„Energiespenden 2.0“: Projekt in Österreich gibt überschüssigen Solarstrom an armutsgefährdete Haushalte ab
In Österreich sind rund 360.000 Menschen von Energiearmut betroffen. Nach einer EU-Gemeinschaftsstatistik sind das etwa vier Prozent der österreichischen Haushalte, die es sich finanziell nicht leisten können, ihre Wohnung angemessen warm zu halten.
Das Projekt „Energiespenden 2.0“ soll Abhilfe schaffen, in dem es technische Entwicklungen mit sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen verbindet. Aufgesetzt haben es Salzburg Research gemeinsam mit Our Power, Enixi und Robin Powerwood, wobei letztere schon zuvor als Pioniere im Bereich Energiespenden unterwegs waren. Sie haben bereits 2023 eine österreichweite Energiegemeinschaft etabliert, die überschüssige Energie an bedürftige Haushalte spendet. Seither seien rund 750 Megawattstunden Strom im Wert von etwa 100.000 Euro gespendet worden, wie Valentin Neuhauser von Robin Powerhood erklärt. Die Zahl der Spender habe sich in den vergangenen vier Monaten dabei vervierfacht. Mit ihrem Modell stoßen die Pioniere jedoch an technische und organisatorische Grenzen, da Erzeugung und Verbrauch jeweils in Zeitabschnitten von 15 Minuten miteinander verrechnet werden. Wenn in einem solchen Zeitraum mehr Strom gespendet als unmittelbar verbraucht wird, könne der Überschuss nicht vollständig für die unterstützten Haushalte genutzt werden. Im umgekehrten Fall muss der Reststrom über reguläre Stromanbieter bezogen werden.
Salzburg Research wiederum erprobt nun eine technische Lösung, um den ungenutzten Energieüberschuss zu bündeln. Damit soll mehr gespendete Energie auch wirklich bei den betroffenen Haushalten ankommen. Im Zuge des Projekts „Energiespenden 2.0“ soll zudem ein einheitliches Service-Design, standardisierte Prozesse und ein Maßnahmenkatalog für mehr Inklusivität entwickelt werden.
„Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden“, sagt Stefan Linecker, Projektleiter bei Salzburg Research. „Entscheidend ist nun, die gespendete Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt.“ Gleichzeitig müssten die Angebote einfach und verständlich sein. Nur so könne das Modell auch bei stark steigender Teilnehmerzahl verlässlich funktionieren, sagt Linecker weiter.
Die Energiegenossenschaft Our Power ist bei dem Projekt dabei, um ihre ihre Erfahrung mit einem digitalen Strommarktplatz einzubringen. Am „OurPower Marktplatz“ können Betreiber von Photovoltaik-, Wind- und Wasserkraftanlagen ihren Strom direkt an Kunden in ganz Österreich verkaufen. Die Preise dafür legen die Verkäufer selbst fest. So gebe es mit dem „Family&Friends“-Angebot die Möglichkeit, Strom um nur 1 Cent pro Kilowattstunde an Freunde oder Familie zu verkaufen. Im Projekt „Energiespenden 2.0“ wird Our Power nun gemeinsam mit Robin Powerhood und Enixi ein neues Angebot entwickeln. Dabei geht es um eine Kombination von Spenden und Vollversorgung für die von Energiearmut betroffenen Haushalte.
Neben dem technischen und sozialen Zugang wird sich das Projekt auch mit der wirtschaftlichen Ebene befassen. So braucht es Modelle für die Abrechnung und Bereitstellung von Dienstleistungen für Gemeinden, Städte und andere Gebietskörperschaften. Auch neue Finanzierungswege für das Energiespenden sollen geprüft werden.
Ziel des Konsortiums ist es, dass langfristig mehrere zehntausend Haushalte teilnehmen können. Es hält ein jährliches Spendenvolumen im zweistelligen Gigawattstundenbereich für möglich. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie dem Klima- und Energiefonds im Programm „Energieforschung 2025“, Schwerpunkt „Gesellschaftliche Transformation: Akzeptanz und Partizipation“, gefördert. Es läuft bis Februar 2028.
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