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BNE kritisiert „risikolose Traumrenditen“ der Verteilnetzbetreiber

In einer Analyse für das Jahr 2024 ermittelt der Bundesverband Neue Energiewirtschaft Durchschnittswerte von 30,1 Prozent – bei Extremen von bis zu 61 Prozent. Die großen Verteilnetzbetreiber waren demnach, gemessen an Renditen und eingesetztem Kapital, die profitabelsten Unternehmen in Deutschland, während sie gleichzeitig bei Ausbau und Digitalisierung sowie der Verbesserung ihrer Strukturen hinterherhinken.
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Zu viel Rendite für zu wenig Leistung? Der BNE bleibt bei seiner harten Kritik an den Verteilnetzbetreibern. | Foto: Bayernwerk Netz GmbH

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hat seine seit Jahren immer wieder vorgetragene scharfe Kritik an den Betreibern der deutschen Stromverteilnetze erneut bekräftigt. „Verteilnetzbetreiber im Renditehoch: Warum das deutsche Netzentgeltregime Stromkunden Milliarden kostet“ heißt die vom Verband vorgelegte Untersuchung der zu den 18 größten Verteilnetzbetreibern aktuell verfügbaren Daten für das Jahr 2024.

Der BNE-Analyse zufolge lag die marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite dieser Netzbetreiber, bei denen rund die Hälfte aller Haushalte und Unternehmen angeschlossen seien, im Jahr 2024 bei rund 30,1 Prozent. Für 2023 ermittelte der BNE eine Eigenkapitalrendite von 16,6 Prozent, betont aber gleichzeitig, dass 2021 bis 2023 in dieser Hinsicht „eher niedrigere Jahre“ waren. 2017 bis 2020 sei das Niveau ähnlich gewesen wie 2024.

Damit seien die großen Verteilnetzbetreiber 2024, gemessen an Renditen und eingesetztem Kapital, zumindest im Segment ab 1 Milliarde Euro Jahresumsatz die profitabelsten Unternehmen in Deutschland gewesen. Besonders erfolgreiche Unternehmen in anderen Branchen wie etwa Siemens Energy, SAP oder Rheinmetall haben demnach deutlich niedrigere Eigenkapitalrenditen erzielt. Damit seien „die Unternehmen mit den höchsten Gewinnen in diesem Land Netz-Monopolisten, die ohne Konkurrenz wirtschaften können.“

Besonders hohe Renditen ermittelte die Analyse für EWE Netz (61 Prozent), Westnetz (45 Prozent), die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (43 Prozent) und Bayernwerk Netz (38 Prozent). Generell erzielen die großen Verteilnetzbetreiber demnach seit Jahren deutlich höhere Erträge als die kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsungen vermuten lassen. Der BNE verweist auf die im März vorgelegte Studie „Kostensenkungspotentiale im Verteilnetz“ von Tim Meyer, der zufolge Netzkunden perspektivisch um bis zu drei Milliarden Euro jährlich entlastet werden könnten, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein angemesseneres Niveau sinken würden.

„Mutmaßlich mangelnde Kostenprüfung“

Besserung ist nach Einschätzung des BNE aber nicht in Sicht. Zentrale Gründe für die Gewinne seien die sehr große Freiheiten bei der Bestimmung der Netzentgelte; es gebe „mutmaßlich eine mangelhafte Kostenprüfung durch die Regulierungsbehörden“, auch nicht entstehende Kosten könnten den Netzkunden in Rechnung gestellt werden. Zudem trügen die Verteilnetzbetreiber „kaum ein unternehmerisches Risiko“. Es gebe aber keinen Grund zu der Annahme, dass die Renditen ab 2029 wesentlich sinken. Vielmehr dürften die dann greifenden, von der Bundesnetzagentur festgelegten Abrechnungsregeln „die Renditen sowie die Netzentgelte zusätzlich erhöhen“.

Der BNE attestiert deshalb – nicht zum ersten Mal – großen Reformbedarf. Während die großen Verteilnetzbetreiber „risikolose Traumrenditen einfahren“ und die Netzentgelte für Verbraucher und Unternehmen seit Jahren steigen, „hinkt Deutschland bei Netzanschlüssen, bei der Digitalisierung der Netze, bei der Standardisierung von Netzanschlussprozessen sowie beim Smart-Meter-Rollout hinterher“. Die Regulierung müsse stärker auf die realen Gewinne sowie die tatsächliche Leistung der Netzbetreiber ausgerichtet werden. Mehr Transparenz über Kosten und Gewinne, eine konsequente Kostenkontrolle, schnellere und bundesweit einheitliche Netzanschlussverfahren sowie stärkere Anreize für Digitalisierung und intelligente Netznutzung seien erforderlich. „Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern. Die aktuelle Netzkrise zeigt, dass genau hier erheblicher Nachholbedarf besteht“, betont BNE-Geschäftsführer Robert Busch.

