Erneuter Brand in einem Haus mit Photovoltaik-Dachziegeln in Deutschland
Nach dem Vorfall im Mai in Gütersloh, bei dem ein Feuerwehrmann während der Löscharbeiten an einer Anlage mit Photovoltaik-Dachziegeln durch einen Stromschlag verletzt wurde, ereignete sich nun ein weiterer Brand. Am Dienstag (9. Juni) brannte erneut eine Haus mit Photovoltaik-Dachziegeln in Kleve.
65 Einsatzkräfte waren vor Ort. Der Brand hielt die Einsatzteams fast fünf Stunden lang auf Trab. Dieser jüngste Vorfall ereignete sich in einem Einfamilienhaus an der Materborner Allee. Der Alarm wurde gegen 14 Uhr ausgelöst, nachdem mehrere Anrufe eingegangen waren, die zunächst auf einen Brand auf einem Balkon hindeuteten. Die Feuerwehr der Stadt gibt jedoch an, dass die ersten Einsatzkräfte bei ihrer Ankunft feststellten, dass die Flammen die Dachkonstruktion befallen hatten.
Wie der Sprecher der Klever Feuerwehr, Florian Pose, mitteilte, bestand das Dach aus integrierten Photovoltaik-Dachziegeln und war zudem begrünt. Obwohl das Feuer auf den Dachbereich beschränkt blieb und nicht ins Innere des Hauses übergriff, gestaltete sich der Einsatz besonders komplex: Die Kombination aus integrierter Photovoltaik-Anlage und Gründach kann die Lokalisierung des Brandherdes zusätzlich erschweren.
Alle Bewohner hatten das Gebäude bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte verlassen, und es gab keine Verletzten. Die Brandursache wird noch untersucht. Im Zuge der Löscharbeiten musste das Dach teilweise abgedeckt werden, um an die verborgenen Brandherde heranzukommen und mögliche Glutnester zu beseitigen. Die Arbeiten dauerten bis 19 Uhr, als der Brand vollständig gelöscht war und die Straße wieder für den Verkehr freigegeben wurde.
Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, bei der die Module in der Regel auf einer separaten Konstruktion installiert werden, sind die Solardachziegel Teil der Gebäudehülle selbst. Dies erschwert sowohl den Zugang zur Konstruktion als auch die taktischen Belüftungs- und Demontagemaßnahmen, die Feuerwehren üblicherweise zur Bekämpfung von Dachbränden einsetzen.
Der Vorfall in Gütersloh
Der Brand in Kleve ereignete sich nur wenige Wochen nach einem ähnlichen Vorfall in Gütersloh. Damals breitete sich das Feuer unter einem Dach aus, das ebenfalls mit Photovoltaik-Ziegeln ausgestattet war. Während der manuellen Demontage der Solarkomponenten, um Zugang zu den Brandherden zu erhalten, erlitt einer der Feuerwehrleute einen Stromschlag durch ein Photovoltaik-Ziegel. Er wurde sofort vom Rettungsdienst versorgt und zur medizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.
Obwohl der Feuerwehrmann keine schweren Verletzungen davontrug, verdeutlichte der Vorfall die spezifischen Risiken, die mit dieser Art von integrierten Technologien verbunden sind: Zwar bieten Solardachziegel gegenüber herkömmlichen Photovoltaik-Dachanlagen ästhetische und architektonische Vorteile, doch stellen sie in Notfallsituationen neue Herausforderungen dar. Dazu zählen insbesondere die Schwierigkeit, die Lage der elektrischen Leitungen schnell zu identifizieren, die nicht vorhandene Möglichkeit, die Stromerzeugung tagsüber vollständig zu unterbrechen, sowie die Notwendigkeit, Bauteile zu demontieren, die Teil des Daches selbst sind.
Die europäischen Feuerwehren entwickeln seit mehreren Jahren spezifische Protokolle für Photovoltaik-Anlagen, doch die zunehmende Verbreitung von gebäude- und dachintegrierten Lösungen führt zu neuen operativen Variablen.
Hersteller: „Die Brände wurden nicht durch die Dachziegel ausgelöst.“
Solteq, der Hersteller der von den Bränden betroffenen Photovoltaik-Dachziegel, hat auf Nachfrage von pv magazine erklärt, dass die bisherigen Untersuchungen darauf hindeuten, dass keiner der Vorfälle durch die Photovoltaik-Dachziegel selbst verursacht wurde. Berkay Bayer, Vertreter des Unternehmens, erklärte, dass das Unternehmen ursprünglich aus dem Bereich der Betriebssicherheit stammt. „Unsere Tätigkeit im Bereich Solarenergie begann mit der Entwicklung von Schutzsystemen für Photovoltaik-Anlagen, noch bevor wir unsere integrierten Solardachziegel entworfen haben.“ Er fügte hinzu: „Auch wenn kein technologisches Produkt als völlig ausfallsicher angesehen werden kann, war es das Ziel unserer Entwicklungen, die Betriebsrisiken auf ein Minimum zu reduzieren.“ Das Unternehmen geht davon aus, dass die Brandursache in beiden Fällen mit anderen Komponenten der Anlagen zusammenhänge und nicht mit seiner integrierten Dachtechnologie.
