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Neue Strompreiszone Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark könnte Wasserstoffproduktion deutlich ankurbeln

Eine gemeinsame Strompreiszone für Schleswig-Holstein, Hamburg und Westdänemark könnte die Produktion von grünem Wasserstoff wirtschaftlicher machen. Laut Fraunhofer IEE würden Elektrolyseure deutlich häufiger laufen, während die Abregelung von Wind- und Solarstrom nahezu vollständig vermieden werden könnte.
Foto: Pixabay / DolfiAm

Eine gemeinsame Strompreiszone für Schleswig-Holstein, Hamburg und Westdänemark könnte die Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseuren erheblich verbessern und gleichzeitig die Abregelung von Wind- und Solarstrom deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) im Auftrag der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH).

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler würden die durchschnittlichen Strompreise in der neuen Gebotszone im Vergleich zur heutigen deutschen Einheitszone um 14 Prozent sinken. Die niedrigeren Strompreise würden starke Anreize für flexible Verbraucher wie Elektrolyseure schaffen.

Die Wissenschaftler untersuchten mehrere Szenarien für das Jahr 2030. Grundlage war eine sogenannte „NordicTwinSeaZone“ (NTSZ), die Schleswig-Holstein, Hamburg und Westdänemark umfasst. Neben dem Status quo betrachteten sie auch zusätzliche Elektrolysekapazitäten von einem und drei Gigawatt.

Die Zonenteilung hätte allerdings zunächst auch Nachteile für Betreiber von Wind- und Solaranlagen. Die Marktwerte von Strom aus Windkraftanlagen würden in der Nordzone im Status quo um 21 Prozent sinken, bei Photovoltaikanlagen sogar um 25 Prozent. Ursache dafür sind die häufigeren Stunden mit niedrigen Strompreisen.

Nach Einschätzung der Autoren könnten zusätzliche Elektrolyseure diesen Effekt jedoch weitgehend ausgleichen. Bei einem zusätzlichen Elektrolysezubau von drei Gigawatt sinkt der Marktwert von Windkraftanlagen nur noch um fünf Prozent, während der Marktwert von Photovoltaik-Anlagen sogar um acht Prozent gegenüber der Einheitszone steigt. Die Marktwerte für Windkraft und Photovoltaik würden im Rest des Landes übrigens fünf bis sechs Prozent zulegen. Wenn noch Elektrolyseure im Norden hinzugebaut werden, dann sind es sogar zwölf Prozent.

Besonders deutlich zeigen sich die Effekte bei der Wasserstoffproduktion. Im untersuchten Szenario würde die Auslastung der Elektrolyseure in der neuen Preiszone um 136 Prozent gegenüber dem heutigen Strommarktdesign steigen. Hintergrund ist, dass die Region die Anforderungen der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III, mindestens 90 Prozent erneuerbare Energien im Netz zu haben, wenn Wasserstoff produziert wird, viel häufiger erfüllen würde. Elektrolyseure könnten dadurch deutlich häufiger und infolgedessen wirtschaftlicher betrieben werden.

Gleichzeitig würde zusätzliche Elektrolysekapazität die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Während die marktbedingte Abregelung von Wind- und Solarstrom in der neuen Zone im Basisszenario bei 1,4 Prozent der potenziellen Erzeugung liegt, sinkt sie laut Studie bei einem zusätzlichen Elektrolysezubau von drei Gigawatt auf 0,2 Prozent. Die Forscher sprechen von einer nahezu vollständigen Reduzierung der marktlichen Abregelung.

Nach Einschätzung der Autoren würden die zusätzlichen flexiblen Verbraucher zudem zu einer Stabilisierung des Strommarktes beitragen. Mit zunehmender Elektrolyseleistung näherten sich die Strompreise in der Nordzone und im übrigen Deutschland wieder an.

„Wer erneuerbaren Strom dort nutzt, wo er entsteht, reduziert Abregelung, stabilisiert den Markt und erhöht die Versorgungssicherheit – genau hier setzt die NordicTwinSeaZone an“, sagt Felix Frischmuth, Projektleiter am Fraunhofer IEE.

Die Studienautoren sehen in dem Konzept daher nicht nur eine strommarktliche Maßnahme. Eine stärkere lokale Nutzung erneuerbarer Energien könne auch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschleunigen und die Versorgung mit heimisch erzeugtem grünem Wasserstoff unterstützen.

Im übrigen Deutschland würden die Strompreise laut der Fraunhofer-Studie allerdings um drei bis fünf Prozent steigen. Das war bereits eines der zentralen Argumente gegen eine Aufteilung der einheitlichen deutschen Stromgebotszone. Vorschläge für eine Unterteilung in mehrere Preiszonen werden seit Jahren diskutiert – etwa im Rahmen des europäischen Bidding Zone Review oder von Energieökonomen. Sie sehen in lokalen Strompreisen Anreize für einen effizienteren Netzausbau und eine bessere regionale Steuerung von Erzeugung und Verbrauch. Kritiker befürchten dagegen höhere Strompreise in industriestarken Regionen im Süden und Westen Deutschlands sowie Wettbewerbsnachteile für die dort ansässige Wirtschaft. Zuletzt hatte sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zur Beibehaltung der einheitlichen Stromgebotszone bekannt.

Kommentare

niranbunmi.mt
Jun 11, 2026

Überschuss für Wasserstoff
Mit welcher höhe der Einspeisevergütung muss der Steuerzahler die EEG-Vergütung übernehmen, damit die PV Besitzer weiter Geld bekommen, damit der Strompreis bei null ist und die PV Besitzer weiter Geld bekommen.
Bei PV mag es ja noch gehen, aber bei Börsenpreisen um die Null, werden auch die Windanalgen keine Bock haben, Ihre Anlagen auf Verschleiß zu fahren und kein Geld dafür zu erhalten. Und wenn der Börsenpreis bei Null ist, dann gibt es auch kein Investor wo in EE-Erzeugung steckt.

Die PV Blase freut sich, hat eber noch nicht alle Vorteile und Nachteile beurteilt.

Gruenstrom
Jun 11, 2026

Zusätzlich sollt man noch betrachten, wer dann für den Netzausbau bezahlt und
und ob es dann auch zweite Rechnungen gibt für Umlagen: Darunter fallen die KWKG-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplung) und die Offshore-Netzumlage, die den Ausbau erneuerbarer Energien und die Netzsicherheit finanzieren und Redispatch nicht vergessen.
KTF wer das EEG bezahlt, niedrigere Preise führt auch zu einer Belastung des EEG-Konto.

Bitte zwei getrennt Rechnungen, für Nord und Süd.
Und die Elektrolyseure wollen ja bestimmt von den Netzentgelte befreit werden und eine Förderung für den Bau der Anlagen.