Nach dem TV-Duell: Die Energiewende findet ohne die SPD statt

Teilen

Dass die FDP und CDU die Energiewende nicht wollen, zeigt deren bisherige Regierungspolitik.

Wie die Verbraucher nach dem Wahltag tatsächlich entlastet werden, welche Rolle den erneuerbaren Energien mittelfristig zugedacht wird, ob es gerechtere Lastenverteilung bei der EEG-Umlage geben wird oder wie und wann der Wärme- und Verkehrsbereich auf regenerative Energien umgestellt wird, erfahren die Wahlbürger nicht.

Seit dem TV-Duell gesellt sich aber auch unerwartet die SPD zum erlesenen Kreis der Energiewendegegner. Genauso wie Rösler und Altmaier setzt Steinbrück weiter auf Kohle (Achtung, doppeldeutig) und wiederholt das Märchen von der Verteuerung des Strompreises durch Ökostrom. Das ist genauso falsch und dumm wie die Forderung von Gabriel, das Erneuerbaren-Energie-Gesetz abzuschaffen.

Politische Rahmenbedingungen entstehen aus durchdachten und realisierbaren Konzepten. Diese fehlen bei CDU, FDP und leider jetzt auch bei der SPD. Durch die selbst verschuldete Untätigkeit von Wirtschafts- und Umweltministerium findet eine verlässliche Energiepolitik praktisch nicht statt.

Sogar die Wirtschaft beklagt das Planungschaos sowie die Konzeptlosigkeit der Bundesregierung. Die deutsche Solarindustrie bekommt diesen Zerstörungskurs brutal zu spüren.

Eine Fortsetzung der „Weiter mit Kohle“ – Prioritäten durch CDU, FDP und SPD bedeutet ansteigende Aufheizung der Atmosphäre und fortgesetzte Abhängigkeit der Bürger von Großkonzernen. Sie ist wegen den steigenden Preisen für fossile Brennstoffe und dem drohenden Unvermögen der Bevölkerung die hohen Preise bezahlen zu können, konsequent abzulehnen.

Die Fakten belegen, dass Strom trotz Einfluss von Sonnen- und Windkraft seit 1998 um 178 Prozent gestiegen ist, Heizöl seit 2002 um 157 Prozent. Der Anteil von Erneuerbaren-Energien-Kraftwerken an der Steigerung der EEG-Umlage beträgt gerade mal 13 Prozent.

Ein weiteres Bremsen der erneuerbaren Energien ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv und ebenso ein Nicht-Entscheiden der aktuellen Bundesregierung in den nächsten Jahren ökologisch hoch gefährlich.

Die Gegner einer demokratischen Energiewende üben sich in der Überbietung der Lautstärke in der Verbreitung der Strompreislüge und verschweigen, wie Mieter und Eigentümer ihre eigene Energiepreisbremse organisieren könnten.

Längst im Markt befindliche Techniken nutzen die vorhandene Energie doppelt, beispielsweise kleine Blockheizkraftwerke (Ersparnis Strom und Wärme zusammen von ca. 55 Prozent) oder Sonnenenergie für Strom und Wärme (ca. 87 Prozent). Auch Mieter profitieren von neuen Mini-Photovoltaikanlagen an Balkonen oder Fassade und neuen Flächenheizungen. Hier liegen die Einsparpotentiale bei 44 Prozent. Betreiber von Nachtspeicheröfen überweisen bis zu 47 Prozent weniger Stromkosten an den Stromanbieter und selbst wenn Flächenheizungen nur eine Öl- oder Gasheizung ersetzen, liegt die Energie-Einsparquote im Haushalt bei mindestens 25 Prozent. In allen Fällen drehen sich die Stromzähler oder die Verbrauchsuhren für Öl und Gas erheblich langsamer oder bleiben gleich ganz stehen, wenn beispielsweise Wärme- und Stromspeicher eingesetzt werden.

Das Argument: „Die Investitionen kann ich mir aber nicht leisten“ ist spätestens dann hinfällig, wenn die Heizungsanlage ausfällt und von heute auf morgen ersetzt werden muss. Dann ist es vorteilhaft, eine von fossilen Brennstoffen möglichst unabhängige und besonders kostensparende Heizung zu betreiben sowie weniger für Strom zu bezahlen. Das gilt auch für Mieter, Eigentümer, Gewerbetreibende und kommunale Betriebe.

Das Gespenst der Energiepreissteigerung wird mit konsequenter Umstellung der Rahmenbedingungen mit den technischen Möglichkeiten ins Nirwana vertrieben. Niemand muss das Preisdiktat der Energiekonzerne ohne Gegenwehr schlucken und schon gar nicht überteuert zahlen.

Jede Kombination mit Sonnenenergie ist wirtschaftlicher, als die klassischen Einsparmaßnahmen, beispielsweise Umrüstung auf Brennwerttechnik oder eine Pelletheizung. Denn die Sonne stellt im Gegensatz zu den Energieunternehmen keine Rechnung für Strom und Wärme aus. Sonnenenergie ist damit preislich unschlagbar sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb.

Die Energiewende besitzt vor allem für Heizungen und Warmwassererzeugung das Potential für einen Quantensprung. Wenn die Politiker nicht wollen oder können, werden die Betreiber von kleinen Geschäften, Büros, Dienstleister, Kindergärten, Schulen sowie Eigentümer und Mieter der ca. 40 Millionen Haushalte in Deutschland mit eigener Energieerzeugung früher oder später eine unmissverständliche Antwort geben. Sie wählen damit mehr energetische Unabhängigkeit, senken die Umweltbelastungen und die eigenen Energierechnungen.

So funktioniert eine demokratische Bürgerenergiewende und sieht eine reale Energiepreisbremse aus.

– Jürgen Eiselt sammelte über ein Fernstudium "Regenerative Energien", Vertrieb von Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen inklusive Projektierung und einer Festanstellung als Energieberater und Referent für energetische Sanierung im Bestand umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse im Energiebereich. Zusätzlich ist er zertifizierter Energiecheckberater für die Kampagne "Haus sanieren – profitieren" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in mehreren Expertengremien und Mitglied im Beratungsgremium der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen für Ökologie und Energie. 2012 veröffentliche er sein erstes Fachbuch mit dem Titel "Dezentrale Energiewende". –