Im Zusammenhang mit dem Brand in Gütersloh weist Bayer darauf hin, dass er in Kontakt mit dem Händler steht und dass die wahrscheinlichste Hypothese den Brandherd in dem Speichersystem verortet, das unter dem Dach installiert war, in dem das Feuer ausgebrochen ist. Solteq macht geltend, dass die Photovoltaik-Dachziegel bereits seit einiger Zeit keinen Strom mehr erzeugt hätten und dass die Ausbreitung der Brandherde vermutlich darauf zurückzuführen sei, dass die Batterien das System weiterhin mit Energie versorgten. Daher kommt er zu dem Schluss, dass die Photovoltaik-Ziegel nicht die Ursache des Brandes waren. Er weist zudem darauf hin, dass es nicht notwendig gewesen sei, das Dach vollständig abzudecken.
In Bezug auf den Fall in Kleve erklärt das Unternehmen, dass mehrere Wochen vor dem Brand eine Anomalie in einem der Strings der Anlage festgestellt worden sei und dass der Wechselrichter einen Isolationsfehler angezeigt habe. Solteq versichert, dass es empfohlen habe, unverzüglich eine Inspektion durchzuführen, um die Ursache des Problems zu lokalisieren, wie es in den Installations- und Betriebsanleitungen vorgesehen ist, die bei jeder Unregelmäßigkeit die Abschaltung der Anlage vorschreiben. Auch in diesem Fall schließt das Unternehmen aus, dass der Brandherd mit den Solardachziegeln in Zusammenhang stand.
„Wir kennen andere Fälle, in denen die Elektroinstallateure falsche oder inkompatible Steckverbinder in den Strangleitungen verwendet haben, obwohl wir stets die passenden Steckverbinder liefern“, erklärt der Sprecher pv magazine. „Wir bieten Schulungen für Feuerwehren und Einsatzkräfte in ganz Deutschland an und planen, diesen Bereich noch weiter auszubauen.“ Jedes mit einer Solteq-Photovoltaik-Anlage ausgestattete Haus erhält nach seiner Aussage eine Informationsplakette und ein Datenblatt für die Feuerwehr, das der Eigentümer den örtlichen Rettungsdiensten aushändigen muss. So wissen die Feuerwehrleute im Ernstfall sofort, wo sich die Photovoltaik-Komponenten und der Not-Aus-Schalter befinden.
Sicherheitsmaßnahmen ergriffen
Aufgrund dieser Vorfälle erklärt das Unternehmen, dass es die Situation analysiert und mehrere zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen will. Hervorzuheben ist dabei das seit 2008 verfügbare System Solteq-BFA (Brandfall-Abschaltung), das im Brandfall eine automatische Abschaltung der Anlage ausführt und mögliche Lichtbögen unterbricht. Seit Februar 2026 vertreibt das Unternehmen zudem das System Solteq-VBS (Vorbeugender Brandschutz). Dieses System verfügt über ein thermisches Schmelzkabel, das durch die als risikobehaftet eingestuften Bereiche verläuft und ab 110 Grad Celsius aktiviert wird. Wenn es eine Überhitzung feststellt, sei es bei Solarmodulen, Steckverbindern, Verkabelung, Wechselrichtern oder Speichersystemen, veranlasst es innerhalb von etwa 50 Millisekunden die automatische Abschaltung der Anlage.

Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht diese blitzschnelle Reaktion die Beseitigung eines der größten Risiken im Zusammenhang mit Photovoltaik-Anlagen: die Entstehung von Lichtbögen. Durch die Unterbrechung der Stromversorgung in einem frühen Stadium des Vorfalls löscht das System den Lichtbogen automatisch, bevor er sich zu einem Brand ausweiten kann. Darüber hinaus ermöglicht die Kombination der VBS- und BFA-Systeme, die auf der Photovoltaik-Anlage vorhandene Spannung im Notfall zu beseitigen, wodurch auch das Risiko eines Stromschlags für die Einsatzkräfte verringert wird.
Zudem sind seit Anfang 2026 alle Solardächer des Unternehmens serienmäßig mit einer feuerfesten Unterfolie ausgestattet, die von Solteq speziell aus Glasfaser und Aluminium entwickelt wurde und als zusätzliche Brandschutzbarriere dient sowie der gesamten Dachkonstruktion isolierende Eigenschaften verleiht.
