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Die europäische Strommarktintegration zu einem Win-Win machen

Internationale Stromleitungen sind zentral für ein kosteneffizientes und klimaneutrales europäisches Energiesystem. Allerdings führen steigende Preise in Exportländern zu Verbraucherwiderstand gegen eine weitere Marktintegration. Unsere neue Studie zeigt am Beispiel des Projekts „Hansa PowerBridge“, wie die Umverteilung von Kosten und Erlösen sowie eine deutsche Gebotszonenteilung den Leitungsausbau für alle Verbraucher vorteilhaft gestalten könnten.
50 Hertz, Netzausbau
Foto: 50 Hertz

Die grenzüberschreitende Integration der europäischen Strommärkte bietet erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile. Stromhandel ermöglicht den Einsatz der jeweils günstigsten Kraftwerke über Ländergrenzen hinweg, was die Gesamtsystemkosten senkt. Zudem können wetterbedingte Schwankungen erneuerbarer Energien überregional besser ausgeglichen werden, und die Resilienz der Stromversorgung steigt.

Trotz dieser Vorteile stößt der grenzüberschreitende Leitungsausbau häufig auf Widerstand. Ein aktuelles Beispiel ist das zwischen Deutschland und Schweden geplante Kabel „Hansa PowerBridge“, das im Jahr 2024 von der schwedischen Regierung mit Verweis auf voraussichtlich steigende inländische Strompreise gestoppt wurde. Ähnlich gelagert ist der Fall des zwischen Norwegen und dem Vereinigten Königreich geplanten Kabels „NorthConnect“, das aufgrund erwarteter Strompreissteigerungen in Norwegen abgesagt wurde. Diese Fälle zeigen, wie Verteilungseffekte die europäische Strommarktintegration ausbremsen – trotz positiver Effekte auf die Gesamtwohlfahrt in den beteiligten Ländern.

Wie der internationale Leitungsausbau so gestaltet werden kann, dass Verbraucher in den jeweils beteiligten Ländern profitieren, untersuchen wir in unserem kürzlich in der Fachzeitschrift „Energy Policy“ veröffentlichten Artikel „Redistribution through cross-border electricity trade: How to achieve Pareto improvement for consumers?“. Dabei betrachten wir die zuvor erwähnte „Hansa PowerBridge“ als Fallstudie in einem numerischen Modell des europäischen Strommarkts und quantifizieren die Auswirkungen des Projekts auf Verbraucher und die Gesamtwohlfahrt.

Asymmetrische Verteilung von Kosten und Erlösen reicht häufig nicht aus

Zunächst betrachten wir die gängige europäische Vorgehensweise, wonach die Kosten und Erlöse neuer Stromleitungen gleichmäßig (50/50) zwischen den Übertragungsnetzbetreibern der beteiligten Länder aufgeteilt und über Netzentgelte an die Verbraucher weitergegeben werden. Diese Betrachtung bestätigt die Erwartung, dass das Projekt „Hansa PowerBridge“ die Gesamtwohlfahrt sowohl in Deutschland als auch in Schweden steigert, jedoch die schwedischen Verbraucher aufgrund höherer Strompreise benachteiligt (siehe Abbildung).

In einem zweiten Schritt untersuchen wir, inwiefern die asymmetrische Verteilung der Leitungskosten und -erlöse zwischen Deutschland und Schweden eine Schlechterstellung der schwedischen Verbraucher vermeiden kann. Obwohl die EU-Regulierung das Instrument der asymmetrischen Kosten- und Erlösverteilung explizit vorsieht, wird es in der Praxis kaum angewendet. Unsere Ergebnisse zeigen allerdings, dass eine asymmetrische Verteilung der Leitungskosten und -erlöse bei „Hansa PowerBridge“ in den meisten betrachteten Szenarien nicht ausreicht, um die Verluste der schwedischen Verbraucher aufgrund steigender Strompreise auszugleichen.

Staatliche Erzeuger und eine Gebotszonenteilung als weitere Lösungsansätze

Stattdessen identifizieren wir zwei alternative Lösungen für Verteilungskonflikte:

1. Nutzung staatlicher Erzeugererlöse: Eine Verbesserung für alle Verbraucher wird möglich, wenn neben den Erlösen aus dem internationalen Leitungsausbau auch zusätzliche inländische Erzeugergewinne umverteilt werden. Wenn staatliche Erzeuger – wie etwa Vattenfall in Schweden – erheblich von höheren Exporterlösen profitieren, können diese zusätzlichen Erlöse genutzt werden, um inländische Haushalte und Unternehmen zu entlasten. Diese Möglichkeit scheint uns in der bisherigen schwedischen Position gegen den Leitungsneubau kaum eine Rolle gespielt zu haben.

2. Teilung der deutschen Gebotszone: Eine alternative Lösung besteht darin, die deutsche einheitliche Gebotszone zu teilen. Unsere Modellierung betrachtet beispielhaft eine Zweiteilung der deutschen Zone, bei der Strompreise im windreichen Norden sinken, während sie im Süden steigen. Die niedrigeren Preise im Norden dämpfen wiederum die Preisanstiege in Schweden deutlich ab. In diesem Szenario wird der Leitungsausbau auch ohne weitere Umverteilung für die Verbraucher beider Länder vorteilhaft. Neben vielen anderen Argumenten für und gegen eine Teilung scheint uns dieser Aspekt in der bisherigen deutschen Diskussion um die einheitliche Gebotszone unterrepräsentiert.

Unsere Analyse identifiziert gleich mehrere Politikinstrumente, die die gesamtwirtschaftlich vorteilhafte „Hansa-PowerBridge“-Leitung für Verbraucher in Deutschland und Schweden zum Gewinn machen können. Das könnte dazu beitragen, die Akzeptanz des internationalen Leitungsausbaus zu steigern und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Vorteile zu realisieren.

Über die Autoren:

Oliver Ruhnau, Polina Emelianova und Pia Hoffmann-Willers forschen am Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) an der Universität zu Köln zu Energiesystemen und Strommärkten. Oliver Ruhnau ist zudem Juniorprofessor für Energiemarktdesign an der Universität zu Köln.

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Kommentare

uwe dyroff
Jul 31, 2026

„Internationale Stromleitungen sind zentral für ein kosteneffizientes und klimaneutrales europäisches Energiesystem.“

Das erzähl mal einen mit Ölgeld verseuchten Norwegerhirn.

„Allerdings führen steigende Preise in Exportländern zu Verbraucherwiderstand gegen eine weitere Marktintegration.“

Beispiel Norwegen:
falsche oder nebulöse Kommunikation gepaart mit falscher Energie(Preis)Politik => das widerspiegelt sich in diesem Artikel.