Produktverantwortung als Leitlinie für PV-Recycling

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Um wirksamen Klimaschutz zu betreiben und gleichzeitig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft aufrecht zu erhalten, sind effiziente Rohstoffverwertung und Produktverantwortung unerlässlich geworden. Wie wichtig die Themen sind, zeigt sich auch daran, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erst kürzlich den Policy Guidance on Resource Efficiency veabschiedet hat. In diesem strategischen Leitfaden bekennen sich die Länder zum Prinzip der Produktverantwortung und der Wiederverwertung von Rohstoffen.

Auch auf europäischer Ebene arbeit man derzeit an einem Kreislaufwirtschaftspaket. Dieses legt nicht nur höhere Recyclingquoten für die Mitgliedsländer fest, sondern schreibt der Produktverantwortung insgesamt eine hevorgehobene Stellung zu. Das Engagement der EU verdeutlicht darüber hinaus, dass nationale Alleingänge in diesem Bereich nicht gewollt sind.

Länderübergreifende Lösungen

Wie aber steht es mit der Produktverantwortung bei PV-Modulen? Sie enthalten wertvolle Bestandteile wie Indium, Kupfer und Silizium und ihre Lebensdauer ist auf 20 bis 25 Jahre begrenzt. Allein bis 2030 müssen in Europa 130.000 Tonnen ausgedienter PV Module recycelt werden. Dafür brauchen wir schnelle und gute Lösungen im Bereich der Rückholung und Wiederverwertung – und zwar länderübergreifend.

Aus diesem Grund ist die Ausweitung der Produktverantwortung auf PV-Module im Rahmen des ElektroG, als nationale Umsetzung der europäischen WEEE-Richtlinie nicht nur ein wichtiges Instrument, um Produktverantwortung zu verwirklichen, sondern ein zwingender Bestandteil für die erfolgreiche Umsetzung einer europäischen  Kreislaufwirtschaft.

Freier Wettbewerb

Damit die WEEE-Richtlinie aber umfassend greifen kann, braucht es einen offenen, dynamischen und gewissenhaft reglementierten Markt. Ein solches Umfeld ist für die Entstehung eines fairen Wettbewerbs unter den Dienstleistungsanbietern essentiell. Konkret bedeutet dies, dass ein System der erweiterten Produktverantwortung nur funktionieren kann, wenn die Grundsätze des freien Wettbewerbs gewährleistet sind und klar definierte und harmonisierte Gesetze implementiert werden, die die Rechte und Pflichten aller beteiligten Akteure eindeutig regeln.

Ein gesamteuropäischer Ansatz schafft hierbei erhebliche Vorteile, sowohl für die Verbraucher, als auch für die Hersteller und damit letztlich auch für den Umweltschutz. Bisher ungelösten Problemen wie der illegalen Entsorgung von Abfällen und der Deponierung von Wertstoffen, die eigentlich für den Recyclingzyklus geeignet wären, kann mit der Produktverantwortung effektiv und nachhaltig begegnet werden. Hierfür braucht es eine ambitionierte Gesetzgebung der europäischen Legislative unter Einbeziehung eines marktbasierten Ansatzes. Nur so kann eine kosteneffiziente und nachhaltige Entsorgung und Wiederverwertung von elektronischen Altgeräten, wie PV-Modulen, gewährleistet werden und gleichzeitig der Problematik der zunehmenden Rohstoffverknappung entgegen gewirkt werden.

— Der Autor Jan Patrick Schulz ist der Vorsitzender des Vorstands der Landbell AG, zu der auch die European Recycling Platform (ERP) gehört. Seit über zehn Jahren ist er bereits für Landbell tätig und hat das Unternehmen zu einem weltweiten Umwelt- und Entsorgungsspezialisten entwickelt. Landbell und seine angeschlossenen Unternehmen managen Rückhol-Systeme für diverse Abfallströme wie Verpackungen, Elektro-Altgeräte und PV-Module über Ländergrenzen hinweg und beraten Hersteller und Inverkehrbringer hinsichtlich gesetzlicher Anforderungen (EPR). —

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