Niedersachsen und Schleswig-Holstein fordern Festhalten an EEG-Vergütung für kleine Dachanlagen
Niedersachsen und Schleswig-Holstein warnen davor, sich beim weiteren Erneuerbaren-Ausbau auf den Markt zu verlassen. Für das Erreichen der Ausbauziele ist auch künftig ein Fördermechanismus nötig, auch für kleine Photovoltaik-Dachanlagen, so die beiden Bundesländer. Niedersachsens Energie- und Klimaschutzminister Christian Meyer (Grüne) fordert daher von der Bundesregierung, EEG-Novelle und Netzpaket nachzubessern.
Das Bundeskabinett hat die Gesetzesentwürfe Ende Juli verabschiedet. Darin ist vorgesehen, die EEG-Vergütung für neue kleine Dachanlagen nach einer Übergangsphase zu streichen. Anschließend müssen die Betreiber dieser Anlagen ihren Strom selbst vermarkten. Der Bundestag soll nach der Sommerpause darüber entscheiden. Niedersachsen wird von SPD und Grünen regiert, Schleswig-Holstein von einer schwarz-grünen Koalition. Der Bundesrat kann den Vermittlungsausschuss anrufen, die Gesetze aber nicht durch eine Ablehnung stoppen.
Stromgestehungskosten über dem Marktwert
Die beiden Bundesländer stützen sich bei ihrer Argumentation auf eine von ihnen beauftragte Studie von Enervis, die drei Szenarien bis 2045 betrachtet. Darin heißt es, dass ein marktgetriebener Ausbau von Photovoltaik-Dachanlagen wirtschaftlich nicht möglich ist, da die Stromgestehungskosten (LCOE) in allen drei Szenarien weit oberhalb der zu erwartenden Marktwerte liegen werden. Ohne verlässliche Förderung sei daher in diesem Segment ein deutlicher Rückgang zu erwarten. Um dies auszugleichen, müsste der Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen deutlich erhöht werden.
Bei größeren Anlagen sei zwar perspektivisch ein marktbasierter Ausbau möglich, allerdings zunächst vor allem an guten Standorten und erst in den 2040er Jahren in größerem Umfang. Für das Erreichen der Ausbauziele halten die Enervis-Experten daher bis dahin weiterhin eine Förderung für erforderlich. Der Förderbedarf könne sich aber langfristig verringern.
Produktionsabhängige CfD gut in den Markt integrierbar
Die Gutachter empfehlen im Kern als künftiges Förderinstrument für größere Anlagen produktionsabhängige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD) mit jährlicher Referenzperiode – so wie das im Kern auch von der Bundesregierung vorgesehen ist. Sie ermöglichten einen kosteneffizienten Erneuerbaren-Ausbau, reduzierten Investitionsrisiken, seien EU-konform und zugleich gut anschlussfähig an das bestehende EEG-System. Zudem werde das Instrument von einer breiten Mehrheit der im Rahmen der Studie befragten Branchenakteure unterstützt.
Nach Einschätzung der Enervis-Experten vermeiden produktionsunabhängige CfD Verzerrungen von kurzfristigen Marktpreissignalen, gehen jedoch mit höheren Abweichungsrisiken einher, da die Erlöse vom Erzeugungspotential einer Referenzanlage abhängen. Produktionsabhängige CfD dagegen wiesen deutlich geringere Abweichungsrisiken auf, da sie auf der realen Anlagenproduktion basieren, könnten jedoch kurzfristige Einsatzverzerrungen der Anlagen verursachen. Da Marktverzerrungen derzeit noch gering sind und sich durch ergänzende Instrumente gut adressieren lassen, raten die Enervis-Fachleute zu produktionsabhängigen CfD. Dafür spreche auch ihre gute Anschlussfähigkeit an das aktuelle Vergütungsregime.
