Photovoltaik-Interesse: Keine Branche erlebte mehr Höhen und Tiefen

Teilen

Mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben, dass es der deutschen Photovoltaik-Branche nicht gut geht. Dies ist eigentlich noch etwas untertrieben, da sie in den vergangenen Jahren einen wohl unvergleichbaren Auf- und Abstieg erfahren musste. Die Politik kann dabei unumstritten als ein Hauptschuldiger ausgemacht werden. Während die Photovoltaik anfänglich mit hohen, manche behaupten zu hohen Vergütungen, gefördert wurde, so darbt sie heute mit unattraktiven Fördersätzen und restriktiven Regelungen dahin. Grund genug, das Auf und Ab der vergangenen Jahre anhand des SolarContact-Indexes, ein Maß für das Endkundeninteresse an der Installation von Photovoltaikanlagen, noch einmal nachzuvollziehen.

Eigenverbrauch gewann 2013 an Bedeutung

Das Jahr 2013 war mit einem um rund 55 Prozent geringerem Zubau an PV-Leistung im Vergleich zu 2012 ein Schock-Jahr für die Branche. Dieser Einbruch betraf allerdings hauptsächlich das Großanlagensegment, wohingegen der Zubau an Kleinanlagen nur geringfügig einbrach. Der SolarContact-Index zeigte, dass das Interesse an der Neuinstallation von kleineren Photovoltaikanlagen für den privaten Bereich im Jahr 2013 sogar leicht anstieg: Während der März 2013 mit 118 Indexpunkten das höchste Anfrageaufkommen der vergangenen 12 Monate aufwies, sank das Kundeninteresse im Juni 2013 auf den Jahrestiefstand. Im zweiten Halbjahr 2013 stieg das Interesse von Juli bis November hingegen kontinuierlich an und erreichte mit 113 Indexpunkten fast wieder den Höchststand vom März.

Eine singuläre Ursache ist für die Entwicklung des privaten PV-Interesses im Jahr 2013 kaum auszumachen. Da sich das Verhältnis von Stromgestehungskosten und Vergütungssätzen 2013 nahezu paritätisch angeglichen hat und das Interesse im privaten Segment in etwa gleich geblieben ist, kann man allerdings darauf schließen, dass der Kauf einer PV-Anlage nicht mehr allein unter Renditegesichtspunkten betrachtet wird. 2013 kann daher als eine Übergangsphase begriffen werden, in der die finanzielle Attraktivität einer Volleinspeisung abnahm und die intrinsische Motivation zum Eigenverbrauch des PV-Stroms eine immer höhere Bedeutung für Endkunden gewonnen hat.

Für diese Entwicklung spricht auch, dass sich das Interesse insbesondere im zweiten Halbjahr sogar deutlich gegenläufig zur abnehmenden Einspeisevergütung verhielt. Bei genauerem Hinsehen wird zudem deutlich, dass der quartalsweise Kürzungs-Turnus der Einspeisevergütung in 2013 an Bedeutung verlor. Das höhere Interesse am Eigenverbrauch führte 2013 jedoch nicht auch zu einem stärkeren Interesse an Stromspeichern. Aufgrund der damals noch sehr hohen Anschaffungskosten wies das Jahr 2013 eine konstant niedrige Anzahl an Angebotsanfragen für Speichersysteme auf.

Politik belastet PV-Interesse im Jahr 2014

Bis zum April 2014 lag der SolarContact-Index deutlich über dem Durchschnitt. Dann bewahrheiteten sich jedoch in den Folgemonaten die Unkenrufe vieler Experten und Branchenteilnehmer, die die niedrigen Förderbedingungen und die politischeUnsicherheit um die Neugestaltung des EEG als Ursache dafür sahen, dass viele Endkunden zunächst vom Kauf einer PV-Anlage absehen würden. So sank der SolarContact-Index bis zum September kontinuierlich auf 73 Punkte ab. Von besonderer Bedeutung war lediglich der Vorzieheffekt vor dem Inkrafttreten der Eigenverbrauchsumlage für PV-Anlagen größer 10 kWp ab dem 1. August 2014. Das letzte Quartal des Jahres 2014 verlief dann etwas versöhnlicher: So stieg das Interesse an PV-Anlagen im Oktober noch einmal auf 97 Indexpunkte an, sank im November kurzfristig ab und endete im Dezember mit 99 Punkten.

