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Eine andere Art von Volatilität: Batterieerlöse bleiben auch im Mai 2026 robust

Der Mai brachte deutlich andere Marktbedingungen als der Vormonat: weniger Wind, höhere Strompreise und eine stärkere Rolle der Regelenergiemärkte. Die Erlöspotenziale von Batteriespeichern blieben dennoch nahezu unverändert. Lennard Wilkening, CEO und Mitgründer von Suena Energy, erläutert, warum erfolgreiche Batterieoptimierung immer weniger von einzelnen Marktphasen und immer stärker von der Fähigkeit abhängt, sich an unterschiedliche Marktbedingungen anzupassen.
Die Auswertung zeigt: Flexibilität ist in einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem nicht nur unter bestimmten Marktbedingungen wertvoll – sie gewinnt in nahezu jedem Marktumfeld an Bedeutung. | Grafik: Suena Energy

Wenige aufeinanderfolgende Monate haben so eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Quellen von Speichererlösen inzwischen geworden sind wie der April und Mai 2026.

Während der April von hoher erneuerbarer Erzeugung, langen Negativpreisphasen und ausgeprägten Solarstromüberschüssen geprägt war, entwickelte sich der Markt im Mai nahezu in die entgegengesetzte Richtung. Schwache Windverhältnisse reduzierten die erneuerbare Stromerzeugung, fossile Kraftwerke gewannen wieder an Bedeutung und die durchschnittlichen Großhandelspreise stiegen wieder auf das Niveau des März.

Auf den ersten Blick schienen diese Bedingungen deutlich weniger attraktiv für Batteriespeicher. Negativpreisphasen traten seltener auf und viele der Photovoltaik-getriebenen Handelsmöglichkeiten, die den April geprägt hatten, gingen zurück. Dennoch blieben die Erlöspotenziale bemerkenswert stabil.

Die Erklärung liegt in der veränderten Marktstruktur. Die Volatilität verschwand nicht, sondern zeigte sich auf andere Weise. Für Batteriespeicher bedeutete das nicht weniger Chancen, sondern andere Quellen der Wertschöpfung.

Der Mai in Zahlen

Wie robust sich die Erlöspotenziale von Batteriespeichern unter diesen veränderten Marktbedingungen entwickelten, zeigt die Analyse eines repräsentativen 10 Megawatt / 20 Megawattstunden Stand-Alone-Speichers in Deutschland.

Im Großhandel erwies sich der kontinuierliche Intraday-Handel erneut als stärkster Einzelmarkt und erreichte 15.400 Euro pro Megawatt. Der Day-Ahead-Markt folgte mit 11.400 Euro pro Megawatt, während die Intraday-Auktionen 11.000 Euro pro Megawatt erzielten. Gegenüber April gingen die Erlöse in den Energiemärkten leicht zurück, da extreme Preissignale seltener auftraten.

In den Regelenergiemärkten zeigte sich dagegen eine gegenteilige Entwicklung. Die Primärregelleistung (FCR) stieg auf 14.000 Euro pro Megawatt. Besonders deutlich legte die negative aFRR auf 17.100 Euro pro Megawatt zu, was die angespannteren Systembedingungen und den steigenden Bedarf an abwärtsgerichteter Flexibilität widerspiegelte. Die positive aFRR erreichte 7.000 Euro pro Megawatt, während eine kombinierte aFRR-Strategie durchschnittlich 12.000 Euro pro Megawatt erzielte. Auch die Erlöse aus aFRR-Aktivierungen stiegen weiter auf 2.600 Euro pro Megawatt.

Die höchsten Erlöse wurden jedoch erneut durch die Kombination verschiedener Märkte erzielt. Eine kombinierte Großhandelsstrategie aus Intraday-Auktionen und kontinuierlichem Intraday-Handel erreichte 19.000 Euro pro Megawatt.

Mit dem Suena Energy Trading Autopilot waren dagegen Erlöse von 24.500 Euro pro Megawatt möglich. Damit wurde das Ergebnis des Aprils von 23.600 Euro pro Megawatt trotz eines deutlich veränderten Marktumfelds sogar leicht übertroffen. Gegenüber der anderen Marktstrategien ergaben sich damit Mehrerlöse von 28 bis über 240 Prozent.

Wenn Flexibilität zur knappen Ressource wird

Der Mai hat erneut gezeigt, dass die Erlöse von Batteriespeichern vor allem durch Volatilität entstehen. Diesmal ging diese jedoch von anderen Marktdynamiken aus als noch im April.

