Österreichs Photovoltaik-Zubau sank 2025 auf 1634 Megawatt

Photovoltaik-Zubau in Österreich bis 2025, Zahlen von E-Control, Grafik PV Austria

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Der Frühling ist da und mit ihm der „PV Kongress 2026“, der traditionell als Auftaktveranstaltung der österreichischen Photovoltaik-Branche dient. In diesem Jahr konnten auf der Konferenz, zu der mehrere hundert Teilnehmer nach Wien kamen, frische Zahlen von E-Control zum Photovoltaik-Zubau im vergangenen Jahr präsentiert werden. Er lag bei 1634 Megawatt, was einen Rückgang um 22 Prozent gegenüber 2024 darstellt, wie Vera Immitzer, Geschäftsführerin des veranstaltenden Bundesverbands Photovoltaic (PV) Austria, auf einem Pressegespräch am Mittwoch erklärte. Noch viel weiter weg sind die bisherigen Rekord-Zubauzahlen von 2476 Megawatt aus dem Jahr 2023. Doch aus Sicht des Verbands ist es erforderlich, dass in Österreich jährlich etwa zwei Gigawatt neue Photovoltaik-Leistung installiert wird, um das Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Stromversorgung bis 2030 zu erreichen.

Für dieses Jahr geht der Verband allerdings davon aus, dass sich der Zubau eher auf dem Niveau des Vorjahres bewegen wird und wieder nicht die 2000 Megawatt-Marke erreicht. Dabei wird die aktuelle geopolitische Situation durchaus als Chance gesehen, dass der Zubau wieder anziehen könnte. Doch die aktuelle politische Lage im eigenen Land dämpft die Erwartungen wiederum. So war die vorzeitige Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung für kleine Dachanlagen durch die gerade gebildete neue Regierung im vergangenen Jahr ein schlechtes Signal – sowohl für die Branche als auch für investitionswillige Haushalte.

„Mal wieder stehen wir an einem Wendepunkt“, sagte Christoph Mair vom Installationsbetrieb MEA Solar im Pressegespräch. Er kritisierte die Stop-and-Go-Politik der Regierung mit ihren kurzfristigen Änderungen, die den Installationsunternehmen spürbar zu schaffen machten. Denn nach der Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung spielen die Fördercalls wieder eine größere Rolle, um die Nachfrage nach Photovoltaik-Dachanlagen anzukurbeln. Doch auch hier gibt es aktuell eine Wartezeit von sechs Monaten. Nach dem letzten Fördercall 2025 im November steht der nächste erst wieder im April 2026 an. Dies seien viel zu lange Zwischenzeiträume. „Installationsbetriebe wollen konstant installieren“, sagte Mair mit Blick auf die Situation in der Branche. Dazu komme, dass es aktuell eine angespannte Situation bei den Preisen gebe. So steigen die Komponentenpreise wieder, wie Mair erklärte. Dazu stelle auch der fehlende Netzausbau ein großes Hemmnis für größere Photovoltaik-Anlagen dar. In manchen Regionen gebe es so aktuell keine Möglichkeit, neue Volleinspeiseranlagen anzuschließen.

Auch bei der „Speicher-Offensive“ gibt es bisher nur Ankündigungen aus der Politik. Diese endlich zu starten, halten Immitzer und Mair für dringend geboten. Denn die Photovoltaik und der Batteriespeicher könnten nur noch als Duo gedacht werden. Auch für die Nachrüstung von Speichern gebe es ein großes Interesse im Land. „Wir brauchen die geeigneten Rahmenbedingungen, um Speicher zu installieren“, forderte Mair von der Politik. Es gehe dabei vor allem um einfache Genehmigungen und einheitliche Vorgaben. Auch die Brandschutzmaßnahmen dürften nicht überdimensioniert werden, damit die Speicher letztendlich auch günstig zu installieren seien. Dabei sind in Österreich schon tausende Speicher installiert. Für diese brauche es ein Anreizsystem, damit sie systemdienlich betrieben werden, sagte Mair. Dynamische Stromtarife oder die Netzentgelte könnten geeignete Mittel dafür sein.