Auch bei der Wahl der Referenzperiode sehen die Experten ein Trade-off: Kurze Referenzperioden reduzieren das Erlösrisiko, setzen jedoch keinerlei Anreize zur systemdienlichen Auslegung der Anlagen. Lange Referenzperioden erhöhen hingegen das Erlösrisiko, schaffen aber explizite Anreize zur systemdienlichen Anlagenauslegung durch den Vergleich mit einem Referenzmarktwert. Dadurch entsteht ein – wenn auch begrenzter – Anreiz, den Profilwert der Anlagen zu steigern, anstatt ausschließlich die Erzeugungsmenge zu maximieren. Vor diesem Hintergrund raten sie zu einer jährlichen CfD-Referenzperiode.
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Vorteile private Dachanlagen gegenüber großen Freiflächenanlagen: höhere Resilienz als bei zentralerer Erzeugung, Investitionsanreiz höher als z.B. mittels Anteilen an Firmen oder Solarparks, lokale Wertschöpfung öfter bei lokalen Handwerkern statt bei großen Bautrupps, Bewusst-machen des eigenen Verbrauchsverhaltens durch Monitoring, schnellere Sektorenkopplung mit WP und E-Auto (sofern möglich). Klar, die Anlagen sind spezifisch teurer als Großanlagen, und die Wirtschaftlichkeit kommt hauptsächlich über den Eigenverbrauch. Aber wenn mit einer fairen Vergütung der Überschüsse das Dach voll gemacht wird, muss andernorts weniger Fläche verbaut werden.
Fair ist das nicht, wenn die Allgemeinheit die höhere Vergütung finanziert. Neben dem Fairnessgedanken noch ein paar gewichtige Argumente gegen höhere Vergütungen als für die preiswerteste Form der Photovoltaik – die „normale“ Freiflächenanlagen mit mindestens 10 Megawattpeak Leistung:
1. Lebensdauer!! Diese Art der Stromerzeugung sollte ewig funktionieren. Also ist sind Dachanlagen nicht zielführend, wenn ich in Zeiträumen von 50, 100, 200 Jahren denke. Nur bei PV-Freiflächenanlagen verschleißen die Assets Boden und Betriebsgenehmigung nicht und im laufenden Betrieb ist jederzeit ein Austausch von defekten Teilen problemlos und einfach möglich.
2. Flächenverfügbarkeit: Es gibt satt Fläche für mehr als 1.000 Gigawatt installierte PV-Leistung. Das sind ca. 800.000 Hektar. Beweisführung: Derzeit werden mehr als 2,3 Millionen Hektar nur für den Anbau von Energiepflanzen in Deutschland genutzt. Diese erzeugen jedes Jahr und auf jedem Hektar ca. 50-100 mal weniger Energie als ein Solarpark. Darum wäre es viel, viel klüger, jede Form von Biomasse nicht für die Energieerzeugung zu ver(sch)wenden, sondern statt dessen Solarparks zu betreiben, die auch für Natur- und Artenvielfalt genutzt werden können. Wenn ich schon an die 800.000 Hektar Silomaisanbaufläche für Biogasanlagen denke, dann fällt mir direkt der Begriff „Maiswüste“ ein. Da ist mir eine Solarpark-Oase mit hohem Biodiversitätsanspruch lieber.
3. Klimawandel: Es wäre vielleicht klüger, auf Dächern keine Solarmodule zu montieren, sondern Solargewächshäuser mit Klimaanlagen in denen man sich in kommenden, noch heißeren Sommern im Grünen und bei moderaten Temperaturen erholen kann. Wenn es so weiter geht mit den Tropennächten und Temperaturrekorden, wird im freien Feld bald nicht mehr viel wachsen. Also erst recht ein Argument für Solargewächshäuser auf allen Dächern.
Bei dem Thema wird für mich die Psychologische Ebene vernachlässigt. Der große Vorteil der EEG Vergütung ist die automatische Abwicklung, mit der sowieso schon notwendigen Anmeldung.
Wenn jetzt zusätzlich die Vermarktung notwendig wird, werden viele auf den heutigen Eigenverbrauch optimieren und das halbe oder noch weniger Dach belegen. Das ganze mit Nulleinspeisung.
Wenn dann innerhalb der nächsten 20 Jahre der Stromverbrauch steigt, kommt dann das harte Erwachen.