Das Interesse an Stromspeichern zog 2014 zwar an, verlief hingegen deutlich uneinheitlicher als 2013 mit vielen Auf und Abs. Die Volatilität ist jedoch auf das niedrigere Anfrageaufkommen insgesamt und die damit geringere Datenbasis zurückzuführen. Denn trotz der Speicherförderung und des Preisverfalls im Jahr 2014 lagen die günstigsten Stromspeicher mit Speicherkosten pro Kilowattstunde plus den Gestehungskosten von Solarstrom pro Kilowattstunde insgesamt immer noch in ähnlicher Höhe wie der Haushaltsstrompreis.

Interessant war im Jahr 2014 zudem, dass von der schwierigen Situation auf dem PV-Markt die Solarwärme-Branche profitieren konnte. So stieg das Endkundeninteresse an der Installation von Solarthermieanlagen seit Jahresbeginn deutlich stärker an als das Interesse, eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach zu errichten. Während Höhe und Verlauf des Anfrageaufkommens beider Gewerke im Jahr 2013 nahezu identisch waren, deutete sich im direkten Vergleich seit April 2014 ein Trend hin zur Solarthermie an. Dieser Trend des SolarContact-Index deckte sich mit dem tatsächlichen Kollektor-Zubau. So sind laut dem Bundesverband Solarwirtschaft die Installationen von Solarwärme-Kollektoren in den ersten drei Monaten 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent angestiegen.

Dennoch brach die Anzahl der zugebauten Anlagen im Vergleich zum Vorjahr 2013 um etwa die Hälfte ein, sodass auf Jahressicht 2014 durchaus von einem Branchenabsturz gesprochen werden kann.

Im Jahr 2015 geht der Trend zur PV-Anlage mit Stromspeicher

Trotz der allgemein schlechten Stimmung in der PV-Branche in Deutschland, ließ sich im ersten Quartal 2015 mit Indexwerten von jeweils 125 Punkten im Januar und Februar sowie 108 Punkten im März eine immerhin über dem 12-Monatsdurchschnitt liegende Nachfrage nach Photovoltaik-Angeboten beobachten. In den Folgemonaten verzeichnete der Bereich "Neuinstallation PV-Anlage" hingegen einen deutlichen Rückgang. Während im Mai eine leichte Erholung stattfand und kurzfristig ein Indexstand von 95 Punkten erreicht wurde, sank dieser dann Juni und Juli auf 81 Punkte ab. Im August stieg das Interesse mit 112 Punkten wieder deutlich an.

Demgegenüber lag das Interesse an Angeboten für PV-Stromspeicher bisher fast in jedem Monat über dem 12-Monatsdurchschnitt und erreichte insbesondere im Mai einen neuen Höchstwert. Dies kann zum einen an den bisher bereits weiter gesunkenen Preisen für Stromspeicher liegen. Hinzu kommen auch medienwirksame Vorankündigungen vor Allem von Speicherherstellern aus dem Bereich Elektromobilität, Stromspeicher in Kürze zu noch deutlich niedrigeren Preisen anbieten zu wollen. Die PV-Branche könnte bei anhaltendem Trend im Jahr 2015 weiter vom Stromspeicher-Markt und derEigenverbrauchsoptimierung mit Hilfe von Solarstromspeichern profitieren.

DerSolarContact-Index stützt sich auf die Nachfrage nach allen Gewerken rund um Photovoltaikanlagen im Internet und wird von der DAA Deutsche Auftragsagentur (www.daa.net) aus Hamburg erhoben. Die DAA ist einer der größten deutschen Internet-Anfragedienstleister für regenerative Energietechnik und ist u.a. auf die Projektvermittlung für Solaranlagen, Heiztechnik sowie Dämmungs- und Sanierungsarbeiten spezialisiert.

— Der Autor Robert Doelling ist Social Media Manager bei der DAA GmbH in Hamburg. Privat engagiert sich Robert Doelling als Energieblogger (www.energieblogger.net) und betreibt das Portalwww.energie-experten.org, ein unabhängiges Expertenportal und Fachmedium zu allen Themen der Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien. —