Fokus auf heimische Energiequellen

Auf dem „PV Kongress 2026“ stellten sich schließlich auch zahlreiche Vertreter aus der Politik und von Netzbetreibern dem Publikum. PV Austria-Präsident Herbert Paierl hatte dabei das Motto der Konferenz ausgerufen „Vom Ausbau zur Systemlösung“. So seien die Netze ein Systempartner der Photovoltaik. Wichtig, so Paierl, sei vor allem eine weitere Entbürokratisierung. Denn – und dies hatte auch Immitzer zuvor schon gesagt – die österreichische Solarbranche hat bereits bewiesen, dass sie die notwendigen zwei Gigawatt Zubau pro Jahr liefern kann.

Dass vor dem Hintergrund des Iran-Konflikts eine stärkere Fokussierung auf den Ausbau der heimischen Energiequellen erfolgen könnte, dazu gab die Rede von Sepp Schellhorn, Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, etwas Hoffnung. „Energie ist kein Nebenschauplatz des Krieges, sondern das Ziel“, sagte er. Aus seiner Sicht wird der Benzinpreis nicht die größte Sorge sein, sondern eher der Gaspreis, der den Strompreis in den nächsten Jahren in die Höhe treiben wird. Er sprach davon, dass es aktuell zwei Ölkrisen und einen Gaskollaps auf einmal zu bewältigen gelte. Zwar habe sich Österreich aus der Abhängigkeit von russischem Gas gelöst, aber zu welchem Preis, fragte Schellhorn ins Publikum. Er betonte: „Jede Kilowattstunde, die wir selbst erzeugen, ist ein Stück Sicherheit und Minderung der Abhängigkeit.“ Dabei betonte Schellhorn weiter, dass die Photovoltaik bereits wettbewerbsfähig sei, doch es fehle an Geschwindigkeit beim Ausbau. „Tempo lässt sich nicht auf dem Papier erzeugen“, so der Politik weiter.

„Mehr Photovoltaik allein wird nicht alle Probleme lösen“

Schellhorn räumte ein, dass es bisher an Rechtssicherheit bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen fehle. Er habe selbst diese Erfahrung gemacht. Es herrschten teilweise widersprüchliche Rechtslagen. Dort müsse die Politik ansetzen. Zudem schlug er vor, die Genehmigungsfreiheit auf mehr Anlagen auszuweiten. „Das bringt Tempo in die Hütten“, sagte Schellhorn. Allerdings schränkte er auch ein: „Mehr Photovoltaik allein wird nicht alle Probleme lösen, da dürfen wir nicht naiv sein. Unser System muss flexibler werden, daher brauchen wir Netze, mehr Speicher und Rahmenbedingungen, die Innovationen ermöglichen“, erklärte Schellhorn.

ElWG in Kraft, aber es fehlen noch Verordnungen

Die Rahmenbedingungen werden dabei von der Politik gesetzt und diese arbeitet derzeit an vielen Fronten, um für Klarheit zu sorgen, wie auf der Veranstaltung deutlich wurde. So stellte Celine Gutschi aus dem Wirtschaftsministerium die Neuerungen aus dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) vor. Es ist seit Ende vergangenen Jahres – näch jahrelangem zähen Ringen – endlich in Kraft. Allerdings bedarf es auch an vielen Stellen noch genauer Verordnungen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Eine davon ist die Regelung zur Netzentgeltbefreiung für den Bezug bei Speichern. Hierzu hat die Behörde E-Control kürzlich ein Papier veröffentlicht, um zu klären, was unter Systemdienlichkeit zu verstehen ist. Aktuell wird es konsultiert und Stellungnahmen sind noch möglich und erwünscht, wie E-Control-Leiter Alfons Haber auf der Veranstaltung erklärte. Bis zum Sommer soll eine mögliche Definition gefunden werden. Die neuen Netznutzungsentgelte sollen dann zum Jahreswechsel 2026/27 in Kraft treten. Damit soll dann auch Sicherheit bei den Netzanschlusskosten für alle Investoren geschaffen sein, wie Haber betonte.

Im ElWG festgeschrieben ist zudem ein vereinfachter Netzanschluss für kleine Anlagen bis 20 Kilowatt sowie eine Vorgabe an die Netzbetreiber, dass sie künftig verfügbare Netzanschlusskapazitäten veröffentlichen und quartalsweise aktualisieren müssen. Auch flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) sind im Gesetz enthalten und zwar mit der Vorgabe an die Netzbetreiber, den notwenigen Ausbau für den Anschluss der vollen Leistung der Anlagen innerhalb von 12 bis 24 Monaten zu gewährleisten.

