Klimaziel 2020: Wir brauchen weiteres Handeln der Bundesregierung für Energiewende und Klimaschutz

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Vor etwas mehr als fünf Jahren wurde in Deutschland der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie verabschiedet. Der Beschluss war die direkte Konsequenz auf die folgenschwere Nuklearkatastrophe von Fukushima. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel befand seinerzeit: „Die Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar.“ Da der Ausstieg einen Umstieg auf alternative Energieformen erforderte, stieg die Bedeutung von erneuerbaren Energien. Sie sollten die neue Säule der Energieversorgung in Deutschland sein. Einerseits muss man anerkennen, dass die Rolle von erneuerbaren Energien in Deutschland deutlich gestiegen ist. Die Bundesregierung beziffert den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Deutschland bei etwa 32 Prozent. Andererseits zeigt der kürzlich vorgelegte Klimaschutzbericht 2016, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Deutschland sein Klimaziel bis zum Jahr 2020 erreicht. Selbst die Regierung gibt nun zu, dass man sich bei den Prognosen von 2014 verschätzt habe.

Es stimmt mich jedoch optimistisch, dass erneuerbare Energien bei der deutschen Bevölkerung nach wie vor einen hohen Stellenwert haben. Bei der diesjährigen Akzeptanz-Umfrage von TNS Emnid gaben 93 Prozent der Befragten an, dass ihnen der Ausbau erneuerbarer Energien wichtig bis außerordentlich wichtig sei. Das ist ein starkes Signal in einer Phase, in der die globale Energiepolitik immer mehr von opportunistischem Aktionismus und weniger von verantwortungsvollem Handeln geprägt wird. Ich hätte geringere Zustimmungswerte erwartet, denn in einer Zeit in der ein gewählter US-Präsident den Klimawandel leugnet, während der Meeresspiegel weiter ansteigt, die britische Regierung Milliardensubventionen für den Bau von Atomkraftwerken bewilligt, während unweit der deutsche Grenze belgische Atommeiler einen besorgniserregende Störfälle melden, fällt es schwer den Glauben an den Erfolg der Energiewende zu bewahren. Umso wichtiger ist es, dass wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren und weiterhin unseren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.

Dass wir vor gewaltigen Herausforderungen stehen, hat nicht zuletzt der kürzlich vorgestellte fünfte Monitoring-Bericht zur Energiewende gezeigt. Seit dem Jahr 2011 nimmt eine Expertenkommission die Fortschritte bei der Energiewende in Deutschland genau unter die Lupe. Die Experten bescheinigen der Bundesregierung „erheblichen Handlungsbedarf zur Erreichung der Energiewende“. Mit anderen Worten: Wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir die gesetzten Ziele nicht erreichen. Diese Feststellung ist natürlich nicht neu. Schon seit vielen Jahren warnen Experten davor, dass unsere Anstrengungen nicht ausreichend sind, um die Zielvorgaben zu erreichen. Wir sollten den Bericht dennoch zum Anlass nehmen, um uns zu hinterfragen, was sich ändern muss, damit die Klimaschutzziele wieder in greifbare Nähe rücken und Menschen den Glauben an die Energiewende erhalten.

— Der Autor Thorsten Preugschas blickt auf rund 15 Jahre Erfahrung in der Solarbranche zurück. Als geschäftsführender Gesellschafter brachte er die Maaß Regenerative-Energien GmbH in die Colexon Energy AG ein und schuf damit einen der führenden börsennotierten Projektentwickler im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2006 wurde er zum CEO der Colexon Energy AG ernannt. Mit dem Zusammenschluss der Colexon Energy AG mit der dänischen Renewagy A/S im Jahr 2009 formte Preugschas den ersten vollintegrierten börsennotierten Projektentwickler und Betreiber von Solarkraftwerken in Deutschland mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 150 Millionen Euro. Im Jahr 2011 wechselte Thorsten Preugschas zur Soventix GmbH, die sich unter seiner Geschäftsführung zu einem der erfolgreichsten international agierenden Solarprojektentwicklern Deutschlands entwickelte. Weitere Informationen finden Sie unterwww.soventix.com. —

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