Solarwatt kurz vor der Insolvenz

Die Verhandlungen über die erforderlichen Sanierungsbeiträge der Aktionäre seien nicht erfolgreich abgeschlossen worden, teilte die Solarwatt AG am Montag mit. Der Vorstand des Photovoltaik-Unternehmens gehe nun davon aus, dass die Gesellschaft im insolvenzrechtlichen Sinne überschuldet sei. Es gebe aber weiterhin Gespräche, um „die Überschuldung der Gesellschaft kurzfristig zu beseitigen“, hieß es weiter. Sollte dieses Ziel nicht schnell erreicht werde, müsse der Vorstand einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Die Aktie von Solarwatt wurde zunächst aus dem Handel genommen.

Solarwatt präzisierte im Laufe des Tages die Ad-hoc-Meldung. Demnach prüfe der Photovoltaik-Hersteller derzeit eine Sanierung in Eigenregie. Solarwatt müsste dafür beim zuständigen Insolvenzgericht einen Antrag auf ein "Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung" stellen. Der Vorstand bliebe dann verantwortlich für die weiteren Gespräche mit den Eigen- und Fremdkapitalgebern. Er bekäme einen Sachverwalter zur Seite gestellt, der die Interesse der Aktionäre wahren würde. Mit dieser Sanierung in Eigenregie bestünde zudem die Möglichkeit, schneller als bei einer Regelinsolvenz die Passivseite der Bilanz zu restrukturieren, hieß es weiter. Vom Ausgang der gegenwärtig laufenden Gespräche hänge ab, wann der Antrag eingereicht würde. Solarwatt befinde sich zudem bereits in Gesprächen mit einem Investor, der im Falle eines erfolgreichen Antrags auf ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung das Photovoltaik-Unternehmen bei strukturellen Maßnahmen unterstützen würde.

Vor rund drei Wochen war bekannt geworden, dass der BMW-Erbe Stefan Quandt den Photovoltaik-Hersteller komplett übernehmen wollte. Eine entsprechende Übernahme wurde zur Prüfung beim Bundeskartellamt angemeldet.

Gleichzeitig mit der heutigen Ankündigung erklärte Solarwatt, dass der Firmengründer Frank Schneider das Unternehmen zum Jahresende verlassen wolle. Mit sofortiger Wirkung übergebe er sein Amt als Vorstandschef an Detlef Neuhaus, der bisher für Vertreib und Marketing zuständig war. Finanzvorstand Jürgen Bruns werde zudem den Photovoltaik-Hersteller planmäßig zum 30. Juni verlassen. Sein Nachfolger soll Carsten Bovenschen werden, der bis Ende 2010 dieses Amt bei Roth & Rau innehatte. (Sandra Enkhardt)