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Gescheiterte Finanzierung löste Enerparc-Insolvenz aus – Investorenprozess soll bald starten 

Der Insolvenzverwalter des Hamburger Photovoltaik-Unternehmens äußerte sich erstmals zu den Hintergründen des Verfahrens. Er will in Kürze einen Investorenprozess eröffnen. 90 Photovoltaik-Anlagen, teilweise mit Batteriespeichern, befinden sich aktuell im Bau. Oberste Priorität hat derzeit, bei den am weitesten fortgeschrittenen 14 bis 15 Projekten zu prüfen, ob sie während Insolvenzverfahren weitergebaut werden können.
PV-Speicheranlage in Büttel (SH),
Eine gescheiterte Finanzierung für Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern führte schlussendlich zum Insolvenzantrag, wie der vorläufige Insolvenzverwalter erklärte. | Foto: Enerparc AG

 Seit einigen Tagen befindet sich die Enerparc AG in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Inzwischen sind auch ihre Schwestergesellschaften Pvwerk und Sonnen Tiefbau, die für die Umsetzung der Projekte verantwortlich sind, betroffen und befinden sich in einem vorläufigen Insolvenzververfahren in Eigenverwaltung. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Enerparc AG, Stefan Denkhaus, gab am Dienstag einige Einblicke in das Verfahren und informierte über den aktuellen Stand.  

„Eine relevante Finanzierung für Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern ist gescheitert”, sagte  Denkhaus. Das war Ende Juni. Dabei handelte es sich nach Angaben Denkhaus nicht um das im März angekündigte Finanzierungspaket von bis zu einer Milliarde Euro, sondern um eine andere projektbezogene Finanzierung. Danach folgte eine intensive Phase mit Verhandlungen, die jedoch keinen Erfolg brachte. “Somit konnte die Enerparc AG die Verpflichtungen aus bestellten Lieferungen nicht mehr erfüllen“, sagte er. Schließlich habe der Prozess Anfang September im Insolvenzantrag gemündet. Seither sei er bemüht, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren.  

Denkhaus sagt, er könne die Spekulationen aus der Branche, dass die vorläufige Insolvenz mit den Bafin-Eingriffen bei der Berenberg-Bank, einem der Geldgeber von Enerparc, in Zusammenhang stehe, nicht bestätigen. Auch die Berenberg-Bank hatte diese Vermutung auf Anfrage von pv magazine bereits zurückgewiesen, obgleich sich das Bankhaus aus Gründen der Vertraulichkeit nicht zu einzelnen Vertragsdetails äußern wollte. „Zwischen der Tätigkeit der Bafin-Sonderbeauftragten und dem operativen Engagement beziehungsweise den bestehenden Finanzierungsvereinbarungen der von Berenberg betreuten Kreditfonds im Bereich der erneuerbaren Energien besteht keinerlei sachlicher oder verfahrensbezogener Zusammenhang“, erklärte eine Sprecherin.  

Auf die Frage, ob die Wachstumsstrategie von Enerparc zu riskant gewesen sei, antwortete Denkhaus, dass das Eigenkapital-zu-Fremdkapital-Verhältnis mit Sicherheit nicht so gut gewesen sei. Insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten von Enerparc auf etwa drei Milliarden Euro, der überwiegende Teil davon resultiere aus Projektfinanzierungen, erklärte Denkhaus. In den Projekten werden auch Einnahmen generiert, allerdings geht die Enerparc AG als Generalunternehmer und Einkäufer für die Projektgesellschaften in Vorleistung, bestellt die Komponenten und  beauftragt die Schwesterunternehmen Pvwerk und Sonnentiefbau mit der Umsetzung der Projekte.  

Nach Angaben des Insolvenzverwalters befinden sich aktuell rund 90 Enerparc-Photovoltaik-Projekte, teilweise mit Batteriespeichern, im Bau. Zunächst werde bei den 14 oder15 Projekten, die am weitesten fortgechritten seien, geprüft, wie sie fertiggestellt werden könnten. Dazu befinde sich Denkhaus auch in enger Abstimmung mit dem Sachwalter der Schwestergesellschaften.  

Insgesamt bezifferte Denkhaus die Projektpipeline der im Bau befindlichen Projekte von Enerparc mit 1,5 Gigawatt. 3,8 Gigawatt seien in Betrieb. Bei Batteriespeichern hat Enerparc mittlerweile 150 Megawattstunden Kapazität in Betrieb und 160 Megawattstunden in der Pipeline. 

Von der Insolvenz der Enerparc AG sind knapp 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Von den Inolvenzen in Eigenverwaltung bei Pvwerk und Sonnentiefbau zusammen 84. 

Investorenprozess startet in Kürze

Der vorläufige Insolvenzverwalter kündigte zudem an, in Kürze einen Investorenprozess für den Verkauf von Enerparc starten zu wollen. Noch liefen die Vorbereitungen. Denkhaus zeigte sich angesichts der vielen vorhandenen Assets zuversichtlich und sagt, bereits ein sehr großes Interesse von möglichen Investoren wahrzunehmen. Diese reichten von Bürgerenergiegesellschaften, die ihr Projekt kaufen wollten bis hin zu großen Investoren aus Europa. Als Insolvenzverwalter bevorzuge er einen Verkauf als Ganzes, doch dies sei nicht sicher. Auch andere Lösungen seien denkbar. Den Zeitrahmen kann man nicht genau angeben. Die Verfahrenseröffnung legt das Amtsgericht Hamburg fest. Der Insolvenzgeld-Zeitraum läuft am 30. November aus. Vermutlich wäre das der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Entscheidung, gibt der Insolvenzverwalter zu Bedenken. 

Chinesische Bieter finden sich seiner Aussage nach bislang nicht unter den Interessenten. Das sagte Denkhaus angesprochen darauf, dass die Assets von Enerparc auch teilweise als kritische Infrastruktur gewertet werden. Diesbezüglich habe er das Bundeswirtschaftsministerium bereits kontaktiert, so Denkhaus.   

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