Die Folgen der neuen WEEE-Richtlinie für die PV-Branche – sind eine Chance für die Hersteller und Vertreiber

Natürlich sind die Bürokratie und die damit verbundenen Kosten ein immer währendes Problem bei der europaweiten Umsetzung der WEEE-Richtlinie, die die Hersteller, Importeure und Vertreiber von Elektro- und Elektronikgeräten – und so nun auch von Photovoltaik-Modulen – zu tragen haben, um das fachgerechte Recycling ihrer Geräte und dessen Finanzierung zu gewährleisten.

„Opfer eines weitgehend selbstverschuldeten ‚Betriebsunfalls‘“, wie wir jüngst in einem Meinungsbericht im pv magazine lesen konnten, sind die PV-Hersteller aus unserer Sicht jedoch nicht, wenn man die Vorteile bedenkt, die sich durch die „Mitgliedschaft im Club der WEEE-Verpflichteten“ ergeben.

Wettbewerbsorientierte Strukturen, Potenzierung der Sammelstellen

Die Integration der Photovoltaik-Module in die WEEE-Richtlinie macht für die betroffenen Hersteller sogar durchaus Sinn: Die Prozesse und Strukturen des Altgeräte-Recyclings haben sich seit über zehn Jahren erfolgreich etabliert. Darüber hinaus regelt WEEE das Recycling ganz einfach durch die kostenlose Annahme der Altmodule an den über 1.600 öffentlich-rechtlichen Recyclinghöfen allein in Deutschland. Für die Bereitstellung dieser bereits vorhandenen technischen und logistischen Infrastruktur muss die Photovoltaik-Industrie keine Kosten aufwenden, sondern nur für die Rücknahme und Verwertung der eigenen Erzeugnisse. Die PV-Hersteller profitieren folglich von den Skaleneffekten eines längst eingespielten Systems.

Denn längst sind branchenübergreifende System-Lösungen zur Komplettabwicklung der WEEE-Richtlinie am Markt vorhanden. Die etablierten Anbieter haben nach vielen Jahren Erfahrung im Umgang mit der WEEE-Richtlinie längst Lernkurven-Effekte realisiert, die sich heute in ihren Kostenstrukturen, ihrer Qualität und ihrer Prozesssicherheit und damit zum Vorteil der PV-Hersteller bemerkbar machen und die von branchenindividuellen Rücknahmesystemen nicht realisierbar sind.

Kostenreduzierung um das Sechsfache und ausgelagerte Bürokratie

So liegen die Kosten für die Umsetzung der WEEE-Richtlinie in Deutschland über alle von take-e-way betreuten Photovoltaik-Hersteller zurzeit bei durchschnittlich unter sechs Cent pro in Verkehr gebrachtem Modul (unter 3,00 Euro pro Tonne) inklusive System- und Abwicklungskosten, Gebühren, insolvenzsicherer Garantie, Logistik und Recycling (Stand April 2016). Im Vergleich zu den Kosten, die den Herstellern zuvor durch branchenindividuelle Rücknahmesysteme verursacht wurden, verringern sich die Ausgaben für das Modulrecycling durch die WEEE-Richtlinie um das Sechsfache, wenn mit erfahrenen Partnern kooperiert wird. Auch die eingangs erwähnte lästige Bürokratie kann gleich mit an den beauftragten Dienstleister abgegeben werden, womit sich WEEE als Schreckgespenst der PV-Industrie praktisch erübrigt.

WEEE garantiert grünen Produkten den Wiedereintritt in den Wirtschaftskreislauf

WEEE garantiert, dass Solarmodule von WEEE-registrierten Herstellern an einer Vielzahl von Sammelstellen in Europa zurückgegeben werden und die in ihnen enthaltenen Rohstoffe durch die Behandlung in zugelassenen Aufbereitungsbetrieben nach modernem Stand der Technik recycelt und zurück in den Wirtschaftskreislauf geführt werden – und nicht etwa halbherzig entsorgt oder in grauen bzw. schwarzen Märkten verschwinden. Zudem betonen sowohl die europäische WEEE-Richtlinie, als auch das deutsche Elektrogesetz (ElektroG) eine Wiederverwendung vor der Verwertung, was sogar einen Einsatz altersschwacher Module in strukturschwachen Regionen der Erde fördert, deren klimatische Verhältnisse eine weitere sinnvolle Nutzung ermöglichen. Damit garantiert die WEEE-Richtlinie dem Lebenszyklus eines grünen Produkts ein grünes Ende – ganz ohne Schrecken.

Die Autoren

Der Diplom-Geograph Oliver Friedrichs ist seit Inkrafttreten des ElektroG (2005) Geschäftsführer der take-e-way GmbH in Hamburg. Zeitgleich ist er auch Vorstand des VERE e.V. (Verband zur Rücknahme und Verwertung von Elektro- und Elektronikaltgeräten e.V.) mit über 3.400 Mitgliedern. Oliver Friedrichs arbeitet seit über 16 Jahren in der Entsorgungsbranche mit Schwerpunkten in der abfallrechtlichen Produktverantwortung, der Aufbereitung von Metallen (inkl. Elektronikschrott, Metallverbunden) sowie der allgemeinen abfallrechtlichen Gesetzgebung.

Christoph Brellinger ist seit 2010 Marketingleiter bei der take-e-way GmbH und seit 2012 Geschäftsführer des VERE-Verbands. Christoph Brellinger wurde stellvertretend für das take-e-way-Rücknahmesystem für Elektroaltgeräte im Rahmen der Umwelthauptstadt Europas 2011 mit dem Signal Iduna Umwelt- und Gesundheitspreis ausgezeichnet, auf dessen Grundlage spätere deutschlandweite Sammlungen basierten.

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