modultypen mit schwarzer Rückseitenfolie, schwarzem Rahmen und einer Nennleistung zwischen 200 Wp und 275 Wp

Mainstream

0,44

– 2,2 %

Module mit üblicherweise 60-Zellen, Standard-Alurahmen, weißer Rückseitenfolie und 250 bis 275 Wp, repräsentieren den Großteil der Module im Markt

Low Cost

0,28

– 12,5 %

Minderleistungsmodule, B-Ware, Insolvenzware, Gebrauchtmodule (kristallin), Produkte mit eingeschränkter oder ohne Garantie

(Die dargestellten Preise geben die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt wieder.)

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponentenwww.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. Dort wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten. —

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