Auch in diesem Jahr hat der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) eine Bilanz des Photovoltaik-Zubaus im bevölkerungsreichsten Bundesland vorgelegt und hieraus abgeleitete Forderungen an die Landes- und Bundespolitik formuliert. „Die Solarenergie hat sich zwar landesweit etabliert, der zuletzt zu beobachtende technische und wirtschaftliche Solar-Aufschwung ist allerdings vorerst gestoppt“, fasst Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des LEE NRW, die Zahlen zusammen.
Eine Auswertung des Marktstammdatenregisters (mit Stand vom 29. Januar) durch den Verband ergab für 2025 rund 2,0 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung in NRW – das dritte Mal in Folge, dass die 2-Gigawatt-Marke erreicht wurde, aber gleichzeitig ein Rückgang um 15 Prozent gegenüber 2024 (2,35 Gigawatt). Das ist deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt, hier liegt der Rückgang bei rund 3,5 Prozent. Als Grund nennt Vogel die Struktur des Photovoltaik-Zubaus in seinem Bundesland: „Der Solarboom basierte in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich auf privaten Dachanlagen. Genau in diesem Segment gab es im letzten Jahr bundes- wie auch landesweit ein Minus von annähernd 30 Prozent.“
Freiflächenanlagen weit unter dem Durchschnitt
Tatsächlich ist der Anteil von Freiflächenanlagen am Jahreszubau in NRW zwar auf knapp 19 Prozent gestiegen, bundesweit trugen sie allerdings etwa die Hälfte bei. Teilt man die Zahl der 2025 in NRW installierten Anlagen (rund 173.200) durch deren Gesamtleistung, ergibt sich ein Durchschnittswert von 11,5 Kilowatt, was neben dem geringen Anteil von Freiflächenanlagen auch an den vergleichsweise vielen Balkonanlagen liegt: Rund 84.700 dieser Kleinanlagen mit insgesamt 105,8 Megawatt – also durchschnittlich 1,25 Kilowatt – drücken das statistische Mittel erheblich nach unten.
Diese Struktur ist zusammen mit der hohen Einwohnerzahl auch der Grund dafür, dass NRW zwar in absoluten Zahlen beim Photovoltaik-Ausbau 2015 den dritten Platz hinter Bayern (4,65 Gigawatt) und Baden-Württemberg (2,14 Gigawatt) belegt, aber beim Zubau pro Kopf der Bevölkerung mit 0,11 Kilowatt gemeinsam mit Hessen den schlechtesten Wert aller Flächenländer einfuhr. Führend sind hier Mecklenburg-Vorpommern mit 0,51 Kilowatt, Sachsen-Anhalt mit 0,47 und Bayern mit 0,35 Kilowatt. Wenig überraschend, ist hier auch die durchschnittliche Anlagenleistung mit 59,8 Kilowatt, 43,6 Kilowatt und 30,8 Kilowatt ungleich höher als in NRW.

Quelle: LEE NRW / Bundesnetzagentur
Der LEE NRW plädiert deshalb, wie seit Jahren schon, für mehr Initiative in Sachen Freiflächen-Photovoltaik und verweist dabei unter anderem auf das im EEG formulierte Ziel, den Zubau je zur Hälfte auf Dächer und Freiflächen zu verteilen: „Das macht auch Sinn, weil auf Freiflächen erzeugter Solarstrom die absolut günstigste regenerative Energie ist. Was wichtig für die Eigenstromversorgung unserer Industrie ist,“ so Vogel.
Den Zubau auf Dächern will der Verband deshalb aber keineswegs verlangsamen, sieht hier jedoch eine konkrete Gefahr durch die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche angekündigte Streichung der Vergütung für private Dachanlagen: „Reiches Aufgabe als Ministerin ist es, die Wirtschaft zu fördern und nicht abzuwürgen“, so Vogels deutliche Worte. Würden die Pläne umgesetzt, „kann die NRW-Landesregierung ihre solaren Ausbauziele vergessen.“
„Wir vermissen die Ernsthaftigkeit der Landesregierung“
Der LEE-NRW sieht die Landesregierung aber auch selbst in der Pflicht, mehr für den Zubau zu unternehmen und benennt hier „die dürftige Bilanz von solaren Anlagen auf den Dächern von NRW-Landesliegenschaften“. Nur auf 160 von rund 4.000 Gebäude sei bislang eine Photovoltaik-Anlage installiert, obwohl die 2024 geänderte Landesbauordnung auf allen hierfür geeigneten Dachflächen „möglichst bis zum 31. Dezember 2025“ den Bau einer Anlage fordert. „Wir vermissen die Ernsthaftigkeit, die gesetzlichen Vorgaben für das Land selbst umzusetzen. Das Land wird beim Ausbau Erneuerbarer Energien seiner Vorbildfunktion nicht gerecht“, kritisiert Vogel.
Der Verband fordert außerdem einen „Netz-Gipfel“, weil es in puncto Netzanschluss nicht nur bei der Windkraft, sondern zunehmend auch bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Batteriespeicherprojekten Probleme gebe. „Die Landesregierung wäre gut beraten, schnell die Bundesnetzagentur, viele Netzbetreiber, die Wind- und Solarbranche, die Politik und die Verbände an einen Tisch zu bringen, damit die Netze nicht zur Achillesferse für die NRW-Energiewende werden“, sagt hierzu Wolfgang Glahn, NRW-Regionalleiter des Photovoltaik- und Batteriespeicher-Projektierers Enerparc. Es gebe eine unverständliche Zurückhaltung von einigen Netzbetreibern, allen voran vom Eon-Tochterunternehmen Westnetz. Dabei sei die Situation in NRW, verglichen mit anderen Bundesländern „nicht so angespannt, als dass mehr oder weniger durch die Bank fast alle Netzanschlussanträge für Batteriespeicher abgelehnt oder massiv verzögert werden müssen.“
Die kommunalen Genehmigungsbehörden, so Glahn, könnten Unterstützung durch die Landesregierung gebrauchen. Widersprüchliche oder unverhältnismäßige Auflagen seien ein Problem, Genehmigungsprozesse müssten beschleunigt und entbürokratisiert werden. Hans-Josef Vogel bringt eine durch die Landesregierung zu schaffende „Taskforce Solarenergie“ ins Gespräch, wie sie sich bei der Windkraft durchaus bewährt habe: „Die Solarenergie ist für die Energiewende in NRW unverzichtbar, weshalb sie auch mehr im Fokus von Politik und Behörden stehen muss.“
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