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Kommentare

Gruenstrom
Jun 17, 2026

Auch eine Meinung von Portora

Die meisten denken, die Stromnetze gehören E.ON oder RWE.

Tatsächlich gehören sie zum großen Teil dem Staat. Nach dem laufenden TenneT-Kauf ist der Bund an drei der vier Übertragungsnetze beteiligt, die Ortsnetze sind meist Stadtwerke.

Enteignen würde meist den Staat treffen.

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E. Wolf
Jun 18, 2026

Hier ist von den Renditen der Verteilnetzbeteibern die Rede, nicht der Übertragungsnetzbetreiber !

Gruenstrom
Jun 17, 2026

Auch eine Meinung, im Netz gefunden:

Kurzer Faktencheck, weil eine Vokabel hier den ganzen Unterschied macht: Die 45 Prozent stimmen, aber es ist die Eigenkapitalrendite, nicht die Eigenkapitalquote.

Das Stromnetz ist ein reguliertes Monopol. Die Bundesnetzagentur erlaubt eine Verzinsung auf eine kalkulatorische Kapitalbasis, der erlaubte Eigenkapitalzins liegt bei den drei bis sieben Prozent, die der Artikel selbst nennt. Diese Verzinsung fällt in Euro an und wird dann auf das bilanzielle Eigenkapital bezogen. Das ist bei diesen Gesellschaften dünn. Genau diese niedrige Eigenkapitalquote treibt die Prozentzahl nach oben, nicht ein freier Preis.

Ob darüber hinaus zu viel verdient wird, ist die eigentliche Streitfrage. Die BNE-Analyse wirft aufgeblähte Basisjahr-Kosten und doppelte Inflationsanpassung vor, die Betreiber rechnen das vor Steuern und ohne Schuldendienst dagegen. Beide streiten über die Regulierung. Den Hebel hat die Bundesnetzagentur, und sie stellt den Zins gerade um.

Zur Enteignung: Die meisten Netze sind längst öffentlich. Die vier Übertragungsnetze gehören weit überwiegend Staaten und Ländern, die rund 900 Verteilnetze sind meist Stadtwerke. Die genannten E.ON-Töchter sind privat, aber nicht die ganze Landschaft. Egal wem das Netz gehört, die erlaubte Rendite setzt der Regulierer. Verstaatlichen ändert nur, wer sie kassiert, nicht wie hoch sie ist.

Gruenstrom
Jun 17, 2026

Ich möchte nicht sagen wir haben keine Probleme.
Bilanzen sind schwer zu lesen.
Eine Kennzahl sagt nichts aus.

Problem bei hohen Krediten (hohem Fremdkapitalanteil)
Wenn ein Unternehmen viel Fremdkapital (Kredite) nutzt, kann die Aussagekraft der Eigenkapitalrendite verzerrt sein. Das nennt man den Leverage-Effekt.

📈 1. Positiver Leverage-Effekt (kann die Rendite „künstlich pushen“)
Wenn die Gesamtkapitalrendite > Fremdkapitalzins ist:

Kredite wirken wie ein „Hebel“
Wenig Eigenkapital + viel Gewinn → ROE steigt stark

Beispiel:

1 Mio. Gewinn
Nur 2 Mio. Eigenkapital (Rest kreditfinanziert)

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E. Wolf
Jun 18, 2026

Es geht um unverschämte Übergewinne auf dem Rücken des Mittelstand und der Haushalte.

Selbstverständlich ist dieser Bereich reguliert, da es sich um ein Monopol handelt, aber es hat den Eindruck, es funktioniert nicht.

Schon in der Niedrigzinsphase, konnten die Netzbetreiber (VNB und ÜNB) auf eine Verschiebung des Berechnungszeitraumes hinwirken.

Und es verhandeln Beamte mit Konzernmitarbeitern, die ersten hätten gerne Ruhe im Karton und die anderen ihre Boni. Und dann reden die Chef’s miteinander und es gibt eine Einigung, zum Wohle aller Beteiligten und zu Lasten Dritter, so einfach geht das.