Die Energiewende: Stadtwerke müssen Investmentportfolios umstrukturieren

Teilen

Investitionen in Stadtwerke haben aus guten Gründen den Ruf, stabile Erträge zu bieten. Und da erneuerbare Energien im Zuge der Energiewende immer weniger subventioniert werden müssen, scheint es, als ob zurzeit nicht nur das weltweite Stromerzeugungsportfolio neu definiert wird. Angesichts der Tatsache, dass der Bau von Solarkraftwerken durch Markterfordernisse angetrieben wird, interessieren sich auch Investoren zunehmend dafür, ihre Portfolios ebenfalls neu strukturieren.

Wenn man bedenkt, dass Investitionen selten – wenn überhaupt – aus altruistischen Motiven getätigt werden, macht die Energiewende sehr deutlich, dass es erneuerbare Energien im Allgemeinen und Solarenergie im Besonderen in technischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht mit konventioneller Stromerzeugung aufnehmen können. Es ist unbestritten, dass Marktbedingungen das weltweite Wachstum von Solarenergie vorantreiben und dass sich Investitionen in Solarkraftwerken aus einer Reihe von guten Gründen lohnen, von denen der naheliegendste die Verlässlichkeit der Energiequelle ist.

Befürworter der Solarenergie weisen oft darauf hin, dass die Sonne pro Stunde mehr Energie auf unseren Planeten strahlt, als wir brauchen, um unseren Strombedarf für ein ganzes Jahr zu decken. Abgesehen vom rhetorischen Argument, weiß man heute sehr viel mehr über die Sonneneinstrahlung denn je zuvor und das macht die Sonne zu einer äußerst verlässlichen Energiequelle. So wird das Ausmaß der Sonneneinstrahlung in den meisten Teilen der Welt detailliert gemessen. Dank hoch entwickelter Technologien, wie zum Beispiel Pyranometern, können globale Daten mit anlagenspezifischen Informationen ergänzt werden, um so die Energieleistung präzise zu prognostizieren und den Einsatz von Solartechnik zu erleichtern.

Die PV-Technologie selbst hat sich in einem solchem Maße entwickelt, dass genauste Energieprognosen für geplante Solarprojekte erstellt werden können und zwar unter Einbeziehung der Sonneneinstrahlung, diverser Wettermodelle und technischer Variablen, wie z. B. Verbesserungen des Umwandlungswirkungsgrads. Unternehmen, wie wir bei First Solar, haben in den letzten Jahren vor allem in die Forschung und Entwicklung investiert und große Fortschritte gemacht, den Wirkungsgrad ihrer Anlagen zu erhöhen. Dieser Aspekt ist von entscheidender Bedeutung, denn effiziente Wirkungsgrade werden eine große Auswirkung auf die Rentabilität zukünftiger Projekte haben.

Verfechter konventioneller Energieformen behaupten, Solarenergie sei nicht effizient genug, um ein bedeutender „Power Player“ oder ein lohnendes Investment zu sein – doch aktuelle Effizienzberichte belegen das Gegenteil. Aufgrund der Ergebnisse dieser Berichte, die von weltweit anerkannten, unabhängigen Laboren bestätigt wurden, werden Hocheffizienzmodule bald in industrieller Großfertigung hergestellt, was uns dem Ziel, Sonnenenergie noch effizienter zu nutzen, einen weiteren Schritt näher bringt.

Auch bei der Bestimmung der Profitabilität einer PV-Anlage – und damit ihrer Attraktivität für Investoren – spielt die zugrunde liegende Technologie eine große Rolle. Nicht alle PV-Technologien werden auf die gleiche Weise hergestellt. Nur einige, wie z. B. die Dünnschichttechnologie sind für heiße Regionen bzw. Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zertifiziert. Andererseits verfügen nur wenige Solarenergieunternehmen – nicht verwunderlich bei einer sich rapide konsolierenden Energiebranche – über die notwendigen finanziellen Rücklagen, um großangelegte Investitionen in Forschung und Entwicklung zu tätigen oder um Leistungsgarantien mit einer Laufzeit von 25 Jahren zu gewähren.

Äußerst attraktiv für Investoren ist schließlich auch die Tatsache, dass Stadtwerke auf der ganzen Welt zunehmend auf Solarenergie setzen. Bedenken hinsichtlich der Einspeisung von Strom aus unterschiedlichen Erzeugungsquellen ins Netz und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Netzstabilität haben sich bislang als unbegründet erwiesen. Ganz im Gegenteil: Solarkraftwerke tragen zur Netzstabilisierung bei und optimieren gleichzeitig die Stromerzeugung konventioneller Kraftwerke, indem sie kostengünstige Elektrizität liefern. Darüber hinaus können Stadtwerke immer striktere Emissionsrichtlinien erfüllen.

Kombiniert man dies jetzt noch mit lukrativen, jedoch nachhaltig kalkulierten Einspeisevergütungstarifen oder langfristigen Stromeinspeiseverträgen, ist es verständlich, dass zukunftsorientierte, erfahrene Investoren ihre Anteile an Solaranlagen erhöht haben und dies auch weiterhin tun werden.

Diese Investitionsbereitschaft hat die Solarbranche angekurbelt: nachhaltiges Wachstum wurde in immer größere Effizienz umgesetzt, was zur Reduzierung der Kosten und Verbesserung der Energieleistung beitragen und Photovoltaik damit zu einer immer attraktiveren Investition gemacht hat. Mit Blick in die Zukunft sehen wir, dass Solarkraftwerke auf dem Höhepunkt der Energiewende so weit verbreitet sein werden wie konventionelle Kraftwerke. Damit wird sich das Engagement der visionären Investoren auszahlen.

— Christoffer Burghardt ist Vice President Europe bei First Solar. Dort hat er 2009 als Vice President Public Affairs für EMEA begonnen und war zwischenzeitlich für das Unternehmen als Vice President Business Development für EMEA in Dubai stationiert. Bevor er bei First Solar anfing, war er als Vice President Corporate Affairs Western Europe für Anheuser-Busch InBev und als Vice President für Business Development und Marketing EMEA bei Hill & Knowlton tätig. —