Der Monat begann zunächst mit einer vertrauten Frühjahrsdynamik. Am 1. Mai traf eine hohe Photovoltaik-Erzeugung auf eine feiertagsbedingt niedrige Stromnachfrage. In der Folge fiel der Day-Ahead-Preis auf das technische Minimum von -499,99 Euro pro Megawattstunde. Einzelne Produkte im Intraday-Auktionshandel wurden sogar zu Preisen von unter -850 Euro pro Megawattstunde gehandelt.

Im weiteren Monatsverlauf traten solche Ereignisse jedoch deutlich seltener auf. Nach 123 Negativpreisstunden im April wurden im Mai 2026 noch 77 Stunden mit negativen Day-Ahead-Preisen registriert. Das ist zwar weiterhin einer der höchsten jemals gemessenen Mai-Werte, liegt jedoch deutlich unter dem Rekordniveau von 129 Stunden im Vorjahr.

Stattdessen rückten zunehmend ausgeprägte Morgen- und Abendrampen (sogenannte „Fledermausohren“) in den Mittelpunkt. Mit dem Ein- und Aussetzen der Photovoltaikerzeugung entstanden stärkere Preisunterschiede innerhalb des Tages, da konventionelle Kraftwerke ihre Leistung nicht schnell genug anpassen konnten. Diese immer deutlicher sichtbaren „Duck Curve“-Effekte eröffneten attraktive Arbitragemöglichkeiten für flexible Speicher.

Gleichzeitig spiegelten die Regelenergiemärkte ein System wider, das über weniger erneuerbare Überschüsse und geringere Flexibilitätsreserven verfügte. Der deutliche Anstieg der negativen aFRR-Erlöse sowie der Aktivierungsvolumina deutet darauf hin, dass Batteriespeicher häufiger zur Stabilisierung des Systems und zum Ausgleich von Ungleichgewichten benötigt wurden.

Die wichtigste Erkenntnis des Monats ist jedoch eine andere: Der Wert von Batteriespeichern hängt zunehmend weniger von einem einzelnen Marktumfeld ab. Während der April von erneuerbarem Überangebot und Negativpreisen geprägt war, entstanden die Chancen im Mai vor allem durch geringere Windeinspeisung, höhere Preisniveaus und angespanntere Marktbedingungen.

Für Batteriespeicher schaffen beide Situationen Erlöspotenziale. Denn unabhängig davon, ob das Stromsystem überschüssige erneuerbare Erzeugung aufnehmen muss oder auf Lastengpässe reagiert bleibt Flexibilität die knappe Ressource.

Ein Markt, viele Quellen der Wertschöpfung

Auch in den kommenden Sommermonaten ist mit einer erhöhten Volatilität sowohl in den Großhandels- als auch in den Regelenergiemärkten zu rechnen. Mit zunehmender Photovoltaik-Einspeisung dürften Überangebotsphasen und negative Strompreise weiterhin regelmäßig das Marktgeschehen prägen. Vieles deutet bereits jetzt darauf hin, dass 2026 erneut ein Negativpreisstunden-Rekordjahr werden könnte.

Trotzdem werden Erlöspotenziale zunehmend aus unterschiedlichen Marktbedingungen entstehen. Während einige Phasen von erneuerbaren Überschüssen und negativen Preisen geprägt sein werden, dürften andere von geringerer Windeinspeisung, stärkeren Rampen und höheren Flexibilitätsanforderungen bestimmt werden.

Entscheidend ist dabei nicht die Quelle der Volatilität, sondern die Flexibilität, die zu ihrer Bewältigung benötigt wird.

Der Mai hat dies eindrucksvoll gezeigt. Das Marktumfeld hat sich gegenüber April weitgehend verändert. Die Erlöspotenziale für Batteriespeicher hingegen kaum.

Und genau das dürfte eines der deutlichsten Signale dafür sein, dass Flexibilität in einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem nicht nur unter bestimmten Marktbedingungen wertvoll ist, sondern in nahezu jedem Marktumfeld an Bedeutung gewinnt.

Lennard Wilkening ist Mitgründer und Geschäftsführer von suena energy , einem auf softwarebasierte Multi-Markt-Optimierung spezialisierten Unternehmen für die Vermarktung von Großbatteriespeichern und erneuerbaren Energien. Mit rund zehn Jahren Erfahrung im Bereich Energiesysteme und einer Promotion an der Technischen Universität Hamburg gilt er als Experte für die Optimierung und systemdienliche Integration von Energiespeichern in die europäischen Strommärkte. —

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