Teilen

Schnell, schneller – anders!

Montage: Was unterscheidet die verschiedenen Systeme? Dies zu erhellen ist eine der Aufgaben von Montagesystem-Besprechungen.

Foto: Elena/ Shotstop.com Installateure mögen es, wenn so wenig wie möglich Kleinteile nötig sind.

HerstellerProduktProduktartMontagezeitBemerkungenWebcodeArchiv*
SchletterZiegelersatzplatten Alu-Tile, rostfreie (VA-)Dachhaken mit KlickTop-Aufsatz, Profilschienen Solo 05 und Modulklemmen Rapid2+Schrägdachsystem mit Blechziegel53‘ 48‘‘0501
DonauerIntersol Futura SiplexSchrägdachsystem mit Blechziegel26‘ 59‘‘0502
REMDelta Wingaufgestelltes Ost-West-Flachdachsystem32‘ 49‘‘einschließlich elektrischer Installation0503
CreoteccAlutec-Einlegeprofile und TSM4-TrapezblechklammernTrapezdachmontage mitModul-Einlegesystem14‘ 29‘‘0504
RenusolMetasole-Systemfür Trapezblecheindeckungen9‘ 3‘‘0505
* Die Besprechungen finden Sie auch auf www.pv-magazine.de. Geben Sie in das Suchfeld den entsprechenden Webcode ein. Sie müssen sich vorher registrieren und einloggen.

Geschwindigkeiten für die Montage von acht Modulen. Da die Systeme sehr unterschiedlich sind, sagen die Zahlen nicht viel über die Qualität der Systeme aus. Sie zeigen, wie variabel Zeiten bei der Montage unter verschiedenen Bedingungen sein können.Vor einem Jahr habe ich, damals noch Chefredakteur des Magazins photovoltaik, die Besprechungen von Montagegestellen zusammen mit der DGS Berlin Brandenburg ins Leben gerufen. Jetzt, nach der fünften nun in pv magazine Deutschland veröffentlichten Besprechung, zieht der Gutachter Bilanz.

Ähnlich einer Buchkritik handelt es sich nicht um einen allumfassenden Test, sondern um das, was einem qualifizierten Gutachter bei einer Montage auffällt. Damit die Situationen vergleichbar sind, haben wir uns entschieden, die Montage auf einem Übungsdach durchführen zu lassen.

Um das Ganze spannend zu machen, wurde die Zeit gestoppt. Sie ist ein wichtiger Faktor im Wettbewerb. Nicht umsonst werben die meisten Hersteller, dass ihr System besonders schnell zu installieren sei. Das führt dazu, dass sich die Besprechungen zu einem sportlichen Akt entwickelten, bei dem einen Vorteil hat, wer später kommt, weil er die zu erreichende Rekordzeit kennt. Auch wenn das realitätsfern ist – es zeigte sich dabei eine Erfahrung aus der Praxis: Zeitdruck führt zu mehr Fehlern, zum Beispiel bei der Montage des Systems, das wir ab Seite 46 besprechen.

Der Ehrlichkeit halber ist sowieso anzumerken, dass es nicht der Geschwindigkeitsvergleich ist, der die Besprechungen wertvoll macht. Er sagt fast nichts aus. Die Systeme sind zu unterschiedlich. Nicht nur, weil sie für verschiedene Dachtypen geeignet sind, sondern weil die Hersteller auf die Probleme eigene Antworten entwickeln und teilweise ganz besondere Systeme in die Besprechung geben. Diese Lösungen einzuschätzen, das ist der eigentliche Wert der Serie. So nutzt zum Beispiel Creotecc ein Einlegesystem für Module, das den Gutachter Udo Siegfriedt von der DGS Berlin Brandenburg für sich eingenommen hat. Schletter hat zum Beispiel ein System ins Rennen geschickt, bei dem nicht nur ein Ziegel durch einen Blechziegel ausgetauscht, sondern die Halterung mit einer Schraube durch den Blechziegel hindurch direkt im Sparren verankert wird. Im nachfolgenden Interview erläutert Siegfriedt, was er gesehen hat und was für ihn Qualität bei der Montage bedeutet.

Unterschiedliche Blechziegel Am System Alu-Tile von Schletter etwa wird deutlich, wie schwer vergleichbar selbst scheinbar ähnliche Installationen sind. Das Alu-Tile hat einen Blechziegel, das Intersol Futura Siplex, das Donauer in die Besprechung gegeben hatte, auch. Dieses nutzt allerdings einen eher konventionellen Blechziegel, der unter einem herkömmlichen Dachhaken verlegt wird. Dem Gutachter sind bei der Probeinstallation mit dem Alu-Tile bei Schletter die vielen Einzelteile aufgefallen, die der Installateur in der Hand oder im Auge behalten muss. Hans Urban, stellvertretender Geschäftsführer von Schletter, sieht das nicht als Nachteil.

„Auch wir haben einen einfachen Blechziegel mit weniger Einzelteilen im Angebot, der schneller installiert werden kann“, erklärt er. Es seien allerdings nur dann weniger Einzelteile, wenn man die Blechziegel nicht unterfüttere. Blechziegel werden eingesetzt, um zu vermeiden, dass es zu einem Ziegelbruch kommt, wenn der Dachhaken infolge zu hoher Belastung von oben darauf drückt. Unterfüttert man die Blechziegel nicht, brechen diese zwar nicht, verbeulen jedoch unter Umständen. Um das zu vermeiden, sei es notwendig, mehr Dachhaken zu setzen, um die Kraft an mehr Punkten ins Dach einzuführen. „Es ist vielleicht nicht so schlimm, wenn Blechziegel verbeulen“, sagt Urban. „Eine bauaufsichtliche Zulassung ist dafür aber nicht zu erhalten.“ Wie viele Dachhaken gesetzt werden müssen, damit der Dachhaken auch bei den vorhersehbaren Belastungen nicht auf den Ziegel drückt, kann allerdings nur eine statische Betrachtung im Einzelfall zeigen. Wenn beim besprochenen Alu-Tile weniger Haken gesetzt werden, bedeutet das gleichzeitig, dass die Profile und die Sparren mehr Last tragen können müssen.

Bauaufsichtliche Zulassung Die Zwischenbilanz der Besprechungen zeigt auch, wo die Branche zurzeit steht. Die bauaufsichtliche Zulassung ist immer noch ein aktuelles Thema. Selbst bei den von den Herstellern ausgesuchten Systemen war sie nicht selbstverständlich. Dabei streben einige jetzt schon nach dem entsprechenden europäischen ETA-Zertifikat, das in Deutschland auch das DIBt vergibt. Prüfprogramme für die europäischen Zertifikate, die ab Sommer eingeführt werden, gibt es aber noch nicht.

Insgesamt ist zu wünschen, dass Hersteller nicht nur mit besonders ausgefeilten Konstruktionen ins Rennen gehen, bei denen sie durch Besonderheiten punkten können. Diese bringen vielleicht Reputation, doch immer noch werden überwiegend die klassischen Dachhaken und Profile verkauft.

Michael Fuhs