Das Bauprojekt mit dem 30 Parteien umfassenden Mieter-Bewohner-Solarstromprojekt besteht aus saniertem Altbau und Neubau.

Das Bauprojekt mit dem 30 Parteien umfassenden Mieter-Bewohner-Solarstromprojekt besteht aus saniertem Altbau und Neubau.
Foto: Chris Werner

pv magazine award für Mieterstromprojekt von Solartechnik Mitteldeutschland

27. September 2016 | Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends, Topnews

Im Wohnobjekt "Passendorfer Schloss" in Halle an der Saale entstehen 30 Wohneinheiten. Der Investor setzt auf Gemeinschaftsstrom und wird voraussichtlich eine zu 85 Prozent autarke Strom- und Wärmeversorgung erreichen bei gleichzeitig sinkenden Nebenkosten.

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Die Energiewende ist eine große Herausforderung, und im Kleinen, so ist Chris Werner überzeugt, setzt er sie gerade beispielhaft um. Er stattet zusammen mit Daniel Zschuckelt und einem weiteren Partner beim Wohnobjekt „Passendorfer Schloss“ in Halle nicht nur ein Mehrfamilienhaus mit kombinierten regenerativen Energiequellen aus, sondern gleich mehrere und verbindet diese zu einem Microgrid. „Wir haben alle größeren Trends umgesetzt, die für die Energiewende nötig sind“, sagt Werner. Dabei sinken nach seinen Kalkulationen die Energiekosten – nur im Vergleich zur Versorgung durch das örtliche Stadtwerk – um 15 Prozent.

Zusammen treten sie unter dem Namen Solartechnik Mitteldeutschland auf und haben sich für den pv magazine award und für den Installation Innovation Award beworben. Die Jury des pv magazine awards hat die Bewerbung überzeugt und den Preis in der Kategorie top business model verliehen.

Das Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen, dazu zwölf Wohnungen in einem Reihenfamilienhaus und sechs weitere Wohnungen sind derzeit im Bau und werden ab Herbst durch eine Ost-West-Photovoltaikanlage mit 80 Kilowatt und ein Pellet-BHKW mit 20 Kilowatt Leistung versorgt. Es ist außerdem mit einem Smart-Meter-Netzwerk von Discovergy ausgestattet. „Es gibt ein Real-Time-Monitoring des Verbrauchs“, sagt Werner. „Die Blackbox des Energieverbrauchs wird damit aufgemacht.“ Studien zeigen, dass diese Transparenz maßgeblich zu Energieeinsparungen und Effizienz beiträgt. In den USA gibt es erfolgreiche Start-ups wie Opower und Bidgely, deren Geschäftsmodell genau darauf aufbaut. Hier ist es nicht im Eigenheim, sondern für Mehrfamilienhausbewohner umgesetzt.

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pv magazine award
Seit der letzten Runde im Juni bewarben sich zehn Unternehmen mit ihren Ideen neu für den pv magazine award. Insgesamt drei Bewerbungen haben die Juroren Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, Hans Urban, Berater im Auftrag der Schletter Gruppe, und Winfried Wahl, Senior Manager RRC Power Solutions, in dieser Runde besonders überzeugt. Nach Ownworld und Aquion Energy stellen wir ihnen nun auch noch den dritten Preisträger der aktuellen Runde vor.

Zur Laudatio: Solartechnik Mitteldeutschland – ein Mieterstromprojekt
Chris Werner und Daniel Zschuckelt haben in dem Wohnobjekt „Passendorfer Schloss“ bei Halle eine Strom- und Wärmeversorgung geplant, die eine Photovoltaikanlage und ein Pellet-BHKW nutzt – mit einer Autarkie von rund 85 Prozent. Dazu bauen sie ein Microgrid auf und bieten den Bewohnern – teilweise Mieter, teilweise Eigentümer, Mieterstrom an. Sie können damit sowohl die Energieausgaben für die Bewohner senken als auch eine Rendite für den Investor generieren. Damit zeigt das Projekt, wie solche für die Energiewende wichtigen Konzepte umgesetzt werden können. Daher zeichnet die Jury Solartechnik Mitteldeutschland mit dem pv magazine award in der Kategorie „top business model“ aus.

Bisherige Preisträger
Bisher haben Africa Green Tec, Greenergetic, die Energiegenossenschaft Egis, Buzzn – the people power, DGS-Franken, Mobisol, das Grünstromwerk, DZ-4 und Suntility den Preis in der Kategorie „top business model“ gewonnen. Ubitricity, RES, Laudeley Betriebstechnik, Strombank, Endreß & Widmann, E3/DC und Qinous wurden mit dem Preis in der Kategorie „top innovation“ ausgezeichnet.

Mehr Informationen zu den Kriterien, zu den bisherigen Preisträgern, zu den Juroren und alles Nötige, falls Sie sich bewerben wollen, finden Sie hier: www.pv-magazine.de/award. Der nächste Einsendeschluss ist am 7. Oktober

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In dem Projekt werden Wärme- und Stromversorgung zusammen umgesetzt. Dazu gibt es einen größeren Wärmespeicher. Er nimmt den solaren Überschussstrom auf. „Es gibt keine Notwendigkeit einzuspeisen, wenn der Solarstrom nicht verbraucht wird“, sagt Werner. Das Projekt sei nicht stromoptimiert, nicht wärmeoptimiert, sondern optimiert auf das Gesamtenergiesystem. Die Photovoltaikanlage fungiere als Herz des Energiesystems. Abhängig von der Erzeugung werden Pelletkessel, Pellet-BHKW, Heizung mit solarem Überschussstrom und Reststrombezug gesteuert.

Die Herausforderungen liegen im Detail. Das gilt auch für das Regulatorische, das bei den neuen Geschäftsmodellen nicht immer eindeutig ist. Der Umsetzung sind entsprechende Gespräche mit der Landesregulierungsbehörde vorausgegangen. Die Bewohner im Objektnetz bekommen nun einen eigenen Stromlieferungsvertrag, 75 Prozent des Stromes werden, so die Kalkulationen, vor Ort produziert. Wenn man die Wärmeversorgung dazunimmt, sind es sogar 85 Prozent der gesamten Energie. Die Autarkie könnte noch höher sein, doch das BHKW wird im Sommer abgeschaltet, da die Kosten für die Bewohner sonst steigen würden. Für den nicht durch die Photovoltaikanlage gedeckten Stromverbrauch wird dann Ökostrom von EWS Schönau eingekauft.

Da nicht nur die Bewohner durch das Energiekonzept Geld sparen, sondern auch die Investoren daran verdienen, könnte das Wohnobjekt „Passendorfer Schloss“ ein Konzept aufzeigen, um eine der Herausforderungen der Energiewende zu meistern. Zum einen herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass es für Mieter in Mehrfamilienhäusern eine analoge Beteiligungsmöglichkeit geben muss wie durch den Eigenverbrauch für die Einfamilienhausbesitzer. Zum anderen ist klar, dass für die nötigen Ausbauziele die Dachflächen der Mehrfamilienhäuser in großem Maßstab für Photovoltaikanlagen erschlossen werden müssen. Werner sieht sogar die Möglichkeit, dass sein Projekt diesbezüglich als Vorlage für ein Geschäftsmodell für EVUs dienen kann. (Michael Fuhs)

In der aktuellen September-Ausgabe des pv magazine Deutschland finden Sie ab Seite 60 auch noch ein Interview mit Chris Werner und Daniel Zschuckelt. Sie erklären dort die besonderen Herausforderungen und wie sie diese angegangen sind.

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