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Enerparc-Insolvenz: Mehr als 100 Anfragen – Transaktion Anfang Dezember angestrebt

Der Verkaufsprozess für Enerparc nimmt Fahrt auf und wird von Rothschild begleitet. Nach Informationen von pv magazine liegen bereits erste indikative Angebote für das Unternehmen vor, das Anfang September einen Insolvenzantrag gestellt hat. Eine Transaktion ist für Anfang Dezember angestrebt. Für die Zeit bis zum Einstieg eines Investors wird eine Massefinanzierung im unteren achtstelligen Bereich vorbereitet. Vermutlich dürften trotzdem nicht alle Gläubiger ihre Forderungen vollständig zurückerhalten.
Enerparc hat nach eigenen Angaben Anlagen mit einer Leistung von 3,8 Gigwatt in Betrieb. | Imagen: Enerparc

Inzwischen gibt es mehr als 100 Anfragen potenzieller Interessenten für die Enerparc AG, die Anfang September Insolvenz angemeldet hat. Nach pv magazine Informationen liegen auch schon erste indikative Angebote vor. Mit der Durchführung des M&A-Prozesses wurde Rothschild beauftragt. Ab Mitte Oktober soll entschieden werden, mit welchen Interessenten der Prozess in die nächste Runde geht.

Gegenüber pv magazine zeigte sich der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zuversichtlich. „Uns liegen indikative Angebote bereits vor, weitere werden folgen und ich bin voller Optimismus, dass wir im Dezember eine Transaktion vermelden können“, sagt er. „In einem ersten Schritt streben wir im Dezember eine Transaktion mit Solarpark-Portfolien, der Projekt-Pipeline und Anteilen beispielsweise an Sunnic Lighthouse und Enerparc Service an.“ Diese Transaktion umfasse dann auch die Belegschaft. Transaktionen mit weiteren Park-Portfolien sollten dann erst im ersten Quartal 2027 vollzogen werden.

Denkhaus bevorzugt dabei Interessenten, die am Gesamtunternehmen interessiert sind. Das Unternehmen ist einer der größten unabhängigen Produzenten (IPP) für Solarstrom in Deutschland, es ist vertikal integriert und deckt alles von Entwicklung und Bau der Photovoltaik-Anlagen bis zur Stromvermarktung ab.

Asset-Deal mit strategischem Investor oder Finanzinvestor

Nach Informationen von pv magazine interessieren sich sowohl strategische Käufer wie Versorger als auch Finanzinvestoren für Enerparc. Es sieht wohl nicht danach aus, dass ein Investor über eine Kapitalerhöhung in die bestehende Aktiengesellschaft einsteigen wird. Vielmehr läuft der Prozess vermutlich auf einen Asset Deal hinaus.

Die Projektgesellschaften sind unterschiedlich kompliziert strukturiert, was zu dem mehrstufigen Ablauf führen kann: auf der einen Seite einfacher strukturierte Gesellschaften, die keine Mezzanine-Struktur haben und nicht insolvente Tochtergesellschaften, auf der anderen Seite komplexere Strukturen zum Beispiel mit Mezzanine-Finanzierungen.

Es sieht trotz allem so aus, dass nicht alle Gläubiger vollständig befriedigt werden dürften, wie pv magazine erfahren hat. Bei den Projektfinanzierungen muss man vermutlich nicht mit großen Ausfällen rechnen. Bei Mezzanine-Finanzierungen lässt sich dies derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Bei Avalgebern, die Lieferanten der AG abgesichert haben, und bei direkten Kreditgebern der AG werden dagegen Ausfälle erwartet.

Die gesamten Finanzverbindlichkeiten der Gruppe belaufen sich demnach auf rund 3,3 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 2,2 Milliarden Euro auf Projektfinanzierungen. Diese Kredite stehen in erster Linie den jeweiligen Solarparks gegenüber und werden aus deren Einnahmen bedient. Bei einem Verkauf der Projektgesellschaften würden solche Finanzierungen in der Regel zusammen mit den Parks übernommen.

Um den Geschäftsbetrieb bis zum tatsächlichen Einstieg eines Investors zu finanzieren, wird derzeit ein Massedarlehen vorbereitet. Nach Informationen von pv magazine liegt der benötigte Betrag im unteren achtstelligen Bereich. Die Finanzierung soll kurzfristig abgeschlossen werden. Sie ist auch notwendig, um die Zeit zwischen Unterzeichnung einer Transaktion und deren Vollzug zu überbrücken. Dabei kann es sich um mehrere Wochen handeln.

Sunnic Lighthaus stabilisiert

Eine wichtige Aufgabe nach dem Insolvenzantrag war die Stabilisierung von Sunnic Lighthouse. Die Muttergesellschaft hat Verträge von Sunnic mit Bürgschaften abgesichert. Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft sind diese keine ausreichende Sicherheit mehr. Es ist jetzt ziemlich sicher, dass Banken dafür einspringen. Damit soll unter anderem die Absicherung gegenüber externen Vertragspartnern gewährleistet werden.

Noch nicht abschließend gelöst ist die Finanzierung der Projekte im Bau. Auch bei den 14 bis 15 Anlagen, die bei Beginn des Insolvenzverfahrens kurz vor der Fertigstellung standen und zunächst priorisiert wurden, laufen weiterhin Verhandlungen. Zugleich zeigen potenzielle Investoren anscheinden gerade auch an den im Bau befindlichen Projekten erhebliches Interesse.

Enerparc hatte Anfang September Insolvenz angemeldet, nachdem eine relevante Finanzierung für Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern nicht zustande gekommen war. Das Unternehmen hat Anlagen mit 3,8 Gigawatt in Betrieb, Anlagen mit 1,5 Gigawatt waren vor dem Insolvenzantrag in Bau. Bei Batteriespeichern hat Enerparc mittlerweile 150 Megawattstunden Kapazität in Betrieb und 160 Megawattstunden in der Pipeline. Von der Insolvenz der Enerparc AG sind knapp 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Von den Insolvenzen in Eigenverwaltung bei Pvwerk und Sonnentiefbau zusammen 84. Der Insolvenzgeldzeitraum läuft am 30. November aus. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird frühestens zum ersten Dezember erwartet.

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