Photovoltaik stabilisiert das französische Stromnetz bei Hitzewellen und sinkender Kernkraftleistung
Die kombinierten Auswirkungen von Hitzewelle und Dürre haben Mitte August zur Abschaltung von 13 französischen Kernreaktoren geführt; dies entspricht 20,4 Prozent der gesamten Kernkraftkapazität des Landes. Laut einer AFP-Analyse, die auf Daten des staatlichen französischen Energieversorgers EDF basiert, stellen diese Abschaltungen – begründet mit „umweltbedingten Einschränkungen“ oder „externen Umweltfaktoren“ – den höchsten Stand seit 2015 dar.
EDF rechnet in den kommenden Tagen zudem mit einem Leistungsrückgang in den Kernkraftwerken Blayais, Bugey, Cattenom, Chooz, Golfech, Gravelines und Saint-Alban. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass die Wetterbedingungen zwischen dem 14. August und dem 1. September zu einem Kapazitätsverlust von bis zu 12.474 Megawatt führen könnten.
Echtzeitdaten des Netzbetreibers RTE zeigen, dass die Leistung der Kernkraftwerke am Morgen des 14. August bei rund 32 Gigawatt lag – an einem typischen Tag im März beispielsweise sind es 45 Gigawatt. Gleichzeitig ist die Solarstromerzeugung seit mehreren Wochen außergewöhnlich hoch und macht bis zu 35 Prozent des französischen Strommixes aus.
Anstieg der Solarstromerzeugung in ganz Europa
Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf Frankreich. Eine am 13. August vom Energie-Thinktank Ember veröffentlichte Studie ergab, dass die Solarstromerzeugung in mehreren europäischen Ländern während der jüngsten Hitzewellen über dem Normalniveau lag. „Während die Nachfrage steigt und andere Energiequellen Schwierigkeiten haben, ist Photovoltaik die einzige Stromquelle, deren Erzeugung über dem Normalniveau liegt: ein täglicher Anstieg um 17 Prozent in Frankreich und Ungarn sowie um 5 Prozent in Spanien und Italien“, so Ember. Die Studie untersuchte die Hitzewellen Ende Juni und im Juli; die Hitzewelle im August ist darin noch nicht enthalten.
Frankreich ist nicht das einzige Land, das mit einer verringerten Leistung von thermischen und Kernkraftwerken zu kämpfen hat. Im Vereinigten Königreich haben fünf Gaskraftwerke ihre Produktion gedrosselt. Im Nordosten Italiens gefährden niedrige Wasserstände des Flusses Po den Betrieb von Wärmekraftwerken. In Ungarn drosselte das Kernkraftwerk Paks – das fast die Hälfte des nationalen Stroms liefert – Anfang August seine Leistung drastisch, da der Wasserstand der Donau außergewöhnlich niedrig war. Auch Kohlekraftwerke in Serbien und Polen mussten ihren Betrieb einschränken.
Die Wasserkraft war ebenfalls betroffen. Sieben der acht größten Wasserkraftproduzenten der Europäischen Union – auf die 90 Prozent der gesamten Wasserkrafterzeugung entfallen – verzeichneten eine Stromerzeugung, die unter ihren Fünfjahresdurchschnitten lag. „Der Anstieg der Solarstromerzeugung trug zur Stabilisierung des Stromnetzes bei, als andere Energiequellen Schwierigkeiten hatten, ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagte Chris Rosslowe, Analyst bei Ember.
Die Herausforderung am Abend
Die größte Herausforderung ergibt sich im weiteren Tagesverlauf. Während der Hitzewelle hilft die Solarstromerzeugung dabei, den Strombedarf zu decken, auch wenn andere Erzeugungsquellen nur mit reduzierter Leistung laufen. Nach Sonnenuntergang bleibt der Strombedarf jedoch hoch, vor allem aufgrund der Nutzung von Klimaanlagen, während die Photovoltaik-Erzeugung auf null sinkt. Das Stromnetz muss sich dann stärker auf steuerbare Erzeugungsquellen stützen, darunter Gaskraftwerke. „Die Herausforderung bei der Solarenergie beginnt nach Sonnenuntergang“, so Rosslowe. Batteriespeicher könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie den tagsüber erzeugten Strom speichern und am Abend, wenn die Nachfrage weiterhin hoch ist, wieder abgeben. Dies könnte die Abhängigkeit von der teuersten thermischen Stromerzeugung verringern.
Während der Hitzewellen Ende Juni und Anfang Juli stiegen die durchschnittlichen täglichen Strompreise im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen an: in Ungarn um 119 Prozent, in Frankreich um 44 Prozent, in Italien um 13 Prozent und in Spanien um 7 Prozent. Laut Ember verzeichneten die Märkte am frühen Abend deutliche Preisspitzen. „Solarstrom hilft uns tagsüber, aber Batteriespeicher können am Abend übernehmen. Gemeinsam stellen sie eine der saubersten Möglichkeiten dar, das europäische Stromsystem widerstandsfähiger gegen die heißesten Sommer zu machen“, sagte Rosslowe.
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Als Konsequenz sollte der Speicherausbau massiv verstärkt werden. Die starken Preisschwankungen zeigen auf jeden Fall einen riesigen Bedarf. Stattdessen wird in Deutschland über neue Gaskraftwerke diskutiert, die helfen bei immer häufigen Hitzewellen aber auch nicht weiter.
Ähnliches zeigt sich bei Klimaanlagen. Der Schwerpunkt bei Gebäuden liegt immer noch in der Dämmung für den Winter. Energetisch macht es sicher Sinn, aber die aktuellen Übersterblichkeitszahlen zeigen den menschlichen Bedarf an Kühlung. Gerade in Zeiten hoher Sonneneinstrahlung wäre genug Energie da, diese zu betreiben.
Von vielen Kältetoten im Winter in bewohnten Häusern hört man dagegen gar nichts…