Noch stärker, als ich das im letzten Monat bereits prognostiziert hatte, zeigt sich im Februar der Preisanstieg über alle Technologieklassen hinweg. Fast alle Modulpreise kletterten nochmals um etwa 1 bis 1,5 Eurocent pro Watt nach oben. Die Typen für kleinere Dachanlagen verteuerten sich dabei stärker als Projektmodule. Damit liegen beinahe alle Preispunkte bereits wieder über dem Niveau von Januar 2025. Der Anstieg seit dem Tiefpunkt im Dezember letzten Jahres beträgt bereits 15 bis 18 Prozent, ein Ende der Preisspirale ist aber noch nicht absehbar.
Mit Veränderungen bei den Rohmaterialpreisen oder dem Wegfall der Exportvergünstigungen in China haben diese Preissteigerungen aber nichts zu tun. Im Gegenteil – die Waferpreise sind im letzten Monat wieder gefallen und auch der Silberpreis ist auf dem Weg der Normalisierung. Der heftige Preisanstieg kann also nur der gemeinschaftliche Versuch der Hersteller sein, die Modulpreise gewaltsam in einen Bereich zu drücken, innerhalb dessen sie wieder gutes Geld verdienen können. Dabei gehen die verschiedenen Produzenten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten vor – manche erhöhen ihre Preise noch sehr zögerlich, andere schlagen gleich 20 bis 30 Prozent drauf.
Wer stärker von Projektgeschäft abhängig ist, traut sich noch nicht, allzu große Preissprünge zu machen. Das ist auch vernünftig – zu fragil ist das Zusammenspiel zwischen Komponentenkosten und Wirtschaftlichkeit, in Konsequenz dann Realisierungswahrscheinlichkeit. Im Kleinanlagengeschäft wirkt sich eine Modulpreiserhöhung dagegen nicht ganz so dramatisch aus. Sie geht nur zulasten der Handelsmarge des Installateurs, die teilweise noch immer üppig ausfällt. Dennoch ist es ein gewagter Schritt der Produzenten. Die Marktsituation ist nicht gerade rosig, und es besteht das Risiko eines weiteren Einbrechens der Nachfrage.
Fast täglich werden wir mit neuen Hiobsbotschaften aus der Politik konfrontiert, den vorrangigen Ausbau der Erneuerbaren betreffend. Nicht nur US-Präsident Trump vollführt eine Vollbremsung mit dem Klimaschutz in den USA, indem er die Gefährdung der Gesundheit durch den CO2-Anstieg anzweifelt, auch in Deutschland ist ein Kahlschlag zu befürchten. Die ersten Informationen über die Inhalte des sogenannten Netzpaketes der Bundesregierung haben zu einem Aufschrei innerhalb der Branche und Umweltverbänden geführt. Dass diese angedrohte, katastrophale Verschlechterung der Bedingungen bei uns und auf der anderen Seite des Ozeans in allen Punkten durchgesetzt werden kann, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich.
Die Erneuerbare-Energien-Branche muss sich erst wieder sammeln und von den Schocks erholen, hatte sie doch schon geglaubt, den Kampf gegen die alte Energiewirtschaft gewonnen, Politik und Öffentlichkeit überzeugt zu haben. Nun heißt es aber wieder, sich in Verbänden zu organisieren, sinnvolle Gegenvorschläge zu machen – sie notfalls einzuklagen – und Protestaktionen zu veranstalten. Erst kürzlich wurde ein Rotorblatt einer ausgemusterten Windkraftanlage zusammen mit einem Berg defekter Solarmodule vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) abgeladen. Begleitet wurde die Lieferung mit der Forderung am Ministerin Katherina Reiche, die Energiewende nicht zu verschrotten.
Der Erfolg der Energiewende steht wieder einmal auf dem Spiel – nur mit vereinten Kräften können wir das Ruder herumreißen. Im Vertrauen auf den Rechtsstaat und die Vernunft bin ich aber zuversichtlich, dass uns das abermals gelingen wird. Viele Bewegungen und Technologien haben sich in der Vergangenheit schon durchgesetzt, obwohl staatliche Regulierung versuchte, sie einzuschränken oder zu verhindern. Zeigen wir, dass uns dies bei den regenerativen Energien ebenfalls gelingt und bringen wir die Platten auf die Gebäude und Felder, als ob es (k)ein Morgen geben würde. Intelligente Energiespeicher- und Vehicle-to-Grid-Projekte runden das ganze Bild ab – viele kleine Teile ergeben auch ein großes Ganzes!
Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Februar 2026 inklusive der Veränderungen zum Vormonat (Stand 18.02.2026):

— Der Autor Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben allen Komponenten für Neuinstallationen auch Solarmodule und Wechselrichter beziehen können, welche nicht mehr hergestellt, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaik-Anlagen dringend benötigt werden. —
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