Monatliches Energiemarkt-Update: Sommerhitze und Konflikte schüren Risiken für den Winter
Wie in der unserer letzten Ausgabe prognostiziert, waren auch im August die Schifffahrt durch die Straße von Hormus, der Wettbewerb im LNG-Bereich und die Sommerhitze die wesentlichen Themen für die Energiemärkte. In weiten Teilen Europas hielten Rekordtemperaturen und Dürre an. Dies führte zu einem Rückgang der Kernkraftproduktion in Frankreich sowie – aufgrund des tiefen Wasserstands der Donau – auch in Ungarn und Rumänien.
Unterdessen lief die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran aus, ohne dass eine der beiden Seiten den Wunsch nach einer Verlängerung signalisierte. Fakt ist, dass sich die beiden Seiten Ende August erneut gegenseitig angegriffen haben. Dabei ging jede Seite davon aus, dass die andere dem Zeitdruck nachgeben würde. Die Terminkontrakte stiegen aufgrund von Sorgen um die Gas-Lagerkapazitäten und düstere Aussichten für die Wasserkraft. Gleichzeitig erreichten die Spotpreise für Strom an vielen Märkten ihre höchsten Monatsdurchschnitte seit der Energiekrise.
Was das Gas betrifft, stiegen die TTF-Spotpreise im August-Mittel auf 61,50 Euro pro Megawattstunde und erreichten zuletzt einen Höchststand von über 70 Euro pro Megawattstunde, als US-Streitkräfte iranische Anlagen angriffen, die Berichten zufolge Vorbereitungen zum Auslegen von Minen in der Meerenge trafen. Da Durchfahrten von LNG-Tankern nach wie vor eine Seltenheit sind und Katar praktisch nicht lieferfähig ist, befindet sich Europa weiterhin auf einem gefährlichen Kurs hinsichtlich der Lagerbestände. Die Lager waren zu Beginn des Septembers zu 65 Prozent gefüllt – der tiefste Stand seit 15 Jahren – und werden den Winter voraussichtlich mit Rekordtiefständen von rund 70 bis 73 Prozent beginnen.
Damit ist Europa möglichen zukünftigen Schocks sehr ausgesetzt, sei es auf der Angebotsseite, wie etwa durch weitere LNG-Lieferunterbrüche, oder auf der Nachfrageseite, wie etwa durch einen Kälteeinbruch. Höhere Preise beginnen die Nachfrage aus Asien etwas zu dämpfen, auch wenn die Preise in Asien nach wie vor über denen in Europa liegen. Der Fokus verlagert sich nun auf den Lagerbestand am Ende des Winters, der weitgehend von der Dauer des Nahostkonflikts und den Wetterbedingungen abhängt.
Ebenso stiegen die Kohlepreise aufgrund der Käufe für den Winter in Europa, obwohl die derzeit niedrigen Wasserstände am Rhein die Transportkosten per Binnenschiff in die Höhe treiben und Lieferungen im Binnenland einschränken, was die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken mindert. Brent-Öl schloss den August nahe dem Niveau von Ende Juli, weil die Lieferungen durch die Straße von Hormus unterbrochen und die diplomatischen Bemühungen ins Stocken geraten waren. Die Emissionszertifikate handelten seitwärts innerhalb eines engen Bandes. All diese Entwicklungen schlugen sich auf dem Strommarkt nieder, wo der Anstieg der Gaspreise für das kommende Jahr um rund 10 Euro pro Megawattstunde die Terminkontrakte in ganz Europa in die Höhe trieb. Die Spotpreise stiegen in Deutschland und Frankreich um mindestens ein Fünftel und in Italien auf 180 Euro pro Megawattstunde, womit nur die nordischen und baltischen Länder unter 100 Euro pro Megawattstunde blieben.
Der September begann ausserhalb der nordischen Länder warm und trocken. Während kühlere Temperaturen die hitzebedingten Produktionskürzungen mildern dürften, deutet die saisonal sinkende Solarstromproduktion auf Spotpreise hin, die leicht über denen vom August liegen. Da Gasspeicher, Wasserkraftspeicher, Flüsse und die Verfügbarkeit von Kernkraftwerken alle bis an ihre Grenzen ausgelastet sind, verfügt das System über wenig Puffer gegen eine weitere Störung. Dennoch könnte eine glaubwürdige, wenn auch schwer vorhersehbare Einigung zwischen den USA und dem Iran über die Schifffahrt durch die Straße von Hormus immer noch eine scharfe Korrektur erzwingen.
Unser Fokus liegt daher auf den Verhandlungen zum Korridor Iran-Oman und der Reaktion Washingtons, der Wiederauffüllung der Speicher bis Oktober sowie den Bedingungen in den Bereichen Wasserkraft, Flusskraft und Kernkraft. Nicht zuletzt beobachten wir weiterhin aufmerksam die makroökonomischen Entwicklungen. Angesichts der sich im letzten Monat leicht erholenden Wachstumsprognosen für Europa und Inflationserwartungen nahe 3 Prozent richten sich alle Augen auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am 10. September.

— Der Autor Andy Sommer ist seit 1992 als Analyst in der Energiebranche aktiv und bewertet seit 2008 für Axpo die globalen Märkte. Seit einigen Jahren führt er das Team „Fundamental Analysis & Modeling“, mit dem er für interne und externe Kunden Einschätzungen zu den Energiemärkten in Europa und weltweit erstellt. Das Team konnte mit seinen Services im Jahr 2021 den Energy Risk Award für „Research in European Power“ gewinnen. www.axpo.com —
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