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DUH und Green Planet Energy legen EU-Beschwerde gegen StromVKG ein

Die Deutsche Umwelthilfe und Green Planet Energy haben bei der EU-Kommission Beschwerde gegen das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz eingereicht. Sie kritisieren, dass die Ausschreibungen für gesicherte Langzeitkapazitäten zwar formal technologieoffen sind, die technischen Anforderungen jedoch unter anderem Batteriespeicher benachteiligen. Die Organisationen fordern die EU-Kommission auf, die vorgesehenen staatlichen Beihilfen in einem förmlichen Verfahren zu prüfen.
Gaskraftwerk von Uniper in Irsching
Die Beschwerdeführer kritisieren, dass das StromVKG Technologieoffenheit verspricht, jedoch Bedingungen schafft, die nur Gaskraftwerke erfüllen können. | Foto: Uniper SE

Das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) sieht unter anderem zwei Ausschreibungen über jeweils 4,5 Gigawatt gesicherte Langzeitkapazität vor. Erfolgreiche Bieter sollen für 15 Jahre eine staatlich abgesicherte Kapazitätsvergütung erhalten. Vergütet wird dabei die Vorhaltung der Leistung und nicht die tatsächlich erzeugte elektrische Arbeit. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Green Planet Energy beziffern den rechnerischen maximalen Förderumfang über die gesamte Laufzeit auf knapp 33 Milliarden Euro.

An der konkreten Ausgestaltung der Ausschreibungen setzt die jetzt bei der EU-Kommission eingereichte Beschwerde der beiden Organisationen an. Im Mittelpunkt stehen die technischen Anforderungen für die Langzeitkapazitäten. Anlagen müssen demnach über zehn Stunden mindestens 80 Prozent ihrer installierten Leistung bereitstellen können. Batteriespeicher müssen diese Fähigkeit anschließend innerhalb von drei Stunden wiederherstellen. Für einen Batteriespeicher mit 100 Megawatt installierter Leistung bedeutet die Zehn-Stunden-Anforderung rechnerisch eine bereitzustellende Energiemenge von 800 Megawattstunden. Um diese anschließend innerhalb von drei Stunden wieder einzuspeichern, wäre eine Ladeleistung von rund 267 Megawatt erforderlich. Green Planet Energy argumentiert, dass insbesondere der dafür erforderliche Netzanschluss die Teilnahme für viele Speicherprojekte unwirtschaftlich mache. Hinzu komme die bereits heute begrenzte Verfügbarkeit leistungsfähiger Netzanschlüsse.

Auch dass regelbare Lasten wie flexibel steuerbare Wärmepumpen an den Langzeitausschreibungen nicht teilnehmen können, kritisieren die Beschwerdeführer. DUH und Green Planet Energy sehen darin einen weiteren Beleg dafür, dass unterschiedliche Optionen zur Bereitstellung von Flexibilität und gesicherter Leistung nicht unter gleichen Bedingungen miteinander konkurrieren können.

„Das StromVKG verspricht Technologieoffenheit, schafft aber Bedingungen, die im Grunde nur neue Gaskraftwerke erfüllen können“, sagt Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy. Die Organisationen wollen deshalb von der EU-Kommission prüfen lassen, ob die Ausgestaltung mit den europäischen Vorgaben für staatliche Beihilfen und Wettbewerb vereinbar ist. Nach Auffassung von DUH und Green Planet Energy steht das StromVKG darüber hinaus im Widerspruch zum Ziel des AccelerateEU-Pakets, Europas Abhängigkeit von fossilen Märkten und Energieträgern in der Stromerzeugung zu verringern.

Kritik üben die beiden Organisationen zudem an den Vorgaben für den späteren Brennstoffwechsel der geförderten Kraftwerke. Diese müssen zunächst lediglich für einen späteren Wasserstoffbetrieb vorbereitet sein. Eine frühzeitige Umstellung auf grünen Wasserstoff schreibe das Gesetz nicht vor, so DUH und Green Planet Energy. Sie sehen deshalb das Risiko, dass die neuen Kapazitäten über längere Zeit mit Erdgas betrieben werden und die Abhängigkeit von Gasimporten entsprechend bestehen bleibt.

Noch offen ist die Finanzierung der Kapazitätsvergütungen. Diese soll in einem weiteren Gesetz geregelt werden. Nach Angaben der Beschwerdeführer steht dabei auch eine Umlage im Raum, die Haushalte und Unternehmen zusätzlich belasten könnte.

Die ersten Ausschreibungen sollen bereits im September beginnen. Die Bundesregierung will die im StromVKG vorgesehenen staatlichen Förderungen deshalb in einem beschleunigten Vorprüfverfahren von der EU-Kommission genehmigen lassen. Die beiden Organisationen fordern stattdessen ein förmliches Prüfverfahren. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob die Ausschreibungsbedingungen tatsächlich technologieoffen sind und ob weniger wettbewerbsverzerrende Alternativen ausreichend berücksichtigt wurden. Nach Auffassung der Beschwerdeführer sollten Kosten, Klimawirkung, Verfügbarkeit und Realisierungsgeschwindigkeit der unterschiedlichen Optionen maßgeblich sein.

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Kommentare

Tom Iltmann
3 Stunden

Es ist schon merkwürdig, wie viel (Arbeits-)Energie in das „Problem“ von 2-3 Wochen im Jahr gesteckt wird. Stattdessen könnte man doch volle Energie in die Lösung für die restlichen 50 Wochen des Jahres stecken, denn dafür sind Lösungen sofort vorhanden und müssen nicht groß ausgeschrieben werden.
Allerdings betrifft das dann Millionen von kleinen Investoren und nicht 2-3 großen, die die Gaskraftwerke bauen. Mit denen lässt es sich halt leichter für „Besprechungen“ an einen Tisch setzen.

Gruenstrom
18 Stunden

15 Jahre eine staatlich abgesicherte Kapazitätsvergütung erhalten. Vergütet wird dabei die Vorhaltung der Leistung und nicht die tatsächlich erzeugte elektrische Arbeit. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Green Planet Energy beziffern den rechnerischen maximalen Förderumfang über die gesamte Laufzeit auf knapp 33 Milliarden Euro.

Auch dass regelbare Lasten wie flexibel steuerbare Wärmepumpen an den Langzeitausschreibungen nicht teilnehmen können, kritisieren die Beschwerdeführer.
Abschaltbare Lasten kommen ja in der Ausschreibug 2 oder 3
Auch Akkus kommen bei Ausschreibung 3

Und Batterien wo 1 Woche Energie für Deutschland gespeichert haben, und nur 0,5-2 Zyklen pro Jahr machen kosten auch Geld.

Was kostet der Betrieb mit Wasserstoff?

Gruenstrom
18 Stunden

9GW Gaskraftwerke im Kapazitätsmarkt = es ist keine Regelversorgung, keine Grundlast es ist unsere Versicherung mit Strom.
Die Leute glauben in der Nacht scheint die Sonne und im Winter noch heller

Gruenstrom
18 Stunden

Die AFD wird sich freuen! Und kein anderes Land wird uns als Vorbild nehmen, was die NGOs wollen. Es geht nur um 9GW Gaskraftwerke. Wenn diese Leute persönlich haften müssten, wenn es schief geht! Würden Sie dann auch klagen?
Kohleausstieg 2022 30 GW / 2030 17 GW / 2038 0 GW

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Stephan
11 Minuten

Es wird ja nicht in Frage gestellt, dass man einen Kapazitätsmarkt braucht, sondern dass hier vorschnell auf Gaskraftwerke gesetzt wird – und es eben nicht technologieoffen ist.