Wer in der Solarbranche den Namen Kempfle hört, denkt unweigerlich an Photovoltaik. Jahrzehntelang war die Firma Energie-Service-Schwaben (ESS) Kempfle einer der bekanntesten Solarspezialisten der Region – bis das Unternehmen vor zwei Jahren in die eigenverwaltete Insolvenz schlitterte. Doch aufgehört haben Wolfgang und Bettina Kempfle (beide 56) nie ganz. Und seit Mai steigen sie mit ihrem Solarkundendienst nun auch wieder ins Neugeschäft ein.
Vom Kundendienst zur Vollausstattung
Während die vier Hauptteile der ESS-Gruppe von der Augsburger Energie-Schwaben-Gruppe gekauft wurden, blieb der Leipheimer Solarkundendienst als eigenständige Firma bestehen. Gegründet als ausgelagerte Serviceabteilung, war er von der Übernahme nie betroffen. In den vergangenen drei Jahren kümmerte sich das Unternehmen ausschließlich um Service, Wartung und den Austausch von Senec-Speicher – ein Nischengeschäft in schwierigen Zeiten.
Rund 6.000 Bestandskunden aus 15 Jahren Firmengeschichte kann der Betrieb vorweisen, viele davon ohne Ansprechpartner, weil die Augsburger Nachfolgegesellschaft die Kundenbestände nicht übernehmen wollte. „Die Bestandskunden sind praktisch alle bei uns“, so Wolfgang Kempfle.
Mit dem Auslaufen eines einjährigen Wettbewerbsverbots Ende April – Wolfgang Kempfle war kurzzeitig als Führungskraft bei Energie-Schwaben tätig – fällt nun die letzte Hürde. Seit Mai bietet der Solarkundendienst nun auch Neuinstallationen von Photovoltaikanlagen an: für Privathaushalte ebenso wie für Gewerbebetriebe, im Umkreis von rund 50 Kilometern um Leipheim sowie vom zweiten Standort in Gablingen bei Augsburg aus.
Mehr als nur Solarmodule
Das Angebotsspektrum hat sich gegenüber den alten ESS-Zeiten erweitert. Wolfgang Kempfle nennt vier Schwerpunkte:
Ladeinfrastruktur: Gemeinsam mit dem Elektrofachbetrieb Brendle aus Giengen an der Brenz, realisiert der Solarkundendienst Ladepunktlösungen für Mehrfamilienhäuser und Gewerbeobjekte – inklusive intelligentem Lastmanagement, damit Stromanschlüsse nicht überlastet werden. Jüngstes Beispiel ist eine Anlage mit zwölf Ladepunkten bei einem Autowaschpark in Lauingen.
Gewerbliche Speicherlösungen. Als Partner eines deutschen Herstellers vermittelt das Unternehmen sogenannte Schwarmspeicher ab 100 Kilowatt für Industrie und Gewerbe. Dabei geht es um Stromhandel, Lastspitzenkappung und die Nutzung dynamischer Strompreise – ein Zukunftsmarkt, den Kempfle früh für sich entdeckt hat.
Klima- und Warmwassertechnik: Klimaanlagen, die sich im Sommer durch günstige Solarstromnutzung quasi selbst finanzieren, sowie Brauchwasserlösungen für Haushalte mit Öl- oder Gasheizung ergänzen das Portfolio.
Bestandskundengeschäft: Besonders im Fokus stehen Senec-Kunden, die durch die früheren Probleme des Speicher-Anbieters aktuell ohne Betreuung dastehen. Darüber hinaus sind SolarEdge, Enphase und Kostal die Hausmarken. „Willkommen sind zudem Anlagenbesitzer anderer Marken, die einen Fachservice benötigen“, so Kempfle. Helfen könne man auch Anlagenbetreibern, deren Einspeisevergütung in den nächsten Jahren ausläuft.
Generationswechsel vollzogen
Ebenfalls geändert haben sich die Gesichter an der Spitze. Wolfgang und Bettina Kempfle haben sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Firmenleitung an die nächste Generation übergeben. Betriebsleiter Markus Hafner (50) der das Unternehmen bereits seit drei Jahren führt, trägt gemeinsam mit einem erfahrenen Führungsteam – viele davon langjährige Weggefährten aus ESS-Zeiten – die Verantwortung. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 20 Mitarbeitende und erwirtschaftete im vergangenen Jahr knapp drei Millionen Euro Umsatz.
„Wir sind eher beratend tätig“, so Wolfgang Kempfle über sich und seine Frau. „Wie ein erfahrener Mitarbeiter im Hintergrund.“ Der Anspruch sei bewusst bescheidener als in den Hochzeiten mit über 200 Mitarbeitenden und 40 Millionen Umsatz: „Wenn wir jetzt zehn bis 15 Prozent von früher erreichen, dann ist das bodenständig und gut.“
Schausonntage kehren zurück
Für alle, die sich vor Ort informieren wollen, gibt es eine bewährte Gelegenheit: Ab Juni findet wieder jeden ersten Sonntag im Monat der sogenannte Schausonntag statt – mit Vorträgen zu aktuellen Themen rund um Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpen und Klimatechnik.
„Wir sind noch da – und wir wissen, wie die alten Anlagen ticken“, bringt Wolfgang Kempfle die Kompetenz auf den Punkt. In einer Zeit, in der viele kurzlebige Solaranbieter wieder vom Markt verschwinden, setze der Solarkundendienst auf das, was sich bewährt habe: regionale Verwurzelung, technische Tiefe und persönliche Beratung.





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