Dass diese Regelung bei den Netzbetreibern auf wenig Gegenliebe stößt, kann beim aktuellen Ausbautempo der Netze niemanden verwundern. Sie machten es auch auf dem „PV Kongress 2026“ sehr deutlich. Zugleich ist ihnen klar, dass das Tempo der Energiewende im Land maßgeblich vom Ausbau der Netze abhängt. Von Konferenzteilnehmern war zu hören, dass die Netzbetreiber selbst zwar keine dauerhaften FCAs anbieten könnten, sich aber durchaus darauf einließen, weil Projektierer großer Batteriespeicher danach fragen. Denn nicht nur in Deutschland gibt es einen Run auf die verfügbaren Netzanschlusskapazitäten durch große Batteriespeicher – in Österreich zeichnet sich dasselbe Bild. Die auf der Veranstaltung vertretenen Netzbetreiber stellten dabei aber deutlich klar, dass es uneingeschränkte Netzanschlüsse für den Bezug und die Einspeisung von Speichern vorerst nicht geben wird.

Auch ein Aspekt aus dem ElWG ist, dass neue Photovoltaik-Anlagen ab Juni 2026 für die Netzbetreiber ansteuerbar sein müssen. Wie das konkret umgesetzt wird, ist aber noch vielerorts offen und wird sich wohl von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterscheiden. Klar sollte aber sein, dass der Eigenverbrauch vor Ort auch nach Inkrafttreten der Regelung weiter möglich sein wird.

Arbeiten am EABG und EAG laufen

Während das ElWG die Hürde des Inkrafttretens genommen hat, geht das Ringen beim Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) derweil noch weiter. Maximilian Riedel aus dem Wirtschaftsministerium zeigte auf, was mit dem Gesetz erreicht werden soll. Es dient im Grunde der Umsetzung der EU-Erneuerbare-Energien-Verordnung RED III und soll auf das Erreichen der Erneuerbaren-Ausbauziele ausgerichtet sein. Dabei stünden vereinfachte Genehmigungsverfahren und der Abbau von Bürokratie im Fokus, so Riedel.

Seine Kollegin Bettina Hohenwarter, die sich im Wirtschaftsministerium hauptsächlich mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) befasst, führte ebenfalls aus, was diesbezüglich auf die Branche zukommen wird. Auch hier geht es hauptsächlich um Vorgaben aus Brüssel, die in nationales Recht übertragen werden müssen. Im Mittelpunkt stehen dabei die zweiseitigen Differenzverträge, die künftig für die Förderung von Erneuerbaren-Anlagen eingesetzt werden sollen. Hohenwarter erklärte, dass diese aus zwei Grundelementen – der gestützten Mindestvergütung und der Begrenzung von überhöhten Einnahmen für die Anlagenbetreiber – bestehen werden. Allerdings, so machte sie auch klar, bezieht sich diese EU-Vorgabe nur auf direkte Stützungsmechanismen. Die Investitionszuschüsse, wie sie in Österreich für die Förderung von Photovoltaik-Dachanlagen gelten, seien davon nicht betroffen. Auch bei Steuermaßnahmen kämen sie nicht zu Anwendung. Greifen sollen die Differenzverträge ab Juni 2027, wie Hohenwarter erklärte. Daneben arbeitet das Ministerium auch noch daran, die Vorschriften der EU aus dem Net-Zero Industry Act (NZIA) vollumfänglich in nationales Recht zu überführen.

Der „PV Kongress 2026“ hat gezeigt, im Angesicht des entflammten Iran-Krieges besteht eine Hoffnung, die Photovoltaik- und auch Speicherinstallationen im Land wieder anzukurbeln. Doch die vielen ungelösten politischen Fragen und Themen gestalten den Wachstumspfad noch steinig. Vielleicht hilft die Frühlings- und Sommersonne.

Denn mit einer kumuliert installierten Leistung von knapp 9,8 Gigawatt bis Ende 2025 ist Österreich bereits ein gutes Stück des Weges gegangen. Immerhin 15 Prozent des Stromverbrauchs der Alpenrepublik wurden damit gedeckt. In den kommenden Monaten dürften es prozentual mehr sein und dann kommt auch der dämpfende Effekt der Photovoltaik am Großhandelsstrommarkt noch stärker zum Tragen. Die Photovoltaik helfe somit auch in der aktuellen Situation, sagte Christoph Dolna-Gruber von der österreichischen Energieagentur: „Erneuerbare Energien können Gas verdrängen, zumindest an einigen Stunden.“

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