Ist der Untergang der Regenerativen unvermeidlich?

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1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.

2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.

3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.

(Douglas Adams)

Um die Frage im Titel gleich zu beantworten: Ja! Um die Motive und Auslöser für die Entwicklung und Verwirklichung regenerativer Energieerzeugung zu finden, reichen die 3 Argumente, das fossile Energieträger endlich sind, das die Nutzung fossiler Energieträger Umwelt und Gesundheit zerstört und Nuklearenergie unbeherrschbar, undemokratisch und ebenso endlich ist, heute bei weitem nicht aus.

Die Endlichkeit  der Ressourcen wird seit den 60ern immer weiter vertagt, die Sicherheit (AKW) und Umweltverträglichkeit (Filter, Kat und Recycling) ständig neu behauptet. Das oben angeführte Zitat von Douglas Adams erklärt uns Motive und Zeitpunkt dieses Phänomens deutlicher. Erfindungen wurden gemacht und Menschen unter 35 Jahren haben sich diese dann zu eigen gemacht:  

2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.           

Das Paradigma dieser Generation lautet: unser Energiehunger kann in Zukunft nicht mehr gestillt werden, endliche Ressourcen  und Umwelt/Klimazerstörung zwingen uns Energieverbräuche zu senken und den restlichen Bedarf dann durch regenerative Energie zu substituieren.

Der hier implizite Selbstbetrug ist der Beginn des Scheiterns der Regenerativen. In marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen kann ich kein Wachstumspotential begründen für Geschäftsmodelle die letztendlich auf das Schrumpfen des Marktes basieren.

Ganz anders  die alte Energieindustrie: Den steigenden Ressourcenverbrauch zu bremsen, die Vorräte zu strecken und gleichzeitig teurer zu verkaufen, wurde nach einigen Verwirrungen in der Old Industry als hochwillkommener Steilpass aufgenommen. Den rebellischen Jüngeren mit Technologieförderung und Markteinführungsprogrammen eine  Spielwiese zu überlassen, die in der Öffentlichkeit als grünes Alibi unserer Gesellschaft  vermarktbar war, ihre Start-Ups als nützliche Idioten zum Test von neuen Produkten zu benutzen, konnte hingenommen werden, solange  der innerste Markenkern der alten Energiewirtschaft nicht adaptiert wurde: Wohlstand = Energieverschwendung

1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.

Die Möglichkeit jederzeit und ausreichend seine Wohnung zu heizen, seine Wäsche zu waschen Essen zu kochen, mit dem Auto, der Bahn oder Flugzeug zu reisen und grenzenlos zu kommunizieren,  nicht nur aus Notwendigkeit, sondern weil man sich die Freiheit dazu nimmt, ist unverzichtbarer Bestandteils unserer Wohlstandsvorstellung

Die Menschen wollen nicht weniger Energie verbrauchen(wenn das ihren Wohlstand gefährdet), sie wollen aber weniger dafür bezahlen. Diese Weltsicht ist von uns allen verinnerlicht und führt meist zu folgender Assoziation: Öko = Verzicht  = unsexy

Wer dem nicht folgen mag, schaue sich die Studien zum Thema „ Rebound“ an. Effizienzgewinne und Substitution teurer Energiequellen führen fast ausschließlich  zu Verhaltensänderungen hin zu mehr Energieeinsatz („mit dem sparsameren Auto kann ich es mir leisten, öfter mal an die See zu fahren“ ). Dieses Verhalten ist nicht nur bei uns in Deutschland oder Europa eingeprägt, auch in den sich entwickelnden Ökonomien in Asien, Afrika und Südamerika handeln Menschen nach diesem Schema

Energie ist kein Selbstzweck – Energie ist Mittel zum Zweck

Außerhalb unserer Käseglocke, der „Erneuerbaren Community“ ist den Menschen meist völlig gleichgültig woher die Energie kommt. Sie brauchen sie, um Ihr Leben zu führen – das ist alles.

Auf klare Signale aus der Geschäftswelt und von politischen Repräsentanten der Erneuerbaren diesen Markenkern der Old Industry erobern zu wollen, warten wir vergebens. Keine aggressiven Angriffe auf den politischen und wirtschaftlichen Gegner, bedient man sich doch derselben geschäftlichen Regeln und Finanzierungswege – einige steigen sogar mit dem politischen/wirtschaftlichen Gegner ins Bett.

Wir werden gigantische Anstrengungen machen, um die Folgen des Klimawandels zu meistern. Warum bieten die Erneuerbaren diese Energie nicht offensiv an? Weil immer noch am Paradigma des Sparens und des Verzichts festgehalten wird!

Der in Kürze erfolgende Zusammenbruch des politischen Glaubenssystems Neoliberalismus wird zu der schmerzhaften Einsicht führen, dass Volkswirtschaften nicht „sparen“ können. Die Bilanz einer Volkswirtschaft ist immer Null. Entwicklung zu wahrnehmbarem Wohlstand geht nur über Zunahme des Volumens der Geschäftstätigkeit, des Sozialproduktes. Geht das mit weniger Energie?

Viele Entscheider der restlichen Wirtschaft neben der „Regenerativen Community“  würden neue Wege mitgehen, wenn sie nicht um die energetische Basis ihres Geschäfts fürchten müssen. Die heutigen Energieriesen werden von der Gesamtwirtschaft nicht geliebt, aber scheinbar immer noch benötigt!

3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things

Neue Modelle der Zusammenarbeit, open-energy-source, crowdfunding und social-energy- companies werden auf den Trümmern der jetzigen Branche der Regenerativen von den unter 35 Jährigen neu erfunden und vereinnahmt werden. Für die jetzigen Akteure gilt leider Punkt 3 des Adams Zitates.

Um einen glaubhaften Kampf führen zu können, muss man den Sieg wollen und akzeptieren, dass es Verlierer gibt. Mit der derzeitigen Politik darf man nicht verhandeln, man muss sie vorführen – laut,  ehrlich und kompromisslos. Verlieren kann man dabei nichts, sie ist eh entschlossen die Branche zu vernichten. Die Regenerativen müssen die Energiewende dominant gestalten, oder sie sind draußen.

Die letzte Hoffnung der größeren Marktteilnehmer der Regenerativen auf die Exportmärkte wird mit dem Scheitern des Euro wie eine Seifenblase zerplatzen. Diese Firmen werden zwischen der mangelnden Konkurrenzfähigkeit (Aufwertung  unserer Währung) und aggressiven internationalen Newcomern zerrieben werden.

Ändern wir den Titel in „ist der Untergang der Regenerativen Community unabwendbar?“ werden Sie über meine Antwort am Eingang  vielleicht anders denken.

Die Paradigmen der Generation nach dieser „Regenerativen Community“ werden lauten:

  • Risikotechniken müssen zu 100 Prozent weg (will ich mich gefährden lassen?)
  • Emissionsverursacher müssen zu 100 Prozent weg (will ich mich vergiften lassen/Klima?)
  • Nur mit mehr Energie können wir die Probleme des Klimawandels meistern, den wir sowieso nicht mehr aufhalten können
  • Entwicklung und Wachstum bejahen (will ich mich beschränken?)
  • Energieüberfluss als Wahrnehmungskern von Wohlstand akzeptieren
  • Keine Ängste vor dem Wohlstand Anderer entwickeln
  • Politischen Bestandsschutz nur für nachhaltiges Wirtschaften

Ich wäre gern nochmal 20  –  Sie auch?