Enpal stellt seine Infrastruktur anderen Marktteilnehmern zur Verfügung
Enpal schafft zwei neue Unternehmenseinheiten namens Energy-Tech und Operations-as-a-Service. Der Anbieter von Photovoltaik, Wärmepumpen und Energiesystemtechnik mit Fokus auf Privatkunden will damit die bereits eingeleitete Öffnung seiner Angebote fortführen. Dies ist nach eigener Formulierung kein Strategiewechsel, sondern ein Schärfen der Wachstumsstrategie, für deren bisherigen Erfolg Enpal gute Belege anführen kann: Nach vorläufigen Zahlen lag der Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei mehr als 600 Millionen Euro und damit 15 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr erwartet man mehr als 1,3 Milliarden Euro.
Für das weiterhin angestrebte Wachstum soll Enpal nun „der führende One-Stop-Shop für Energieunabhängigkeit in Europa“ werden. Dahinter stehen zwei strategische Ziele, nämlich erstens, Privat- und Gewerbekunden sämtliche Elektrifizierungslösungen aus einer Hand anzubieten, und zweitens, „anderen Marktteilnehmern“ die Möglichkeit zu bieten, auf Enpals operative Infrastruktur zurückzugreifen.
KI-gestützte Betriebssoftware
Zur Energy-Tech-Unternehmenseinheit gehören das KI-Unternehmen Flexa, die IoT- und Heimenergiemanagement-Plattform Enpal.One und Enpal Energy als Anbieterin eines eigenen Stromtarifs. Weiterhin gehört die Smart-Meter-Tochter Metrify zu dieser Einheit. Enpal will unter anderem seinen Stromtarif und das virtuelle Kraftwerk – also den Vermarktungsverbund von Erzeugungsanlagen und Batteriespeichern – künftig auch Haushalten anbieten, die keine Enpal-Anlage besitzen. Das anspruchsvolle Ziel lautet, bis 2030 für 500.000 Haushalte die technische Nachrüstung zu vollziehen, um sie aus der festen Einspeisevergütung in die Direktvermarktung zu überführen. Ferner sollen diese Lösungen in einem weiteren Schritt auch Gewerbekunden, Großspeicherbetreibern und Hardware-Herstellern offeriert werden.
Als neuesten Baustein seiner Energy-Tech-Einheit nennt Enpal die auf KI basierende und nach Angaben des Unternehmens in Partnerschaft mit dem US-amerikanischen KI-Konzern Anthropic entwickelte Betriebssoftware Hyperion. Sie vereint den Angaben zufolge Abrechnung, Kundenservice und Marktkommunikation und automatisiert zentrale Prozesse im Energiemarkt. Hyperion sei innerhalb der Enpal-Gruppe bereits im Rollout und werde künftig ebenfalls auch Dritten angeboten. „Was wir zunächst für unser eigenes Wachstum entwickeln, können wir künftig auch Partnern in der Energiebranche zur Verfügung stellen“, erklärt hierzu Chief Product Officer Benjamin Merle-Oberheide, der die Leitung der neuen Energy-Tech-Einheit übernimmt.
Rundum-Sorglos-Paket
Auch seine operative Infrastruktur will Enpal für Dritte öffnen und „als zweite tragende Wachstumssäule“ etablieren. Das Angebot der Operations-as-a-Service-Einheit richte sich „an Unternehmen, die dezentrale Energielösungen vertreiben oder in ihr Portfolio aufnehmen möchten, ohne dafür eigene operative Strukturen aufbauen zu müssen.“ Hierbei übernehme Enpal von Planung, Einkauf und Logistik über Installation und Inbetriebnahme bis hin zu Service, Wartung und Nachsorge die gesamte Wertschöpfungskette. Zudem lasse sich das Angebot mit den Technologie-Produkten von Enpal kombinieren. „So können Partner von Enpal ihren Kunden vom ersten Tag an ein umfassendes Rundum-Sorglos-Paket anbieten und sich so besser auf das eigene Kerngeschäft konzentrieren“, heißt es hierzu.
Es ist zwar nicht ganz klar, worin in dieser allgemeinen Beschreibung das jeweils eigene Kerngeschäft noch bestehen soll, doch der neue Leiter der Unternehmenseinheit, Simon Harske, ist von der Attraktivität des Angebots überzeugt: „Viele Unternehmen unserer Branche scheitern nicht an der Nachfrage, sondern an der operativen Komplexität und der Skalierung. Wir haben in den vergangenen Jahren eine einzigartige operative Infrastruktur gebaut, die wir jetzt nicht nur für Enpal nutzen, sondern auch dem Markt anbieten.“
Drei neue Führungspositionen
Mit den Veränderungen in Unternehmensstruktur und -angebot geht auch die Neubestellung von drei Führungskräften einher. Moritz Hubel, Geschäftsführer von Enpal Energy und bereits verantwortlich für die Entwicklung der Hyperion-Software, wird Leiter des 350-köpfigen Tech-Teams. Ein Schwerpunkt soll hier künftig darauf liegen, mit generativer KI „eigene Softwareentwicklungen unter anderem zur Steuerung dezentraler Energiesysteme voranzutreiben“.Den Posten eines Chief Growth Officer übernimmt Benjamin Hannemann-Zagel. Er verantworte damit die Marketing-Aktivitäten der Gruppe. Die bei Enpal neue Position des Chief Commercial Officer wird der bisherige Leiter des Partner-Vertriebs, Lukas Pauly, verantworten.
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