Das Unternehmen hat zudem seine Schulungsprogramme für Rettungsdienste ausgebaut. Jedes mit einem Solteq-Solardach ausgestattete Haus erhält eine Kennzeichnungsplakette und ein Datenblatt für die Feuerwehr, in dem die Lage der Photovoltaik-Komponenten und der Notabschaltvorrichtungen detailliert aufgeführt ist.
Solteq zufolge ist bislang kein Wohnhaus durch einen auf die Solardachziegel zurückzuführenden Defekt zerstört worden. Das Unternehmen gibt zudem an, dass sein Versicherer Allianz in den rund 40 Jahren seiner Geschäftstätigkeit noch keinen Schadenfall im Zusammenhang mit dieser Technologie regulieren musste. Für den Hersteller stellt die Kombination aus korrekter Installation, der Verwendung zugelassener Komponenten, kontinuierlicher thermischer Überwachung und Schnellabschaltsystemen die wirksamste Strategie dar, um die mit integrierten Photovoltaikdächern verbundenen Risiken zu minimieren.
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Wirklich ein Trauerspiel für die Besitzer.
Eine richtig gute Idee, aber scheinbar absolut nicht ausgereift.
In Gütersloh fing es unter den Ziegeln an zu brennen. Die Ziegeln haben keinen Strom mehr erzeugt, aber abschalten kann man sie eigentlich nicht und macht nicht den technisch besten Eindruck. Das ein Solarspeicher unter dem Dach bei einem Brand irgendwann durchgeht, würde ich auch als wahrscheinlich annehmen. Also was war zuerst.
Wie kann man es ausliefern, wenn Fachfirmen Elektroinstallateure so viel falsch machen? Hier würde ich von einem seriösen Lieferanten eine Abnahme verlangen, gleichbedeutend mit einem E-Check. Gerade wenn solch ein Gefahrenpotential schlummert.
In Kleve lag ein Isolationsfehler vor und es können auf keinen Fall die Dachziegeln und deren Leitungen sowie Stecker sein. Da muss man aber überzeugt sein von seiner Qualität. Es sind doch 100te Ziegeln und Stecker. Aber was soll ein Hersteller schon anderes sagen. Gibt es eine Endkontrolle jedes Steckverbinders? Werden die Leitungen der Ziegeln bei dem Hersteller geschützt verlegt oder wild über die Dämmung, Sperre und Konstruktionsholz. Sind die Leitungen zugentlastet?
Hier Bedarf es insgesamt höherer Standards und Vorschriften in allen Bereichen, wie es mir scheint.
Wie soll denn dort eine Wartung der Anlagen und Stecker aussehen? Gibt Stromschienen oder Revisionsstellen? Hier fehlt es evtl. noch an Grundlagen. Gibt es gesonderte Zulassungen für dies Art der Lösung.
Mein Vertrauen in dachintegrierte Solarlösungen ist nicht vorhanden und hoffentlich werden alle anderen Dächer mit diese Art von Ziegel schnellstens geprüft.
Genau wegen diesem Quatsch habe ich alles selbst gebaut, inkl. der Batterien! Batterien gehören idealerweise gar nicht ins Haus, ich habe sie aber auch im Keller. Auf dem Dachboden haben sie definitiv nix verloren, viel zu warm!
Ich finde PV Module nicht unbedingt hässlich und diese PV Ziegel definitiv nicht schön. Es gibt tausende Steckverbindungen, wahrscheinlich viel zu hohe Spannungen und das alles direkt auf der Holzlattung. Warum macht man sowas überhaupt? Da ich auch das Dach zuvor selbst saniert habe, kenne ich mich detailliert damit aus und kann sagen: Mit der „Spezialfolie“ für den Brandschutz ist dann der nächste Bauschaden durch Schimmel oder faulendes Holz vorprogrammiert!
Ich verstehe auch die Probleme nicht, ich habe 30kwp mit Victron Komponenten und 64x 280Ah LiFePo4 Zellen. Alles was hier geschrieben wird, macht für mich keinen Sinn!
Wie kann Batteriespannung an den Modulen anliegen? Warum schaltet bei Isofehlern die Anlage nicht ab? Gibt es keine Trennrelais und Sicherungen?
Die schlimmsten Fehler die ich sah waren von Elektrikern. Falsch bis gar nicht gekrimpte Stecker.
Und natürlich Steckermix mit Chinamist. Viele Shops bieten Chinafakestecker an statt original MC4. Ich habe die Kontaktstifte in verschiedenen Kombinationen getestet. MC4 ist so streng, das braucht etwas Kraft um die Kontakte wieder zu trennen. Mancher Chinaquark sitzt so locker, da sind Probleme vorprogrammiert.