Danke Mr. Trump für das Klimaschutz-Abkommen!

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Die größte Überraschung ist ausgerechnet einem Mann zu verdanken, der bisher als größter Klimaskeptiker auftrat: Donald Trump. Da nun das Abkommen noch in diesem Jahr 2016 in Kraft treten wird, kann es ein potentieller Präsident Trump, der erst 2017 – wenn überhaupt – sein Amt antreten kann, gar nicht mehr rückgängig machen könne.

Überraschung Nr. eins: Alle Welt jubelt als in Paris im Dezember 2015 nach 21 erfolglosen Weltklimakonferenzen alle 195 Regierungen ein Klimaschutz-Abkommen verabschieden, das diesen Namen auch verdient. Ein Durchbruch, ein Fortschritt.

Aber: Nach den komplizierten UNO-Regeln tritt das Abkommen erst verbindlich in Kraft, wenn 55 Staaten, die zusammen 55% aller Treibhausgase emittieren, es zu Hause auch ratifiziert haben. Das letztemal beim eher harmlosen Kyoto-Abkommen hat dieser Prozess über sieben Jahre gedauert. Einziges Ergebnis: Dem Klima geht es immer schlechter.

Überraschung Nr. zwei: Schon im Sommer 2016 haben die beiden großen Bremser aller bisherigen internationalen Klimaschutzbemühungen und zugleich die beiden größten Umweltsünder, die USA und China, das Abkommen ratifiziert. Einige kleinere Staaten folgten, jetzt aber auch die EU und Indien. Damit tritt das Pariser Abkommen noch 2016 in Kraft. Bereits zehn Monate nach seiner Verabschiedung. Warum ging es diesmal so schnell?

Die größte und dritte Überraschung ist ausgerechnet einem Mann zu verdanken, der bisher als größter Klimaskeptiker auftrat: Donald Trump. Der Populist und republikanische Präsidentschaftskandidat hat in den USA während seines Wahlkampfes immer behauptet: „Es gibt gar keinen Klimawandel“. Er werde al künftiger Präsident der USA das Pariser Abkommen wieder rückgängig machen.

Diese Politik wäre zwar ziemlich dumm und gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, aber diesmal war sie sogar sehr hilfreich. Denn um Trump an seinem Klima-Vorhaben zu hindern, haben jetzt auch die großen Klimasünder ganz schnell der Ratifizierung zugestimmt. Der Erfolg basiert auf der Angst vor diesem möglichen Präsidenten der USA. Das wird auch offen zugegeben.

Da nun das Abkommen noch in diesem Jahr 2016 in Kraft treten wird, kann es ein potentieller Präsident Trump, der erst 2017 – wenn überhaupt – sein Amt antreten kann, gar nicht mehr rückgängig machen können. Das Völkerrecht verbietet das. Seltsamerweise hat der große Bremser für die größere Schnelligkeit gesorgt.

Danke, Mr. Trump für dieses Klimaschutzabkommen, das Sie nie wollten: Sie sind, frei nach Goethe, genau jene Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Machen Sie bitte weiter so. Dann wird das Klima vielleicht doch noch gerettet – ausgerechnet durch Sie, den populistischen Klimaleugner.

Was lehrt uns diese Geschichte?

  • Erstens: Auch Klimaskeptiker können einen besonders großen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
  • Zweitens: Obwohl Sie, Mr. Trump, niemals Präsident der USA werden, sind Ihre Verdienste um den Klimaschutz gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sie sind der große Robin Hood für mehr Klimaschutz.
  • Drittens: Die Geschichte geht oft seltsame Wege. Lasst uns gemeinsam darüber lachen!

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte aufwww.sonnenseite.com. —

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