„Scaling Solar“ – eine Initiative der Weltbank zur Förderung von Photovoltaik in Afrika

Teilen

Vor dem Hintergrund des niedrigen Elektrifizierungsgrades in Subsahara-Afrika, wo zwei Drittel der Bevölkerung noch über keine Stromversorgung verfügt, und den enormen PV-Potentialen in dieser Region, führte die Weltbank-Tochter IFC (International Finance Corporation) im Januar 2015 das Förderprogramm „Scaling Solar“ ein. Das Programm zielt auf die schnelle und transparente Weiterentwicklung des Photovoltaik (PV) – Marktes in Afrika. Den dortigen Regierungen soll eine „Komplettlösung“ durch die verschiedenen Einheiten der Weltbank-Gruppe geliefert werden. Der gesamte Prozess, d. h. von der Projektvorbereitung über die Prüfung und Finanzierung bis hin zur Inbetriebnahme der PV-Großanlagen, wird durch die IFC begleitet und soll nicht länger als 2 Jahre dauern. Daneben soll das Programm private Investitionen im afrikanischen PV-Markt mobilisieren und wettbewerbsfähige Tarife für PV-Strom gewährleisten.

Zielgruppen des Programms

Im Fokus des Programms steht die Zusammenarbeit zwischen Projektentwicklern und den Regierungen, welche den Anteil der Erneuerbaren Energien ausweiten bzw. den Bau von PV-Anlagen fördern wollen. Die Vorteile liegen laut Weltbank in der schnelleren Abwicklung, Kostenoptimierung und Sicherheit im Sinne einer koordinierten und zentralen Abwicklung durch die IFC. Die Projektentwickler erhalten Unterstützung beim Bewerben in den jeweiligen Ausschreibungen der Länder bzw. der IFC, sowie beim Finanzierungsprozess, welcher u. a. durch standardisierte Formulare beschleunigt werden soll. Die Vorteile für deutsche EPC liegen v.a. im erleichterten Marktzugang durch die Ausschreibungen, in der Verkürzung der Projektabwicklung durch die zentrale Koordination über die IFC bzw. den nationalen, kooperierenden Behörden vor Ort, sowie ggf. in den Beratungsleistungen der Weltbank.

Funktionsweise und Instrumente

Für die Errichtung der privatfinanzierten und netzgebundenen PV-Großanlagen setzt die Weltbank bzw. die IFC auf Ausschreibungsverfahren, bei denen der Bieter mit dem günstigsten Tarif bzw. Strompreis gewinnt. Die IFC unterstützt die Regierungen bei der Ausschreibung und gleichzeitig die Projektentwickler bei der Bewerbung in jedem der in Folge genannten fünf Einzelschritte (im gegebenen zeitlichen Rahmen):

Abbildung 1: Exemplarischer Ablauf- und Zeitplan für ein Scaling Solar Projekt

Bisherige Scaling Solar Projekte

Sambia

Die überproportionale Ausrichtung auf Wasserkraft in Sambia hat durch die Dürre in 2014 und 2015 zu einer schweren Energiekrise geführt. Die Regierung hat daraufhin die IDC (Industrial Development Corporation Zambia Limited, staatl. Investment-Gesellschaft) zum umgehenden Ausbau der PV-Energie in Sambia beauftragt. In Kooperation mit der Weltbank bzw. mit der IFC wurde im Rahmen von Scaling Solar eine erste Ausschreibungsrunde für die ersten zwei 50 MWp-Anlagen mit einer Laufzeit von 25 Jahren durchgeführt. Insgesamt sollen 600 MWp durch mehrere Ausschreibungsrunden installiert werden.

Die Teilnahmegebühr für die Vorauswahl (Request for Prequalification) betrug lediglich 11.000 Sambische Kwacha (ca. 80€). Von den 48 Bewerbern wurden 11 für die Shortlist ausgewählt:

Die zweite Stufe des Bieterprozesses (Request for Proposal) sollte im Januar 2016 beginnen. Bisher wurden noch keine Ergebnisse bekannt gegeben.

Durch die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA, International Development Association), eine weitere Unterorganisation der Weltbank, wird für die ersten 100 MWp eine Zahlungsgarantie zwischen 15 und 20 Mio. USD bereitgestellt. Die US-Regierung bzw. die US-Agentur für Internationale Entwicklung (United States Agency for International Development, USAID) gab im März 2016 eine Bezuschussung von 2 Mio. USD bekannt. Im Wesentlichen sollen damit die Projektentwicklungskosten für die erste Ausschreibungsrunde gesenkt werden.

Die USA haben im Rahmen des Regierungsprogramms „Power Africa“ bereits bei anderen Erneuerbare-Energie-Projekten in Sambia mit Schweden, der Afrikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank kooperiert. Der Zuschuss für Scaling Solar wird als Investition in den privaten Sektor angesehen.

— Die Autorin Anna-Lena Becker, LL.M. (Kapstadt) ist Rechtsanwältin bei Rödl & Partner in Kapstadt, Südafrika. Ihr Studium absolvierte sie in Mainz, Glasgow und Kapstadt. Bei Rödl & Partner unterstützt sie insbesondere deutsche mittelständische Unternehmen, bei Ihrem Markteintritt auf dem afrikanischen Kontinent mit einer Spezialisierung auf den Erneuerbaren Energiesektor. Mehr Informationen finden Sie unterwww.roedl.de/ee bzw.http://www.roedl.de/unternehmen/standorte/suedafrika/ —

Die Blogbeiträge und Kommentare auf www.pv-magazine.de geben nicht zwangsläufig die Meinung und Haltung der Redaktion und der pv magazine group wieder. Unsere Webseite ist eine offene Plattform für den Austausch der Industrie und Politik. Wenn Sie auch in eigenen Beiträgen Kommentare einreichen wollen, schreiben Sie bitte anredaktion(at)pv-magazine.com.