Zwei Hinweise am Rande:
1. die Kosten pro kWh sind bei den dann noch kleineren Anlagen noch höher.
2. EEG Strom wird inflationsbereinigt automatisch jedes Jahr günstiger. Der Wert ist für 20 Jahre festgesetzt.
Nein, nein, nein – kleine Dachanlagen und überhaupt Dachanlagen und alles was mehr Aufwand bedeutet sollte keine höhere EEG-Vergütung bekommen, als eine „normale“ PV-Freiflächenanlage. Es ist schlicht und ergreifend Geldverschwendung, den erneuerbaren Strom teurer zu machen als unbedingt notwendig. Wer sich so was „Kleines“ gönnt, der mag es gerne tun, aber bitte für den Eigenverbrauch und nicht zum Geld verdienen durch Verkauf des Stroms an andere. Bitte auch immer im Blick behalten, dass Fachkräfte auf dem freien Feld in derselben Zeit ein vielfaches mehr EE-Kapazität installieren können, als auf Dächern. Auch die Hege und Pflege der Technik über Jahrzehnte ist zu bedenken. Fachkräftemangel als Stichwort!
So ein Schmarrn !
PV Anlagen auf Dächern arbeiten problemlos über 20+ Jahre. Die Anlagen aus der vor EEG Zeit und laufenden PV Anlagen der 00-er Jahre beweisen es.
Sie sind auch günstiger als Freiflächenanlagen, da die Infrastruktur zu 100 % vorhanden ist und der Verbrauch „um die Hausecke“ erfolgt.
Freiflächenanlagen benötigen neue MSpg – Anbindungen, zur Freude und Ertrag der Netzbetreiber !
Lieber Herr Wolf,
dass PV-Dachanlagen 20 Jahre und länger funktionieren können, bestreitet niemand. Meine Argumentation zielt jedoch auf einen deutlich längeren Zeithorizont ab. Wenn wir die Energieversorgung für die nächsten 50, 100 oder sogar 200 Jahre denken, dann haben Freiflächenanlagen erhebliche Vorteile: Die Fläche bleibt dauerhaft verfügbar, Module, Wechselrichter und Verkabelung können unkompliziert ausgetauscht werden und der Betrieb ist unabhängig von Sanierungszyklen, Eigentümerwechseln oder Nutzungsänderungen von Gebäuden.
Auch bei den Kosten sollte man die Gesamtsystemperspektive betrachten. Eine große Freiflächenanlage erzeugt Strom heute in der Regel deutlich günstiger als kleine Dachanlagen, weil Planung, Montage, Wartung und Betrieb wesentlich effizienter erfolgen. Genau deshalb werden große Solarparks weltweit als die kostengünstigste Form der Stromerzeugung ausgebaut.
Zum Thema Infrastruktur: Ja, Freiflächenanlagen benötigen Netzanschlüsse. Gleichzeitig vermeiden sie aber tausendfachen Installationsaufwand auf einzelnen Dächern und ermöglichen einen erheblich schnelleren Ausbau der Erzeugungskapazitäten angesichts des Fachkräftemangels.
Und noch ein Gedanke: Während über jede Hektarfläche für Solarparks diskutiert wird, werden in Deutschland Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche genutzt, davon große Bereiche für Energiepflanzen wie Mais zur Biogasproduktion. Verglichen damit erzeugen Solarparks ein Vielfaches an Energie pro Hektar und können bei entsprechender Gestaltung sogar einen Beitrag zur Biodiversität leisten.
Deshalb sehe ich keinen überzeugenden Grund, warum Strom aus kleinen Dachanlagen höher vergütet werden sollte als Strom aus den günstigsten und effizientesten Freiflächenanlagen. Wer eine Dachanlage zur Eigenversorgung baut, handelt vernünftig. Zusätzliche Subventionen für die teurere Erzeugungsform sind aus meiner Sicht jedoch schwer zu rechtfertigen.
Einspeisevergütung auf 4,5 cent dafür keine Bürokratie etc… für die Einspeiser
Man muss halt sagen: die PV Community und Lobby haben zu hoch gepokert und die Zustimmung aus der Mitte der Bevölkerung verloren.